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Wurzen Afrikanische Schweinepest: Landkreis und Jäger nehmen Schwarzkittel aufs Korn
Region Wurzen Afrikanische Schweinepest: Landkreis und Jäger nehmen Schwarzkittel aufs Korn
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18:21 06.04.2018
Der Landkreis Leipzig probte bereits den Ernstfall für den möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Mastbetrieb in Zwenkau. Quelle: Mike Köhler
Landkreis Leipzig.

Experten sind sich einig: Mittlerweile lautet die Frage nicht mehr, ob die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreicht, sondern nur noch wann. Auch der Landkreis ist in höchster Alarmbereitschaft. Und Beigeordneter Gerald Lehne fürchtet den Moment, in dem im Wald das erste durch ASP verendete Wildschwein entdeckt wird. „Wir bereiten uns auf den Ausbruch der Krankheit vor“, erklärt Lehne, der die Maßnahmen im Landratsamt koordiniert und erst kürzlich Vertreter von Jagdverbänden, Sachsenforst und Landwirten zum Krisengipfel geladen hatte.

Die Gefahr, dass die ASP Sachsen erreicht, ist in den vergangenen Wochen weiter gestiegen. Der Nachweis der ersten Fälle in Tschechien nur 300 Kilometer von der sächsischen Grenze entfernt hatte im Juni die Alarmglocken schrillen lassen. Ende November wurden dann erstmals infizierte Wildschweine aus dem Raum Warschau gemeldet. Fälle, die hundert Kilometer entfernt vom nächstgelegenen Ausbruchsort der Krankheit im Osten Polens auftauchten und die nach Einschätzung von Experten die Dynamik zeigen, mit der die Krankheit voranschreitet. Das Friedlich-Löffler-Institut als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit geht davon aus, dass sich die Seuche vor allem über den Transitverkehr weiter nach Westen vorarbeitet. Hier gilt die gute Autobahnverbindung zwischen Warschau und Berlin als unwillkommener Beschleuniger.

„Um dem Thema zu begegnen, bedarf es dringend präventiver Maßnahmen", fordert Lehne. Allerdings ist der Beigeordnete kein Freund von Abschussprämien, wie sie besonders Landkreise in Grenzregionen zu Polen und Tschechien inzwischen zur Eindämmung der Schwarzwildbestände beschlossen haben. „Erste Erfahrungen zeigen, dass solche Anreize nicht dafür sorgen, dass mehr Tiere erlegt werden.“ Auch den Vorschlag, Jägern die Gebühr für die Trichinenproben zu erlassen, hält Lehne nicht für den richtigen Weg. Dies, so der Beigeordnete, sei nicht mit EU-Recht vereinbar. „Vielmehr erwarten wir, dass das Land einen geeigneten Maßnahmenkatalog umsetzt, um die weitere Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern.“ Dabei dürfe es aus Sicht der Kreisbehörde keine Denkverbote geben. „Und vor allem muss gehandelt werden, bevor die Seuche ausbricht.“

Als vorrangig gilt dabei die Verringerung der Wildschweinbestände, die auch im Landkreis extrem zugenommen haben und die Lehne auf rund 5000 Tiere schätzt. Allerdings bekommen es die Jäger mit einem gewieften Gegner zu tun. „Wildschweine sind unheimlich intelligent. Das weiß jeder, der schon einmal die Flinte auf sie angelegt hat“, erklärt der Beigeordnete, selbst passionierter Jäger. Vor allem die Zunahme an Maisanbauflächen mache es den Tieren leicht, für Monate abzutauchen. „Der Tisch ist derart reichlich gedeckt, dass sich die Wildschweine dann in aller Ruhe vermehren können.“ Der Kreis begrüßt deshalb angedachte Vereinfachungen im Sächsischen Jagdgesetz ausdrücklich. So soll es möglich sein, besondere Fangvorrichtungen zu nutzen, die bislang verboten sind. Auch das sogenannte Überjagen von Hunden soll erlaubt werden. „Das bedeutet, dass auch die Waldränder, in denen sich Wildschweine gern verstecken, bejagt werden dürfen.“ Auch Schalldämpfer sollen statthaft sein. Das Interesse, auf die Tiere anzulegen, werde allerdings aktuell durch einen teilweisen Preisverfall verhagelt. „Größere Händler sind mittlerweile bei einem Euro angelangt, den sie pro Kilo zahlen. Deshalb gelingt es den Jägern nicht mehr überall im Kreis, das Fleisch abzusetzen.“ Besonders hohe Bestände an den Tagebaurändern würden so zum Problem.

Sollte es zum Äußersten kommen, hat der Landkreis das Krisenszenario bereits mit einer groß angelegten Übung durchgespielt. Zu den Gegenmaßnahmen gehört auch die verstärkte Kontrolle von Transitparkplätzen. So ist die Straßenmeisterei angehalten, von Fernfahrern bevorzugte Parkplätze entlang der B 95 regelmäßig zu säubern. Auch die Behälter entlang der Autobahnen würden öfter gereinigt. Da der Erreger in Lebensmitteln, zum Beispiel rohem Schinken, lange überleben kann, gilt zum Beispiel Rohwurst als gefährliches Mitbringsel von Fernfahrern. Ein einziges unbedacht weggeworfenes Wurstbrot könnte so zu folgenschweren Konsequenzen führen. Wenn hiesige Wildschweine ein derart belastetes Lebensmittel fressen, wäre der Ernstfall schneller da, als allen lieb ist. „Dann würden auch massive Auswirkungen für Schweinehalter und Landwirtschaft drohen“, warnt Lehne. Von Restriktionen und Handelsverboten wären schlimmstenfalls rund 420 Betriebe im Landkreis mit aktuell etwa 38 000 Tieren betroffen.

Von Simone Prenzel

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