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Agrarfirma auf Erfolgskurs: BioChem baut neue Labore in Gerichshain

Erweiterung Agrarfirma auf Erfolgskurs: BioChem baut neue Labore in Gerichshain

Als vor 25 Jahren der Grundstein für die Firma gelegt wurde, hätte wohl niemand an eine derart positive Entwicklung geglaubt. Mittlerweile behauptet sich die BioChem agrar GmbH aus Gerichshain erfolgreich am Markt und agiert auch international. Mit einem Neubau für 14 Millionen Euro will sich das Unternehmen für die Zukunft rüsten.

Der Neubau der BioChem Agrar in Gerichshain im Modell. Im linken Bereich sind die neuen Büro- und Laborgebäude sowie das Gewächshaus dargestellt. Über einen Verbindungsgang besteht Anschluss an das vorhandene Betriebsgebäude am rechten Bildrand.

Quelle: Beyer und Lätzsch GbR, Grimma

Machern/Gerichshain. Das Unternehmen BioChem Agrar GmbH mit Sitz in Gerichshain schreibt weiter an seiner Erfolgsgeschichte. Nach der Wende als unselbstständige Zweigniederlassung der Karlsruher BioChem gestartet, haben die Macherner inzwischen mehr als Laufen gelernt. „Wir können sehr stolz auf das Erreichte sein“, bilanziert Joachim Winkler, Technischer Geschäftsführer der Firma, die sich unter anderem auf Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln und deren biologische Wirkung im Freiland spezialisiert hat. Die Dienste der Biologen, Chemiker, Laboranten, Techniker und Agraringenieure sind international mehr als gefragt. Zu den Auftraggebern zählen Chemie-Multis, die international agieren. Deshalb kommen Aufträge zum Beispiel aus Amerika, Kanada, Japan oder China. „Unsere Kapazitäten in Gerichshain platzen aus allen Nähten“, schildert der Großsteinberger, der das Unternehmen gemeinsam mit Gernot Renner führt und vor 25 Jahren gegründet hat.

Cunnersdorfer Experten wagten Sprung ins kalte Wasser

Dass sich die Firma einmal so erfolgreich entwickeln würde, hätte niemand zu hoffen gewagt. „Viele von uns waren früher in der Zentralstelle für Anwendungsforschung Cunnersdorf beschäftigt. Als es dort keine Perspektive mehr gab, sind wir einfach ins kalte Wasser gesprungen.“ Als Glücksumstand habe sich die Bekanntschaft mit Walter Massmann, dem Chef der Karlsruher BioChem, erwiesen. Der Facharzt für Arbeitsmedizin, Pharmakologie und Mikrobiologie erkannte kurz nach der Wende das Potenzial, das in den hiesigen Fachleuten steckte. „Sein fester Glaube an den Erfolg, seine rückhaltlose Unterstützung und die anfängliche Absicherung durch den Freistaat Sachsen ließen uns die schweren Anfangsjahre überstehen.“ 2001 wurde die neue Betriebsstätte im Gerichshainer Gewerbegebiet eröffnet.

Doch die Hülle allein machte es nicht. „Der neue Firmensitz war kein Garant für höhere Umsätze und Gewinne. Es folgte eine zähe Etappe der Akquisition, des Ringens um jeden einzelnen Auftrag und eine fast schon liebevolle Kundenpflege“,beschreibt es Winkler. In der mittlerweile 25-jährigen Firmenhistorie firmiert diese Zeit unter „Jahren der Konsolidierung“. Ab 2004 habe die kleine BioChem-Arche zunehmend Kurs auf höhere Umsätze genommen, erläutert der Agraringenieur. Das Gerichshainer Unternehmen investierte landesweit in verschiedene Versuchsstationen. So wurden nach Motterwitz (bei Grimma) auch Anlagen in Trossin (Nordsachsen) und Tützpatz (Mecklenburg-Vorpommern) gekauft.

Ostfirma kauft Westfirma

2010 fiel auch die einstige innerdeutsche Grenze als Expansionsbarriere: „Wir erwarben – immer unterstützt durch die neue Gesellschafterin Lysan Massmann - unsere erste Firma in den alten Bundesländern.“ In Uedem am Niederrhein wurde ein altes Bauerngut für zwei Millionen Euro in eine moderne Niederlassung der BioChem verwandelt. „Wir haben damit auch Sorge dafür getragen, ländliche Bausubstanz zu erhalten“, macht Winkler aufmerksam. Längst scheuen sich die Agrar-Analytiker auch nicht mehr vor internationalen Aufgaben: „Vor fünf Jahren erwarben wir unsere erste Versuchsstation in Polen in der Nähe von Opole. Und auch in Spanien haben wir aktuell unseren Fuß in der Tür.“ Ein gesundes Wachstum sei der Lohn. Die Umsätze wurden Schritt für Schritt gesteigert. „2014 haben wir erstmals die 10-Millionen-Grenze geknackt. In diesem Jahr peilen wir 15 Millionen Euro Umsatz an.“

Der Garant für diese Erfolgsgeschichte sei der Fleiß der Mitarbeiter und ihre Fachkompetenz. Auch Gesellschafter Lysan Massmann weiß, was sie an den Experten hat. „Als es darum ging, die Entscheidung für einen Neubau in Gerichshain zu treffen, habe ich gewusst: Auf das Urteil der Leute vor Ort kann ich vertrauen“, so die Juristin, die inzwischen das unternehmerische Erbe ihres Vaters angetreten hat. Zwar habe sie bei der für die Erweiterung fälligen Investitionssumme erst einmal geschluckt. „Aber ich bin überzeugt, dass das Unternehmen hier am Standort eine sehr erfolgreiche Zukunft hat.“ Für neue Betriebs-und Laborräume nimmt BioChem in den nächsten zwei Jahren 14 Millionen Euro in die Hand. Auch ein neues Gewächshaus soll auf der Fläche an der B 6 entstehen. Perspektivisch werde auch die Zahl der Mitarbeiter weiter steigen. Von anfangs 20 sei man mittlerweile auf 110 Mitarbeiter gewachsen. „Und perspektivisch“, so Geschäftsführer Gernot Renner, „soll sich diese Zahl noch auf 120 bis 130 erhöhen.“

Von Simone Prenzel

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