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Wurzen Ahorn-Amputation hat Nachspiel
Region Wurzen Ahorn-Amputation hat Nachspiel
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05:00 20.03.2010
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. Hier sei ganz klar unsachgerecht vorgegangen worden. Nicht nur das. „Wenn es ein so genannter Pflegeschnitt hätte sein sollen, hätte der uns nicht angezeigt werden müssen, weil sich nur um einen kleinen Eingriff handelt“, erklärt Voigt. Doch das sei hier klar nicht der Fall. Es sei weit mehr als nur in den Feinastbereich eingegriffen worden. Das aber hätte genehmigt werden müssen. Vorab wäre eine Begehung und Absprache nötig gewesen. Man prüfe, ob es sich um eine Ordnungswidrigkeit handele, so Voigt.

Am Montag hatten zwei Männer der Firma Molkenbur aus Fremdiswalde den schätzungsweise 80-jährigen Ahorn dermaßen beschnitten, dass sich nun nur noch ein kahles „V“ etwa 15 Meter in die Höhe streckt (die LVZ berichtete).

Auch Beate Brauer blieb „beinah das Herz stehen“ als sie sah, was die vermeintlichen Experten angerichtet hatten. „Es war ganz klar ein Pflegeschnitt mit der Firma vereinbart worden, die uns als kompetent empfohlen wurde“, so die Verwalterin des Grundstücks Markt 4, auf dem der Baum steht und das sich bis an den Badergraben erstreckt. Man habe mit der Aktion auch auf die „berechtigte Forderung“ des Eigentümers des Grundstücks Badergraben 1 reagieren wollen. Denn der Ahorn habe mit seinen Ästen immer wieder Dach und Hausfassade berührt.

Wie Beate Brauer weiter sagte, habe es in der Vergangenheit immer wieder Unstimmigkeiten zwischen den benachbarten Grundstückseigentümern hinsichtlich des Ahorns gegeben. Während Familie Jope, auf dessen Grundstück der Baum steht, das Gewächs unbedingt erhalten wollte, sei der Familie Carlotto der Baum schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Ob Lutz Carlotto, der sich derzeit im Urlaub befindet und deshalb gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, nun Druck auf die Baumschnitt-Firma gemacht habe, könne sie nur vermuten, so Brauer. Markus Carlotto sagte gestern auf Anfrage, dass Gefahr in Verzug gewesen sei, Äste an Fassade und übers Dach gewachsen seien. Von Druck wollte er nicht sprechen. „Wir haben der Firma gesagt, was weg soll und uns aber darauf verlassen, dass sie fachgerecht arbeitet.

Hendrik Molkenbur aus Fremdiswalde – nach eigenen Angaben erfahren im Gartenbaubereich – hat mit seinen Kollegen den Schnitt „vollbracht“. Er behauptet selbst, „übers Ohr gehauen“ worden zu sein. Der starke Schnitt sei mindestens ein „Missverständnis“ gewesen. „Mir gegenüber sind Markus und Lutz Carlotto als Mittler von Frau Brauer aufgetreten und haben auf den massiven Eingriff gedrungen.“ Er habe nichts von der Schutzwürdigkeit des Baumes gesagt. Molkenbur gab zu, dass tatsächlich nur ein Pflegeschnitt vereinbart war. Hendrik Molkenbur: „Ich glaube aber, dass der Baum wieder ausschlägt und überlebt.“

Da ist Ingeburg Voigt nicht so sicher. „Es sind Schnitte von weit über fünf Zentimeter Durchmesser gemacht worden. Da ist die Gefahr von Pilzbefall besonders groß.“ So eine Kappung sei oft ein Tod auf Raten. Auch wenn der Baum zunächst wieder austreiben sollte. Die Baum-Expertin der Stadt appelliert an Grundstückseigentümer, die massive Eingriffe an ihren Bäumen vorhaben, sich zunächst immer bei der Stadtverwaltung Rat zu holen. Sonst könnten „Schnitte“ teuer, das Landratsamt eingeschaltet und Bußgelder für solche Ordnungswidrigkeiten fällig werden.

 

Drago Bock

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