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Alles eine Frage des Giebels?

Alles eine Frage des Giebels?

Wurzen. Wird die bislang intakte Häuserzeile der Schweizergartenstraße nach dem „Harlekin“ noch weiter reduziert? Es sieht danach aus, erfüllte sich die Ankündigung von Heike Pönicke.

. Die Geschäftsführerin der WGW geht von einem Abriss des Objektes Nummer 7 aus. Sie sprach von einer „Gefährdung der Standsicherheit“ des Hauses, das sich im Eigentum der WGW befindet. Es sei „Gefahr im Verzug“, eingetreten durch den Abbruch des benachbarten Harlekins.

Ob wirklich und wann abgerissen wird, scheint allerdings noch nicht klar. Für den Abriss ist ein Beschluss des WGW-Aufsichtsrates nötig. Außerdem müssten noch statische Untersuchungen folgen, Angebote von Abrissfirmen eingeholt werden, so Heike Pönicke.

Karin Wagner, Chefin des Bauaufsichtsamtes des Kreises, sieht die Situation etwas anders als die WGW-Chefin. „Die ,7‘ ist im Grunde nicht gefährdet. Denn wir werden die entscheidende Giebelwand sichern, so dass das Haus der WGW nicht zwingend abgerissen werden muss.“ Die Sicherung des Giebels sei vor dem Abriss des Harlekins auch festgelegt worden. Richtig sei zwar, dass die WGW mit einem Abriss dem Bauaufsichtsamt entgegen käme, da dann auf die Sicherung des Giebels verzichtet werden könne. Doch das sei nur eine theoretische Betrachtung. Die Entscheidung, ob abgerissen wird oder nicht hänge quasi allein bei der WGW, so Karin Wagner.

Hat die WGW in Sachen Abriss nun freie Hand? Die WGW müsse den Abriss nur anzeigen. Allerdings garantieren, dass das Nachbarhaus, die Nummer 5, dort existiert das gleiche Giebelproblem, nicht gefährdet wird, sagt Wagner.

Irgendwie merkwürdig: Seit dem 22. Februar liegt der WGW eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung des Landratsamtes zum Abriss der Schweizergartenstraße 7 vor. Das bestätigt zwar Denkmalschützer Günter Unteidig („Ja, es gibt eine denkmalschutzrechtliche Abrissgenehmigung.“). Wenn aber sicher sei, dass der Giebel mit verhältnismäßigem Aufwand in seiner Standfestigkeit erhalten werden kann, werde das Haus Nummer 7 nicht abgerissen. Dann spiele die Genehmigung keine Rolle, sagt Unteidig.

Das Gebäude in der Schweizergartenstraße stammt aus dem Jahr 1876. Nach WGW-Angaben steht es etwa seit 2000 leer. Die WGW habe keine konkreten Pläne für das Haus gehabt. Das Dach war allerdings saniert worden. Für den Abriss sei es nicht vorgesehen gewesen, so Heike Pönicke.

Sollte es zum Abriss kommen, müsste die WGW die Kosten tragen. Förderungen über das Stadtumbauprogramm seien nicht möglich. Allerdings schmilzt durch den Abbruch die rund Fünf-Millionen-Euro-Altschuldensumme der WGW um etwa 35000 Euro. „Das gelingt, da sich die gesamte WGW-Wohnfläche um 507 Quadratmeter (acht Wohnungen befinden sich in der „7“) reduziert. Wir könnten das Geld den Abrisskosten praktisch gegenrechnen“, erklärt Heike Pönicke. Die WGW wolle die etwa 200 Quadratmeter große Grundstücksfläche nach dem Abriss zum Kauf anbieten.

Das Problem mit Wand an Wand stehenden alten Häusern ist nicht neu. Früher wurde oft bei aneinanderstehenden Gebäuden auf eine zweite Giebelwand verzichtet. Betroffene Hauseigentümer büßten heute im Grunde für den materiellen Vorteil, den Vorfahren oder Vorbesitzer hatten, erklärte Architekt Hartmut Krause mit Blick auf einen ähnlichen Fall in der Dresdener Straße vor einigen Jahren. Und Manfred Bresk von der Stadtverwaltung weiß, dass aus den Grundbüchern oft nicht eindeutig hervorgehe, ob es eine oder zwei Giebelwände gebe, ob so genannte Giebelanbaurechte vergeben wurden oder nicht. Im konkreten Fall wussten aber alle Bescheid, so Günter Unteidig.

Die Sperrung der Schweizergartenstraße ist seit gestern Nachmittag aufgehoben. Die Fußwege, auch die Schmiedegasse blieben allerdings wahrscheinlich bis kommenden Mittwoch noch gesperrt, so Manfred Bresk.

Drago Bock

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