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Wurzen Alt und knorrig wie ein Baum: Die schönsten Naturdenkmale im Landkreis Leipzig
Region Wurzen Alt und knorrig wie ein Baum: Die schönsten Naturdenkmale im Landkreis Leipzig
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00:17 10.07.2018
Die Grenzeiche zwischen Auligk (Sachsen) und Minkwitz (Sachsen-Anhalt) lenkt mit ihrer stattlichen Krone alle Blicke auf sich. Quelle: Kathrin Haase
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Landkreis

Ein Leben ohne Bäume ist undenkbar. Menschen und Tiere benötigen die stillen Kraftspender als Sauerstoffproduzenten, Nahrungsquelle, Staubfilter, Nistplatz und Holzlieferant. Das weltweit größte Exemplar steht im Redwood National Park in den USA: ein Küstenmammutbaum von 115,7 Meter Höhe. Auf den stärksten Stammumfang mit 30 Metern bringt es ein Riesenmammutbaum im Sequoia National Park, USA, und als Methusalem unter den Bäumen gilt eine Gemeine Fichte in der Gemeinde Old Tjikko in Schweden. Ihr Alter wird auf 9550 Jahre geschätzt.

Mit 200 Jahren ein Jungspund unter den Bäumen

Im Vergleich zu diesen Rekordhaltern sind die Bäume und Sträucher im Landkreis Leipzig eher kleinwüchsige Jungspunde. Aber auch sie erzählen Geschichten und haben für die Menschen oft eine besondere Bedeutung. Viele wurden etwa zu besonderen Jubiläen (Luthergeburtstag) oder Ereignissen (Besuch des Königs, Kaisers) gepflanzt.

Die etwa 250-jährige Eiche direkt am Fährhaus in Höfgen bei Grimma. Quelle: Thomas Kube

Allein 161 Baum-Naturdenkmale sind derzeit im Umweltamt des Landkreises gelistet, und es kommen immer wieder neue dazu, berichtet die Sachgebietsleiterin Martina Mannschatz. Eine dieser Majestäten ist die mehr als 200 Jahre Winterlinde am Eingang des Friedhofes Panitzsch (Borsdorf), sie wurde wegen ihres mächtigen Stammumfangs von 4,50 Metern und ihrer bizarren Gestalt unter Schutz gestellt. Schon seit 1938 ist die Eibe im Park Machern Naturdenkmal. Der eindrucksvolle Strauch geht aus mehreren Stämmen hervor, die eine Fläche von immerhin 15 mal 25 Metern überspannen. Bizarr und einzigartig ist auch die Sommerlinde am Friedhof Leipnitz (Grimma) gewachsen. Ihr Stammumfang misst 5,10 Meter; seit 1953 genießt dieser Uraltbaum den Schutzstatus.

Baumdenkmale im Landkreis Leipzig

161 Baumdenkmale sind im Landkreis Leipzig gelistet. Das sind sie:

Bad Lausick: Eiche am Steinbruch Ballendorf

Belgershain: Küchenholzeiche Köhra

Bennewitz: Winterlinde Deuben

Borna: Kiefer Kesselshain, Platane und Kiefer Borna, zwei Eichen an der Eula Kesselshain, Stieleiche Haubitz, zwei Eichen Plateka, Tulpenbaum Thräna, Blutbuche Zedtlitz, Linde Thräna

Borsdorf: Linde am Friedhof Panitzsch

Brandis: Muttereiche Brandis, Rotbuche am Kohlenberg, Gerichtslinde Kleinsteinberg, Buche im Schlosspark Brandis

Colditz: tote Linde und Eibe im Schlosspark Podelwitz, Rosskastanie Podelwitz, Linde Bockwitz, Buche am Alberthain Colditz, Eiche am Drescherhaus Podelwitz, Eiche Podelwitz, Esche und Rosskastanien am Bahnhof Colditz, Linden auf dem Hutenhübel Leisenau, Ulme an der Kirche Zschirla

Frohburg: Stieleiche Benndorf, Rotbuchengruppe im Naturschutzgebiet Prießnitz, Pyramideneiche Benndorf, Sommerlinde (Pestlinde) Greifenhain, Rotbuche Rüdigsdorf, Spitzahorn Frohburg, Stieleiche Elbisbach, Rotbuche Wolftitz

Grimma: Lutherlinde Nerchau, Linde am Fährhaus Höfgen, Eibe an der Gattersburg, Löweneiche Döben, Eiche an den Schwarzen Teichen Böhlen, Linde Göttwitz, Robinie auf dem Friedhof Mutzschen, Linde Schaddel, Ulmen im Park Böhlen, Friedenseiche am Schießplan Mutzschen, Linden Denkwitz, Linde am Friedhof Leipnitz, Eichen in der Muldenaue Nerchau, Buche im Schlosspark Mutzschen, Baumreihe am Sportplatz Döben, Robinie auf dem Schulhof Döben, vier Linden im Schloss Döben, Platane Frauenkirchhof Grimma, Gingko am Herrenhaus Hohnstädt, zwei Linden in Beiersdorf, Eiche am Sportplatz Hohnstädt, zwei Schwarzkiefern Heinrich-Zille-Straße Grimma, Lederhülsenbaum im Seumepark Hohnstädt, Eibe Leipziger Straße Grimma, Gingko Frauenstraße Grimma, Trompetenbaum Hohnstädt, zwei Linden im Kirchhof Höfgen, Linde auf dem Kirchhof Mutzschen, Gingko Grimma, zwei hängende Buchen Köhlerstraße Grimma, Stieleiche Sauteich Grimma

Groitzsch: Stieleiche Kleinprießligk

Lossatal: Stieleiche Mark Schönstädt, vier alte Bäume in Frauwalde (Eiche), Eiche am Goldenen Gehau Müglenz, Eiche am ehemaligen Kuhteich Thammenhain, Galgeneichen Thammenhain, Eiche am Stolpenteich Heyda, Sommerlinde Meltewitz, vier alte Bäume in Frauwalde (Linde, Eiche), Rotbuche am Burzelberg Hohburg

Machern: Flatter-Ulmen Püchau, Buschs Eiche Püchau, Rotbuchen am Sorgenweg Machern, Eibe im Park Machern

Markranstädt: Esche Altranstädt

Naunhof: Ulme Fuchshain

Neukieritzsch: Stieleiche Kieritzsch, Stieleiche Kieritzscher Holz

Kitzscher: Eiche Thierbach

Parthenstein: Eichen auf dem Damm und Eiche nördlich des großen Kirchteichs Grethen, Rosskastanie an der Kirche Klinga, Eichen am Umfluter des Mühlteichs Pomßen

Pegau: Eiche und Gingko Pegau

Regis-Breitingen: Stieleichen Hagenest

Rötha: zwei Platanen Mölbis, Gingko und Eiche Rötha

Thallwitz: Eiche an der Hauptstraße Röcknitz, Eichen an der Straße Röcknitz-Großzschepa, Eiche südlich Röcknitz, zwei Eichen am Kollauer Wasserwerk, Eiche im Park Röcknitz, Linden am Röcknitzer Schloss, Schießhaus-Mauereichen Thallwitz, zwei Rotbuchen Canitz, Grenzeiche Thallwitz, Pestlinde Böhlitz, Buche im Schlosspark Thallwitz

Trebsen: Buche und Platane am Schloss Trebsen, Kirchhofslinde, Platane auf dem Kirchhof Altenhain

Wurzen: Eibe an der Straße des Friedens Wurzen, zwei Eichen im Buchholz Sachsendorf, Winterlinde Pyrna, Bergahorn, amerikanische Weißeiche Wurzen, Eibe am Badergraben Wurzen, Rotbuche, Vogelklauenahorn (2), Baumhasel, Gingko, zwei Linden im Feldgehölz bei Birkenhof

Zwenkau: Eibe Zwenkau, Linde Tellschütz

Besondere Pflege für alte Exemplare

Die Entscheidung, wann ein Baum beziehungsweise Strauch zum Naturdenkmal wird, obliegt nach eingehender Begutachtung dem Landratsamt;Kreistag beschließt dann die entsprechende Verordnung. Am 26. Juni 1997 erging etwa folgender Beschluss zu den Galgeneichen Thammenhain: „Drei Traubeneichen an der Ortsverbindungsstraße Thammenhain-Röcknitz (...) werden als Naturdenkmal festgesetzt. Schutzzweck ist die Sicherung und Erhaltung der aufgeführten Bäume wegen ihrer besonderen Ausprägung, Eigenart und landschaftstypischen Schönheit... Die Bäume sind artgerecht zu pflegen und ihre Lebensbedingungen sind so zu erhalten, dass ihre gesunde Entwicklung und ihr Fortbestand langfristig gesichert bleiben.“ Im Bereich des Naturdenkmals sei es unter anderem verboten, Düngemittel, Pestizide oder Streusalze anzuwenden und zu lagern, im Kronen- und Traufbereich über- oder unterirdische Ver- oder Entsorgungsleitungen zu verlegen und natürlich Feuer zu machen. Zuwiderhandlungen werden entsprechend geahndet.

Für Forstassessor Olaf Kroggel von der Stiftung Wald für Sachsen ist das Siegel Naturdenkmal jedoch nicht ausschlaggebend für den Wert eines Baumes. „Aus meiner Sicht ist es eher uninteressant, da derartig alte und teilweise seltene Bäume auch ohne Anstecker beziehungsweise Orden einen besonderen ökologischen oder ästhetischen Wert verkörpern.“

Über das Alter der Bäume wird oft gerätselt

Der Groitzscher Ortschronist Roland Meyer kennt in der Schusterstadt und ihren 29 Ortsteilen so ziemlich jeden Baum und Strauch, auch wenn kaum einer offiziell unter Schutz gestellt ist. Sein persönlicher Favorit ist die Grenzeiche zwischen Auligk (Landkreis Leipzig, Sachsen) und Minkwitz (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) in der Elsteraue, eine beachtliche Schönheit nur wenige Meter von der Schwennigke entfernt. „Sie ist eine Augenweide mit ihrer riesigen Krone. Ich habe den Baum schon in allen Jahreszeiten fotografiert“, gerät der Natur- und Heimatfreund regelrecht ins Schwärmen. Über ihr Alter kann nur gerätselt werden, wie auch bei allen anderen grünen Schattenspendern im Landkreis: „Es gibt leider keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Bäume“, bedauert es Roland Meyer. „Über Dörfer, Häuser, Kirchen und Steine wurden unzählige Chroniken geführt, aber nicht über Bäume und Pflanzen.“

Eichen und Linden sind typisch

Die Tanzlinde an der Wassermühle Berndorf ist eine Besonderheit in dieser Region. Inmitten des Baumes kann nicht nur gefeiert, sondern auch standesamtlich geheiratet werden. Quelle: Kathrin Haase

Das will der Geschichtsfreund nun zum Anlass nehmen und selbst aktiv werden. „Typisch für diese Region sind Eichen und Linden. Sie wurden meist in der Dorfmitte gepflanzt, wo sich die Menschen versammelt, geredet und gefeiert haben. Ich werde mir mal Dorf für Dorf in Groitzsch vornehmen und alle markanten Bäume dokumentieren.“ Auf seiner Liste stehen etwa die stattlichen Eichen von Audigast, Cöllnitz, Groß- und Kleinpriesligk, die beachtliche Kastanie am Groitzscher Burgberg, eine gut 200 Jahre alte Rotbuche im Pfarrholz und die Lutherlinde an der Gatzener Kirche, sie wurde 1883 aus Anlass des 400. Luther-Geburtstages gepflanzt.

Eine Besonderheit stellt die Tanzlinde am Eingang der Wassermühle Berndorf dar – auch sie ist nicht offiziell unter Schutz gestellt und dennoch ein einzigartiges Exemplar. In anderthalb- bis zwei Metern Höhe teilt sich ihr Stamm in mehrere Äste. Auf dieser Plattform wurde ein Holzboden eingebaut, auf dem getanzt, getrunken und gefeiert werden kann. Seit kurzem sind hier sogar standesamtliche Trauungen möglich, berichtet Iris Barthel vom Verein Neuseenlandmühle Berndorf.

Als einer der ältesten Bäume im Landkreis Leipzig dürfte die Eiche am Dorfplatz in Pödelwitz gelten. Roland Meyer schätzt das rund 18 Meter hohe Exemplar auf gut 500 Jahre. „Sie könnte im Zuge der Reformation gepflanzt worden sein“, mutmaßt er. Ihr Stammumfang misst exakt fünf Meter. Auch wenn der Methusalem frisches Grün trägt und scheinbar gesund aussieht, lassen der Klopftest und einige Wunden vermuten, dass er innen hohl ist. Die Linde daneben wird auf 250 bis 300 Jahre geschätzt und bringt es mit ihrem knorrigen, verwachsenen Stamm auf 5,56 Metern Umfang.

Auch in Elstertrebnitz ist ein stattliches Baumexemplar zu finden, weist der Bürgermeister David Zühlke hin. Eine Rotbuche mit annähernd fünf Metern Stammumfang wächst am Eingang der Getreidemühle und spendet schon einige Jahrhunderte Schatten. Ihr genaues Alter ist jedoch nicht bekannt.

Von Kathrin Haase

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