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Alter Friedhof Wurzen: Kopie der Stiftertafel ist vor Buntmetalldieben sicher

Nach Vandalenakt Alter Friedhof Wurzen: Kopie der Stiftertafel ist vor Buntmetalldieben sicher

Auf dem Alten Friedhof in Wurzen wurde am Mittwoch eine Tafel für den Unternehmer Friedrich Hermann Ilgen enthüllt. Das Original aus Bronze war im Sommer 2013 von Vandalen aus der Verankerung gerissen worden. Es wird künftig im Museum zu sehen sein. Die neue Tafel ist eine Kopie.

Enthüllen das Duplikat der Stiftertafel (v.l.): Jörg Röglin, Kathrin Höhme, Jürgen Schmidt, Tim Tepper und Wolfgang Ebert erinnern an das Ehepaar Ilgen.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen.  Er hatte den Vandalenakt am Gefallenendenkmal auf dem Alten Friedhof als Erster bemerkt: An jenem Junitag 2013 glaubte Ernst Petter seinen Augen nicht, als er die riesige, aus der Verankerung gerissene, bronzene Stiftertafel im Gebüsch liegen sah. „Den Buntmetalldieben war sie im letzten Moment wohl doch zu schwer. Glück im Unglück!“ Anders als der sich kurzzeitig verfinsternde Himmel hellte sich das Gesicht des 79-jährigen Wurzeners am Mittwoch Nachmittag zusehends auf, nachdem Oberbürgermeister Jörg Röglin an gleicher Stelle die von Joachim Hahn aus Großzschepa angefertigte Kopie der Platte enthüllte: „Während das Original künftig im Museum sicher ist, hoffen wir, dass uns das Duplikat aus Faserbeton unter freiem Himmel möglichst lange erhalten bleibt“, so der parteilose Stadtchef.

Die Tafel zeigt die Porträts des Mahnmalfinanziers Friedrich Hermann Ilgen (1856-1940) und seiner Frau Anna Mathilde. Der berühmte Apotheker und spätere Wurzener Ehrenbürger hatte es durch kluge Geschäfte zu einem Millionenvermögen gebracht. Stadtchronist Wolfgang Ebert (73) würdigte die Verdienste des Mäzens gerade auch für seine Geburtsstadt Wurzen: „Er hätte sich jedoch nie und nimmer träumen lassen, dass man mal versucht, seine Stiftertafel zu stehlen – und, genau so schlimm, dass von den Tätern bis heute jede Spur fehlt.“

Ebert bezeichnete das von den Ilgens gestiftete Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Wurzener als ein bedeutendes: „Anders als die meisten Mahnmale dieser Zeit steht die Figurengruppe mit der porträtierten Krankenschwester Elsa Brändström in keinster Weise für Heldenverehrung.“ In diesem Sinne der Aussöhnung sei es in den 1930er-Jahren ein ehemaliger französischer Kriegsteilnehmer gewesen, der das Denkmal mit einer Kassette voller Erde von den Schlachtfeldern an der Somme bereicherte.

Dem Vorsitzenden des Wurzener Geschichts- und Altstadtvereins, Jürgen Schmidt (65), liegt das Denkmal in besonderer Weise am Herzen. Sein Verein machte sich nicht nur für die Kopie der Stiftertafel stark, sondern initiierte nach dem zwischenzeitlichen Verlust der Kassette bereits vor vier Jahren eine Aktion von europäischer Dimension: Nicht genug damit, dass die Metalldrückerei Christoph Müller nach alten Fotos eine neue Kassette anfertigte, fuhr Schmidt mit Wurzener Gleichgesinnten und Freunden aus der Partnerstadt Warstein als die ersten Deutschen überhaupt zu gemeinsamen Gedenkveranstaltungen nach Nordfrankreich. Vom einstigen Kriegsschauplatz an der Somme, wo neben Franzosen und Engländern auch zahlreiche Wurzener starben, brachte er abermals Erde mit. An der Seite von Würdenträgern aus Saint-Pol und Warstein konnte die Kassette mit blutgetränkter Erde am 21. Juni 2012 in Wurzen eingeweiht werden. Ein Jahr später, am selben Tag, als sich die Stiftertafel im Gebüsch wiederfand, verschwand die besagte Kassette auf Nimmerwiedersehen. Nur ein kleines Häuflein Erde ist geblieben – und ein letztes Fünkchen Hoffnung, dass das Denkmal vielleicht doch noch einmal komplettiert werden kann, wie der Wurzener Oberbürgermeister betonte.

Kathrin Höhme, verantwortliche Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, bedankte sich gestern ausdrücklich bei Tim Tepper von der zuständigen Denkmalschutzbehörde. Zudem erinnerte Höhme an den verstorbenen Herbert Starke, der der Stadt Wurzen Gelder zur Pflege des Alten Friedhofes vermachte: „Sein Erbe floss ganz aktuell in die Gestaltung der Wege und die Neuanschaffung von Bänken.“ Außerdem kündigte Höhme an, bereits ab 5. April mit einer grundhaften Reinigung der weit über Sachsen hinaus bekannten Figurengruppe zu beginnen: „Wir bringen eine Schutzschicht auf und sorgen über Röhrchen für die Entwässerung.“

Von Haig Latchinian

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