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Altstadtverein lädt zu Diskussion um die friedliche Revolution von vor 20 Jahren ein

Altstadtverein lädt zu Diskussion um die friedliche Revolution von vor 20 Jahren ein


Wurzen. Wie sich einem Ereignis nähern, das historische Dimension erreicht hat? Die friedliche Revolution in der DDR vor 20 Jahren war solch ein Ereignis.

. Der Wurzener Geschichts- und Altstadtverein versuchte die Annäherung über die Menschen, die in Wurzen jene revolutionären Tage mitprägten. Einige von ihnen waren am Donnerstagabend in den Blauen Saal gekommen, saßen im Podium oder im Publikum. Weitere waren dabei, um zuzuhören und mitzudiskutieren.

Die Veranstaltung wurde zunächst geprägt von den Akteuren auf dem Podium. Herausragend dabei Tobias Hollitzer, Chef der Runden Ecke Leipzig, der mit profunden Kenntnissen weit über die Leipziger Ereignisse hinaus glänzte. Hollitzer ermutigte den Altstadtverein übrigens, die vorhandenen örtlichen Dokumente aus der Zeit 1989/90 in einem Buch zu verarbeiten. Das lokale Kolorit der Veranstaltung lieferten Superintendent i.R. Horst Schulze und Lutz Otto. Der eine Runder-Tisch-Moderator, der andere Gründer des Neuen Forums in Wurzen. Beide reflektierten die Ereignisse aus ihrer Sicht. Dutzende Namen fielen, die im Zusammenhang mit den Ereignissen eine aktive Rolle in der Wurzener Region spielten. Weitere lieferte das Publikum.

Otto erinnerte sich an die Naivität, mit der die Reformer in die Gespräche mit den Altkadern am Runden Tisch gegangen seien. „Wir haben unprofessionell agiert, waren im Grunde überfordert.“ Erst Jahre später habe er erfahren, dass die SED-Vertreter zum Teil mit der Waffe im Sakko am Tisch saßen. Die waren cleverer und hatten ihr Pfründe oft schon gesichert.“

Jürgen Schmidt versuchte mit Fragestellungen Spannungsbögen herzustellen, was nur zum Teil gelang. Das lag weniger an den Versuchen an sich als viel mehr daran, dass zumindest Teile des Publikums diesem Ansinnen nur bedingt folgen wollte. So waren Vergleiche zwischen Berlin und Leipzig als Revolutionsstädte weniger gefragt. Vielmehr sollte diskutiert werden über die Ereignisse aus ganz persönlicher Sicht der Anwesenden. Das gelang dann zunehmend.

So berichtete Lehrerin Martina Schmerler über die Lage an ihrer damaligen Schule. Es ginge „um Leben und Tod“, habe ihre ehemalige Schulchefin um das alte System gebangt. Unter anderem die Pfarrer Martin Carlitz und Kurt Kobe äußerten sich zum Teil sehr emotional. So berichtete Carlitz über einen Kampfgruppen-Offizier, der seine Biografie geschrieben und ihm geschenkt habe – an den „Kameraden Carlitz“.

„Geschichte lässt sich nicht bewältigen“, sagte Stadtchronist Wolfgang Ebert, der sich den Vorwurf gefallen lassen musste, dass die Friedensgebete nicht in der autorisierten Chronik Wurzens zu finden sind. Dabei seien doch die Demonstrationen eben aus jenen Gebeten gewachsen, so Kurt Kobe scharf.

Tobias Hollitzer brachte die unterschwellige Spannung des Abends auf den Punkt: „Ein Preis der Friedlichkeit der Revolution 1989 ist, dass die Täter unter uns sind und bleiben. In Rumänien wurden sie erschossen. Wir sollten dafür sorgen, dass das Wissen um die Revolutionsereignisse und das, was zu ihnen führte, bewahrt wird. Auch deshalb dürfe es ein Schließen der Stasiakten nicht geben.“

Drago Bock

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