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An Wurzener Tankstelle gezündelt: Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe für Angeklagten

Randale, Bedrohung und Brandstiftung An Wurzener Tankstelle gezündelt: Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe für Angeklagten

Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe und Unterbringung in einer Erziehungsanstalt: So lautet das Urteil gegen einen jungen Wurzener, das am Mittwoch vor dem Amtsgericht Leipzig gefällt wurde. In knapp 45 Minuten hatte der Mann eine Spur der Verwüstung durch die Stadt gezogen – und beinahe eine Katastrophe verursacht.

Ein 20-jähriger Wurzener ist vor dem Leipziger Amtsgericht zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig/Wurzen. Zwei Jahre und sechs Monate Jugendstrafe sowie die weitere Unterbringung in einer Entziehungsanstalt – so lautete am Mittwoch das Urteil gegen einen 20-jährigen Wurzener vor dem Amtsgericht Leipzig. Gegenstand der Verhandlung war eine Tat, die im Februar 2016 für Aufsehen in Wurzen gesorgt hatte. Dort hatte der junge Mann am Ende eines 45-minütigen Gewaltausbruchs an einer Tankstelle den Fahrer eines Tanklastzuges mit vorgehaltenem Messer in die Flucht geschlagen und im Anschluss den Abladeschrank des Fahrzeuges in Brand gesetzt.

Nur durch das beherzte Eingreifen des Tankzugführers, der trotz mehrfacher Bedrohung geistesgegenwärtig das Feuer gelöscht hatte, sei Wurzen einer Katastrophe entgangen, betonte Richterin Christine Ludewig in ihrer Urteilsbegründung. „Unter Lebensgefahr hat er viele weitere Leben gerettet.“

An die Brandstiftung und das Gros vorangegangener Taten – unter anderem hatte er mehrere Menschen mit einem Messer bedroht, in einem Supermarkt Bier entwendet und die Heckscheibe eines Pkw zertrümmert – habe er keine Erinnerung mehr, so der Angeklagte bei seiner Aussage. Er habe zum Tatzeitpunkt unter erheblichem Alkohol-und Cannabiseinfluss gestanden, zudem in den Wochen zuvor auch Ecstasy und Crystal konsumiert. Eine Aussage, die auch durch die Einlassungen der geladenen Zeugen gestützt wurde. Auf sie habe der Mann bei seinen Taten einen durchaus verwirrten Eindruck gemacht, quasi neben sich gestanden.

Eine Einschätzung, die auch vom geladenen Sachverständigen in seinem Gutachten gestützt wurde. Der junge Mann habe knapp 2,5 Promille Alkohol im Blut gehabt, sei nur noch eingeschränkt steuerungsfähig gewesen.

Das ganze Ausmaß seiner Taten wurde dem Wurzener erst im Laufe der Hauptverhandlung bewusst. Vor allem die Konfrontation mit dem Tanklastzugführer hinterließ bleibenden Eindruck. Noch immer sichtlich mitgenommen schilderte der Mann die Erlebnisse jenes Abends, musste seine Aussage mehrfach unterbrechen und konnte Tränen nicht zurückhalten. Vor allem die Reaktion des Täters auf den in Brand gesetzten Lastzug sei ihm im Gedächtnis geblieben. „Es gab eine riesige Stichflamme – und dazu Gejohle und Gejubel“, berichtete der Zeuge. Die noch im Saal vorgetragene Entschuldigung des Angeklagten nahm er nüchtern entgegen.

Mit dem Urteil folgte das Jugendschöffengericht den Anträgen von Verteidiger Malte Heise und Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller. Neben der festgestellten verminderten Schuldfähigkeit habe sich auch die Tatsache, dass der Angeklagte geständig und reuig gewesen sei, positiv für ihn ausgewirkt, so Richterin Ludewig in der Begründung. Auch zeige der als Kind mit seinen Eltern aus Russland eingewanderte Angeklagte deutlichen Willen, sein Leben, das nach zwei Ausbildungsabbrüchen und familiären Konflikten aus der Bahn geraten war, mit einer Therapie wieder in den Griff zu bekommen – und auch endlich das ersehnte Abitur in Angriff zu nehmen.

Auf die leichte Schulter dürfe er das Urteil allerdings nicht nehmen. „Sie haben eine erhebliche Straftat begangen und viel Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist“, so Ludewig in Richtung des Angeklagten. Dennoch sei die Prognose für seinen weiteren Lebensweg insgesamt positiv, betonte sie. Verbunden mit einer Ermahnung: „Sie stehen noch am Anfang – es bleibt viel zu tun.“

Von Bastian Fischer

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