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Wurzen An der B 107 zwischen Schmölen und Pausitz wächst Urgetreide
Region Wurzen An der B 107 zwischen Schmölen und Pausitz wächst Urgetreide
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00:19 15.07.2017
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Bennewitz

Von wegen goldgelbes Getreide! Dieser Tage reift im Muldental auf einem etwa 45 Hektar großen Schlag an der Bundessstraße 107 zwischen den Bennewitzer Ortsteilen Schmölen und Pausitz schwarzes Korn. Ein recht ungewöhnlicher Anblick.

Der Laie wird sich denken: Oh je, das Getreide sieht aber schlecht aus, weil es entweder mit Schimmel behaftet oder bereits am Halm verfault ist. Der Fachmann aber, wie Sachsens Bauernpräsident Wolfgang Vogel, stellt klar, dass es sich um Schwarzen Emmer handelt. Wenn man so will, könne man hier das Urgetreide wachsen und reifen sehen, das zur Gattung des Weizens gehört und eine der ältesten kultivierten Getreidearten sei.

Denn es wird seit 10 000 Jahren im Nahen Osten angebaut. Auch im Römischen Reich kannte man schon Emmer und nannte ihn „Weizen von Rom“, bevor er über Persien und Nordafrika bis zum Balkan und nach Mitteleuropa kam. In Italien galt der Emmereintopf als Arme-Leute-Gericht.

In der Moderne aber verlor dieses Korn an Bedeutung. Erst im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt, so dass – wenn auch moderat – die Anbauflächen anstiegen. Vogel, der auch Chef der Bauernland GmbH in Beiersdorf bei Grimma ist, die wiederum diese Fläche an der B107 mit dem Schwarzen Emmer als Vertragsanbau für die Dresdener Mühle kultiviert, spricht dennoch von einem Nischenprodukt in der Landwirtschaft.

„Der Landwirt hat das Urgetreide wiederentdeckt, neben Dinkel und Einkorn eben auch Emmer“, sagt er. „Zweifelsfrei ein Korn, dessen Anbau sich rechnet, da es für die Ernährungswirtschaft dank des hohen Eiweiß- und Mineralstoffgehalts insbesondere zum Backen von Vollkornprodukten wertvoll ist.“

Wer meint, die eine Scheibe gesunden Brots am Abend ließe sich ebenso trinken, liegt beim Schwarzen Emmer gar nicht so falsch, denn auch zum Brauen von Bier findet dieser Verwendung. Zu verdanken haben das die Genusstrinker Forschern der Universität Hohenheim nahe Stuttgart, die den Arbeitskreis Spelzgetreide für die Getreidesorten Einkorn, Emmer und Dinkel gegründet haben und somit den Anbau des Urgetreides wieder mehr in den Fokus der Landwirte rücken.

Von Frank Schmidt

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