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Wurzen Anschläge in Wurzen: Oberbürgermeister Röglin ist entsetzt
Region Wurzen Anschläge in Wurzen: Oberbürgermeister Röglin ist entsetzt
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11:40 30.08.2016
Zerstörte Scheiben des Büros vom Verein Netzwerk für Demokratische Kultur in am Domplatz Wurzen – auch hier hatte es in der Nacht zum Sonnabend einen Anschlag gegeben.
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Wurzen

Der Überfall auf das Pizza-Haus in der Bahnhofstraße, Ecke Beethovenstraße in Wurzen am Freitagabend ist sowohl Stadtgespräch als auch viel diskutiertes und kommentiertes Thema im Internet sowie in Sozialen Netzwerken. Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) reagierte bereits am Wochenende auf den tätlichen Übergriff und wandte sich Hilfe suchend an Landkreis und Polizei.

Röglin verfasste ein Schreiben und sandte es noch am Sonntag per E-Mail unter anderem an Landrat Henry Graichen (CDU) und Polizeirevierleiter Falk Donner. Darin offenbarte Röglin: „Im Augenblick stehe ich vor dem Scherbenhaufen der Integrationsarbeit. Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viel geleistet und Ruhe in die Stadt gebracht.

„Rechtsstaatlichkeit in Gefahr“

Die Facebook-Seite ,Wurzen wehrt sich gegen Asylmissbrauch’ verschwand, Beschwerden gab es auch keine.“ Doch nach dem Überfall auf die Pizzeria und dem Vorfall im Dreibrückenbad unter ausländischen Flüchtlingen gehe jetzt alles von vorn los. Röglin: „Ich habe am Montag darum gebeten, die verdächtigen Flüchtlinge kurzfristig in andere Unterkünfte zu verlegen. Ich habe auch dringend darum gebeten, einen kurzfristigen Ermittlungserfolg zu vermelden.“ Mit dem Hinweis auf rechtsstaatliche Grundsätze sei dieser abgewiesen worden. Allerdings sehe der Wurzener Oberbürgermeister gerade im Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen die „Rechtsstaatlichkeit in Gefahr“, teilte er Graichen und Donner mit.

Ermittlungen zieht auch ein Anschlag auf das „Netzwerk für demokratische Kultur“ am Domplatz nach sich, der am Montag bekannt wurde. Unbekannte Täter hatten dort kurz nach dem Überfall auf das Pizza-Haus – gestrigen Polizeiangaben zufolge zwischen Freitag 21.15 und Samstag 9 Uhr – fünf Fensterscheiben des Büros eingeschlagen. An einem Fenster explodierte ein Böller, der Schaden ist noch nicht beziffert. Einen möglichen Zusammenhang der Anschläge stellte am Montag Ingo Stange vom NDK her: „Vermutungen legen nahe, dass die Zerstörungen rechtsextrem motiviert waren und in Zusammenhang mit dem gewalttätigen Vorfall an einer Wurzener Pizzeria stehen könnten“, so Stange

In einer ersten Stellungnahme äußerte sich auch CDU-Landtagsabgeordnete Hannelore Dietzschold: „Ich heiße keineswegs gut, was am Freitagabend passiert ist“, sagte sie. „Auch Asylbewerber haben sich an die Gesetze zu halten und müssen lernen, sich zu integrieren.“ Wie andere, wollen sie sich für eine „schnelle Ermittlung der Tatsache“ einsetzen.

Indes gibt es keine neuen Erkenntnisse zum Ermittlungsstand, der sich nicht verändern könne, dafür sei der Sachverhalt zu komplex, ließ Polizeisprecher Andreas Loepki wissen. Auf Nachfrage informierte er, dass wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel ermittelt wird. Letzteres beziehe sich auf die Beschädigung eines Polizeifahrzeuges.

Spontane Kundgebung am Montag

In sozialen Netzwerken wurde für Montag 18 Uhr zu einer spontanen Kundgebung auf dem Markt aufgerufen. Eine Privatperson hatte sie bei der Versammlungsbehörde des Landkreises angemeldet. Der Antrag sei kurzfristig zurückgezogen worden, informierte Behördensprecherin Brigitte Laux gegen Mittag. Keine Stunde später teilte sie mit, dass ein neuer Antrag gestellt wurde, für eine Demo zwischen 18 und 20 Uhr auf dem Bürgermeister-Schmidt-Platz.

Auf der städtischen Internetseite hatte OBM Röglin vorab ein öffentliches Statement abgegeben: „Die Eskalation von Gewalt verurteile ich auf das Entschiedenste.“ Aus seiner Sicht zeigte das Ereignis deutlich, „dass innerhalb weniger Minuten Chaos ausbricht, Ängste unerträglich sind und viele Unbetroffene leiden“. Mittlerweile, so der 46-Jährige, „wird zur Gegenwehr aufgerufen.“ Dies aber halte er für mehr als bedenklich, da es weder den Menschen nutze, die in ihrer Stadt ruhig leben wollen, noch dem Ruf Wurzens.

„Wenn es zugelassen wird, dass sich diese Entwicklung aufschaukelt, haben wir bald ein Wurzen, wie es Hirnlose aller Gruppen sich wünschen.“ Zugleich fordert Röglin eine lückenlose Aufklärung und eine harte Bestrafung der Verursacher. Ebenso wolle er den Hinweisen nachgehen, wonach die Polizei per Notruf schwer erreichbar gewesen sei. „Ich möchte an dieser Stelle meine Erwartungen an die Verantwortlichen in Bund, Landkreis, bei Sozialverbänden und der Polizei deutlich machen.“

Von Frank Schmidt und Kai-Uwe Brandt

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