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Anschlag in Berlin geplant: Flüchtling aus Borsdorf in Abschiebehaft

Terrorverdacht Anschlag in Berlin geplant: Flüchtling aus Borsdorf in Abschiebehaft

Knapp zwei Wochen nach dem Anti-Terror-Einsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Borsdorf (Landkreis Leipzig) hat das zuständige Amtsgericht Leipzig die Abschiebungshaft für einen 24-jährigen Marokkaner angeordnet. Der Mann soll einen Anschlag auf die russische Botschaft in Berlin geplant haben.

In dieser Flüchtlingsunterkunft in Borsdorf war der Asylbewerber untergebracht. Am 8. April fand hier ein Anti-Terror-Einsatz statt.
 

Quelle: dpa

Leipzig/Borsdorf.  Der 24-jährige Marokkaner, der vor knapp zwei Wochen in der Flüchtlingsunterkunft Borsdorf bei Leipzig unter Terrorverdacht festgenommen wurde, wird ausgewiesen. Eine entsprechende Anordnung hat das zuständige Leipziger Amtsgericht verfügt. Der Mann soll in Abschiebehaft nach Rheinland-Pfalz gebracht und demnächst in sein Heimatland abgeschoben werden. Das erfuhr die LVZ am Freitag aus Behördenkreisen. Zuvor hatte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) gegen den als islamistischen Gefährder eingestuften Mann eine Abschiebungsanordnung nach Paragraf 58a Aufenthaltsgesetz angeordnet.

„Der zügige und konsequente Vollzug von der Festnahme bis zur Haftanordnung ist ein Beweis für die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden", lobte Ulbig am Freitag in Dresden und erklärte zudem: „Wir werden weiterhin konsequent gegen Personen mit islamistischen oder salafistischen Gefahrenpotenzial vorgehen. Im Sinne der Sicherheit unseres Landes ist es geboten, schnell und entschlossen zu handeln."

Russische Botschaft in Berlin im Visier

Der am 8. April von Spezialkräften des Landeskriminalamtes in der Borsdorfer Containerunterkunft in Polizeigewahrsam genommene Nordafrikaner soll eine schwere staatsgefährdende Aktion geplant haben. Von einem möglichen Anschlag auf die russische Botschaft in Berlin war die Rede. Es gebe aber bislang keine Hinweise darauf, dass die vor zwei Wochen dort abgehaltene Demonstration im Fadenkreuz gestanden habe, sagte der Dresdner Oberstaatsanwalt Lorenz Haase auf LVZ-Nachfrage. Ein Bündnis gegen Schwulenfeindlichkeit protestierte vor der Botschaft gegen Homophobie in Tschetschenien. Unter den Rednern war auch Grünen-Bundestagsabgeordneter Volker Beck. „Von den mutmaßlichen Anschlagsplänen haben wir auch erst im Nachgang über die Medien erfahren.“

In Borsdorf hatte die Stimmung indes in dem 8000-Einwohner-Ort in den vergangenen Tagen einen Tiefpunkt erreicht. Bürgermeister Ludwig Martin (CDU): „Ich sage zu dem Thema nichts mehr, ich musste schon genug einstecken.“ Wie berichtet, wurde dem Ortschef mit einem riesigen Schriftzug an der Fassade eines Einkaufs-Marktes direkt an der B 6 unterstellt, den „Terrorismus nach Borsdorf“ geholt zu haben. Martin hatte noch kurz nach der Polizeiaktion betont, dass die Flüchtlingsunterkunft wegen des Vorfalls für ihn nicht in Frage stehe. Kriminelle gebe es unter Ausländern genauso wie unter Deutschen. Die Asylbewerber würden in seiner Gemeinde sehr gut betreut, man wolle Hilfe geben, wo sie nötig ist, so der Gemeindechef noch vor knapp zwei Wochen. Keine Lippenbekenntnisse, wie der für den sächsischen Integrationspreis nominierte Verein „Borsdorf hilft“ zeigt.

Weiter angespannte Stimmung in Borsdorf

Der Verein wisse zahlreiche Unterstützer hinter sich, sagt Sprecher Dietmar Brenner. Doch auch er wollte sich am Freitag nicht noch einmal zum Fall des marokkanischen Gefährders äußern. Nur so viel: „Dessen menschenverachtende Pläne bedeuten für unseren Verein einen massiven Rückschlag.“ Und nicht nur für den Verein – auch für Fußballer, Kinderhort, Schüler, Unternehmer, Lions Club, Kirchgemeinde, eben all jene, die sich ungeachtet ihrer politischen Überzeugungen für ein friedliches Miteinander im Ort einsetzten. Wie etwa eine Dame, die mit viel Herzblut den bei einigen Asylbewerbern beliebten Cricketsport fördert. Oder der Germanistik-Professor, der einer jungen Afghanin die alles andere als leicht verdauliche literarische Kost Goethes und Schillers näher bringt. „Das Mädchen gehört zur fünfköpfigen Familie, die im Herbst 2015 zu uns kam“, sagt Vereinsvorstand Brenner: „Die Schülerin ist die älteste Tochter und besucht das Gymnasium in Brandis, hat dort Freunde gefunden, sie lernt gern, hat gute Noten und spricht mittlerweile fast perfekt Deutsch.“ Sie habe ihr Kopftuch abgelegt, sei inzwischen Vereinsmitglied und unterstütze ihre Landsleute im Heim. Brenner: „Ja, anfangs war der Frust besorgter Bürger groß, und es flog ein Ei auf der Informationsveranstaltung. In den anderthalb Jahren ist in Borsdorf viel Gutes gewachsen. Nach den Anschlagsplänen eines Einzelnen nehmen die Ängste nun wieder zu. Das ist doppelt bitter.“

Niemand mochte sich in Borsdorf vorstellen, dass der Terrorverdächtige jemals wieder zurückkehrt. So gesehen dürfte die nun angeordnete Abschiebehaft für kurzzeitiges Aufatmen sorgen. „Der zügige und konsequente Vollzug von der Festnahme bis zur Haftanordnung ist ein Beweis für die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden“, sagt Innenminister Ulbig. Der Freistaat werde weiter konsequent gegen islamistische und salafistische Gefährder vorgehen. „Im Sinne der Sicherheit unseres Landes ist es geboten, schnell und entschlossen zu handeln.“ 

Von Haig Latchinian

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