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Antifa-Demo: „Die Wurzener haben Angst vor Zerstörung“

Stadtgespräch Antifa-Demo: „Die Wurzener haben Angst vor Zerstörung“

Die für den 2. September angemeldete antifaschistische Demonstration in Wurzen ist Stadtgespräch. Es gibt Ängste vor Zerstörung. Plumpen Parolen will Oberbürgermeister Jörg Röglin tief- und feinsinnig begegnen. Den Bürgern werde schon etwas einfallen.

In Wurzen wird am 2. September eine antifaschistische Demo stattfinden.

Quelle: Archiv

Wurzen. „Es ist schon beeindruckend, wie sich die Stadt Wurzen zur antifaschistischen Demonstration positioniert“, schreibt Richard Schumann von einer Antifa-Gruppe aus Leipzig: „Völlig absurd wird es, wenn sich die Stadt als weltoffen verkaufen will.“ Die Liste an rassistischen Übergriffen in Wurzen sei lang. Dass der Name des Anmelders bekannt wurde, sehe er als Versuch, die „Demonstration öffentlich zu diskreditieren“ und die aktuelle Stimmung im Zuge von Hamburg zu nutzen, „um die Veranstaltung zu verbieten“, so Schumann.

Cornelia Hanspach, Sprecherin der Stadt Wurzen, hatte ein rund 20-minütiges – wie sie sagt: konstruktives – Telefongespräch mit Andreas Blechschmidt, Anmelder sowohl der „Welcome-to-Hell“-Demo in Hamburg als auch des am 2. September geplanten Aufzuges in Wurzen: „Ich sagte ihm, dass die Wurzener mehrheitlich alles andere als Rassisten sind, nach Hamburg aber schlicht Angst vor Zerstörung haben.“ Blechschmidt, so Hanspach weiter, habe Verständnis für die Sorgen geäußert, jedoch versichert, dass es in Wurzen friedlich bleibe.

In der nächsten Woche gibt es in Borna ein erstes Kooperationsgespräch, zu dem auch Blechschmidt erwartet wird. Brigitte Laux vom Landratsamt als Versammlungsbehörde: „In der Abstimmung mit den Beteiligten hat die Wahrung von Ordnung und Sicherheit höchste Priorität.“

Die Organisatoren der Demo seien ihm und seinen Genossen vor Ort nicht bekannt, sagt Linken-Kreischef Holger Luedtke. Weder sei man im Vorfeld informiert worden, noch fanden dazu Gespräche statt. „Eine friedliche Demonstration gegen rechte Hetze und für eine solidarische Gesellschaft ist uns willkommen.“ Laut Jens Kretzschmar, Stadt- und Kreisrat der Linken, engagierten sich Wurzener schon seit Jahren gegen Rechts und für Flüchtlinge. Als Beispiel nannte er Hilfestellungen bei der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern. In der LVZ erinnerte Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) bereits an internationale Fußballturniere, an Gedenkmärsche auf den Spuren einstiger KZ-Häftlinge sowie an verlegte Stolpersteine zu Ehren deportierter jüdischer Mitbürger.

Das will das Bündnis „Irgendwo in Deutschland“ so nicht stehen lassen: Die vom Wurzener Bürgermeister vorgetragenen Beispiele entpuppten sich bei näherem Hinsehen als bloße „Imagepflege ohne echte Konsequenzen“. Er verschließe die Augen davor, dass Gedenksteine für die Opfer des Nationalsozialismus regelmäßig zerstört würden. Wurzen sei seit mehr als 20 Jahren Schwerpunkt neonazistischer Gewalt und Strukturen in der Region Leipzig. „In diesem Ort wohnen wichtige Organisatoren der Neonaziattacke im Januar 2016, als in Connewitz knapp 250 Neonazis auf der Wolfgang-Heinze-Straße Menschen und Häuser angriffen.“ Außerdem hätten sich in der Stadt neonazistische Vertriebsstrukturen etablieren können, mit deren Hilfe Gelder akquiriert würden.

In Wurzen verschließe niemand die Augen vor rechten Strukturen, ist sich Leipzigs ehemaliger Bürgermeister Holger Tschense sicher. Im Gegenteil: „Mehr als in vielen anderen Städten wird hier an alternativen Konzepten gearbeitet.“ Er selbst begleitet das Projekt „Weltoffenes Wurzener Land“ und lädt ausdrücklich auch die Initiatoren der Demo zu inhaltlicher Mitarbeit ein. Plumpen und dumpfen Parolen will Oberbürgermeister Röglin tief- und feinsinnig begegnen: „Lasst euch überraschen. Uns Wurzenern wird schon was einfallen. Schließlich erblickte Ringelnatz hier das Licht der Welt.“

Von Haig Latchinian

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