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Wurzen Attacken auf Mitschüler in Wurzen: Schulausschluss der Täter wird geprüft
Region Wurzen Attacken auf Mitschüler in Wurzen: Schulausschluss der Täter wird geprüft
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16:26 11.12.2015
Wurzener Pestalozzi-Oberschüler setzen am Freitag ein Zeichen: „We say no to racism“ („Wir sagen Nein zu Rassismus“). Mehrere Flüchtlingskinder wurden am Mittwoch von Mitschülern in der Einrichtung angegriffen und verletzt. Quelle: Frank Schmidt
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Wurzen

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass eine 11- und eine 14-Jährige von Mitschülern in den vergangenen Wochen mehrfach angegriffen wurden. Mindestens zwei - inzwischen namentlich bekannte - Jungen der siebten Klasse sollen die mazedonischen Schülerinnen einer DaZ-Klasse am Mittwoch verletzt haben, als eine Tür zugeschlagen wurde. Beide Mädchen haben dabei schwere Verletzungen am Arm erlitten. Die Polizeidirektion Leipzig ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, wie Polizeisprecher Andreas Loepki am Freitag bestätigte. „Es wurden Anzeigen gestellt. In den weiteren Ermittlungen werden wir jetzt mit den tatverdächtigen Schülern, den betroffenen Mädchen und weiteren Schülern der Schule sprechen, um dann weitere Schritte abzuwägen“, so Loepki.

Die Namen der Schüler sind der Polizei bekannt. Woraus sich das Indiz ergeben hat, dass die Eltern der Schüler, die mit Steinen nach den Mädchen geschmissen und die fremdländischen Mitschüler beschimpft haben sollen, rechtsextreme Gesinnungen haben. „Derzeit ist das aber kein konkreter Ansatz für unsere Ermittlungen“, so Loepki. Dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt, sei im Moment reine Spekulation. Es werde aber in Betracht gezogen.

Die Schulleitung der Pesta in Wurzen zeigte sich Mittwochmorgen betroffen. Medien in ganz Deutschland berichten nun erneut über Wurzen im Zusammenhang mit Fremdenfeindlichkeit. Was geschehen ist, sei nicht tolerierbar „und wird von uns weder beschönigt, noch wollen wir das unter den Deckel fallen lassen“, versicherte Schulleiter Steffen Rößler. Alle Schüler seiner Schule seien am Morgen „sehr traurig“ gewesen. Auch Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) war entsetzt, sicherte der Schulleitung seine ganze Unterstützung zu und forderte, dass „alle Zusammenhänge der Taten aufgeklärt“ und die Schuldigen bestraft werden.

Roman Schulz, Sprecher der Bildungsagentur Sachsen: „Es gibt nichts zu bagatellisieren. Es wird Strafen geben. Aber zuvor müssen tatsächlich alle zu Wort gekommen sein. Wir kennen im Moment nur eine Seite.“ Auch ein Schulausschluss der Täter werde geprüft. Zuerst müsse es aber vielmehr darum gehen, die verletzten Mädchen schnell wieder am Unterricht teilhaben zu lassen. Die Eltern haben ihre Töchter nach den Vorfällen am Mittwoch zu Hause gelassen. Das sächsische Kultusministerium kündigte an, dass sie am Montag wieder in die Schule gehen werden.

Die Stadtverwaltung Wurzen hat sich am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung zu den Vörfällen geäußert: „Wir sind schockiert und verurteilen das Geschehene auf das Heftigste. Den verletzten Kindern und deren Eltern gilt unser Mitgefühl. Wir versichern, dass sich sowohl die Mitarbeiter der Schule als auch der Stadt gegenüber den gewaltbereiten Schülern deutlich positionieren“, heißt es darin wörtlich. Gewalt, egal von wem sie ausgeht, ob sie rassistisch oder anders motiviert ist, werde weder übersehen noch geduldet. „Nach meinem Gespräch mit dem Schulleiter bin ich überzeugt, dass dieser Vorfall ernste Konsequenzen haben wird.“, sagt OBM Jörg Röglin (parteilos) und fügt hinzu, dass die Stadt fest hinter den Entscheidungen der Schulleitung und der Bildungsagentur steht. „Von einer Resignation der Lehrer und der Schulleitung kann keine Rede sein“, fasst Röglin seine Eindrücke zusammen.

Die Mehrheit der Einwohner Wurzens und die große Mehrheit der Schüler der Pestalozzi-Oberschule schämen sich unendlich für diesen Vorfall.

Hinweis: Die Polizeidirektion Leipzig hat das Alter des jüngeren Mädchens inzwischen auf 11 Jahre korrigiert. In der bisherigen Berichterstattung war von einer neunjährigen die Rede. Die Angaben sind in den Beiträgen auf dieser Seite aktualisiert worden.

Von Thomas Lieb/Haig Latchinian

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