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Auf Erkundungstour im versunkenen Kollau

Auf Erkundungstour im versunkenen Kollau

Seit Sonntagnacht ist Kollau in den Fluten der Mulde versunken. Die Hiobsbotschaften kommen von Elbe und Saale. Doch auch die Kollauer erleben in diesen Tagen einen erneuten Schicksalsschlag.

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Kollau: Hier herrscht noch immer Land unter.

Quelle: Andreas Röse

Thallwitz/Kollau. Bereits am Sonntagmittag, früher als viele andere Betroffenen entlang des Flusses, mussten sie ihre Häuser zurücklassen. Am Mittwochnachmittag ist das Dorf noch immer von der Außenwelt abgeschnitten, die Betroffenen dürfen nach wie vor nicht zurück.

Für den Thallwitzer Ortsteil gilt noch immer Katastrophenalarm, während andernorts schon Schlamm von den Märkten gespült wird. "Es ist zu gefährlich", macht Amtsverweser Jürgen Schmidt (CDU) deutlich. "Verständlich ist es, dass die Kollauer endlich wieder heim wollen. Aber die Einsatzleitung unter Gemeindewehrleiter Thomas Pöge trägt die Verantwortung. Und wir wollen nichts riskieren."

Die Thallwitzer Feuerwehr rückt am Mittwoch mit einem altgedienten Robur ins Katastrophengebiet vor. "Die Lage erkunden", wie Ortswehrleiter Michael Ferl erklärt. Von den Eindrücken der kleinen Abordnung hängt es ab, ob man die Leute wieder ins Dorf lässt. Solche Erkundungen waren auch schon zur Jahrhundertflut eine Reise ins Ungewisse. 2002 bemühten die Kollauer sogar ein Militärboot, um in ihr versunkenes Reich vorzustoßen. Es kam nicht durch, verfing sich in einem Weizenschlag. Und auch bei einem ersten Vorstoß am Dienstag geriet ein Feuerwehrfahrzeug kurzzeitig in Bedrängnis.

Mittwochnachmittag gelingt es zumindest, das Dorf zu erreichen. Die einzige Zufahrtsstraße wird noch immer vom Wasser der Mulde überspült. Der Fluss hat auch keinen Respekt vor der historischen Grenze zwischen Sachsen und Preußen - die stattliche Grenzeiche steht im Wasser. Koppeln, auf denen sonst Kühe weiden und Pferde grasen, gleichen einem See. An den Zäunen hängt Unrat, lässt erahnen, wie hoch das Wasser in Spitzenzeiten stand. Das Ortseingangsschild, die blauen Lampenmasten, die Bushaltestelle ragen aus der braunen Brühe, die die Heimat der 80 Kollauer umspült. Zäune sind weggerissen, halbe Baumstämme schwimmen durch die Gegend. Vor einer Einfahrt haben sich jede Menge Holzscheite verfangen. Land unter auch in der Ortsmitte. Vom Dorfteich ist nichts zu sehen. Wenige Meter weiter schießt das Wasser mit großer Kraft durch ein offenes Scheunentor. Eine Schwanenfamilie mit drei Jungen macht einen Ausflug ins Rapsfeld.

"Hier kann man noch keinen reinlassen", sind sich Kai Lochschmidt und Dirk Sitte sicher. Die Beiden sind 2002 in die Feuerwehr eingetreten und gehören zum Erkundungstrupp. "Die Jahrhundertflut gab den letzten Anstoß, das Helfen zur Pflicht zu machen", erzählen sie und steigen wenig später in Wathosen in die Brühe. Straßen, in denen die Strömung selbst für den alten Ello noch zu stark ist, erkundet das Duo zu Fuß - einen langen Stock in der Hand, um etwaige Gefahrenstellen vor sich abzutasten. "Man weiß nicht, ob Gullydeckel fehlen oder ähnliche Überraschungen unter der Wasseroberfläche lauern", begründet Lochschmidt die Vorsichtsmaßnahme.

Einige Unerschrockene sind nicht aus ihrem überfluteten Dorf geflüchtet - trotz Evakuierung. "Meine Mutter muss am Freitag zum Augenarzt, könnt ihr sie abholen?", kommt Jörg Fischer auf die Feuerwehrleute zu. Der 51-Jährige hatte es strikt abgelehnt, Haus und Hof zurückzulassen. "Geschlafen wird in der oberen Etage", berichtet der Lkw-Fahrer relativ gelassen. Wegziehen aus Kollau? Das kommt für ihn trotz der erneuten Katastrophe nicht in Frage.

Auf dem Thallwitzer Dorfplatz warten die Kollauer voller Anspannung auf Botschaften und eine Entscheidung, wann sie nun endlich zurück dürfen. Auch im Wasserwerk Thallwitz harren seit nunmehr sechs Tagen Mitarbeiter der Kommunalen Wasserwerke aus - abgeschnitten von der Außenwelt. Ihr Arbeitsplatz selbst ist vom Wasser eingeschlossen. "Wir können nur hoffen, dass die Deichbrüche schnell repariert werden oder der Pegel so weit sinkt, dass die Mulde in ihr Bett zurückfindet", meinte Amtsverweser Jürgen Schmidt. Am Donnerstag kurz vor 13 Uhr war es dann so weit: Der Katastrophenstab entschied, THW-Kräfte aus Grimma abzuziehen und Armee-Hubschrauber Richtung Kollau zu entsenden. "Das Loch im Deich muss geschlossen werden, weil sonst Gefahr für das Wasserwerk Thallwitz und damit für die Versorgung der Stadt Leipzig besteht", erklärte Landrat Gerhard Gey.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2013

Simone Prenzel

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