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Auf zu neuen Ufern! Muldestädter zieht es wieder an den Fluss

Winterplausch am Feuer Auf zu neuen Ufern! Muldestädter zieht es wieder an den Fluss

Menschen zusammen bringen, Neubewohner und Alteingesessene, jung und alt, Städter und Dörfler – das ist Ziel des Projekts „Meine Zukunft: Wurzener Land“. Mit 100 000 Euro allein 2018 unterstützt der Freistaat Sachsen die Initiativen von Wurzen, Bennewitz, Lossatal und Thallwitz. Den Auftakt bildet am Sonntag der Winterplausch am Feuer.

Wetteiferten beim Wurzener Land-Fest 2017: Die Bürgermeister Jörg Röglin, Thomas Pöge, Uwe Weigelt und Bernd Laqua (v.l.).

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Vogelschießen – so nannten die Wurzener damals ihre großen Volksfeste an der Mulde: „Vor Tausenden Schaulustigen zogen die Schützen immer donnerstags nach Pfingsten vom Markt hinunter in die Aue. Es wurde nicht nur auf das hölzerne Federvieh gezielt, es war ein richtiger Rummel aufgebaut“, weiß Ortschronist Wolfgang Ebert. Zwar beleben auch jetzt noch Schützen, Paddler und Angler das Wurzener Ufer, doch von rauschenden Volksfesten keine Spur mehr.

Das soll sich ändern. Die Stadt veranstaltet am Sonntag ab 16 Uhr in der Nähe des Wehres ihren „Winterplausch am Feuer“. Während anderswo noch immer Weihnachtsbäume verbrannt werden, verzichtet Wurzen bewusst darauf. Bauhofleiter Steffen Horn sorgt für ordentlich Brennholz, Thomas Genedl fürs leibliche Wohl. Der Neujahrstreff soll jedoch mehr sein als nur eine Eintagsfliege: „Das Ufer am Wehr ist gerade bei jungen Leuten ein beliebter Grillplatz, leider ein wilder – und so sie sieht es oft auch aus“, sagt Stadtsprecherin Cornelia Hanspach. Sie könne sich dort einen schönen Rastplatz mit Bänken, Papierkorb und ganz offizieller Grillstelle vorstellen. Kanute Olaf Luthardt würde das begrüßen: „Ideal wäre noch ein Steg unterhalb des Wehres – dann könnten hier sogar Wasserwanderer verschnaufen.“ Auch deshalb stelle die SG Lok Wurzen für den Winterplausch am Sonntag gern einen Teil des von ihr gepachteten Grundstücks zur Verfügung, so Vorstandsmitglied Luthardt.

Menschen zusammen bringen, Neubewohner und Alteingesessene, jung und alt, Städter und Dörfler – das ist Ziel des Projekts „Meine Zukunft: Wurzener Land“. Mit 100 000 Euro allein im Jahr 2018 unterstützt der Freistaat Sachsen die viel beachtete Initiative der Nachbarkommunen Wurzen, Bennewitz, Lossatal und Thallwitz. Ob Fahrradwerkstatt oder Nähzirkel, Workshops oder Wurzener Land-Fest – einiges konnte schon auf die Beine gestellt werden. Weiteres soll folgen: Skaterbahn, Begegnungscafé, Tanzdiele.

Lossatals Bürgermeister Uwe Weigelt (SPD) freut sich schon jetzt auf drei tolle Tage im Frühling. Vom 25. bis 27. Mai steigt die zweite Auflage des Wurzener Land-Festes, diesmal in Mark Schönstädt. „180 Jahre Ferneisenbahn, Geopark Porphyrland, dazu Bergsteiger und Motorsportler – wir haben so viel zu bieten“, sagt Weigelt. Das idyllisch gelegene Naturbad mit historischer Steinarbeiterkantine sei an besagtem Festwochenende auch Ziel der Muldentaler Radlertour. „Natürlich wollen wir unsere Kochkrone verteidigen“, so der Lossataler Gemeindechef. Wie berichtet, konnte sich Weigelt mit seinem Team beim Kochduell des Land-Festes 2017 in Wurzen durchsetzen. Die Forelle aus Müglenz samt Butterkartoffeln und Gurkensalat war einfach unschlagbar. Nicht zuletzt wollen sich aber auch die 160 Mark Schönstädter besser kennenlernen: „Kein Konsum, keine Post, kein gar nichts. Selbst ,Muldental in Fahrt’ bescherte uns keinen Bus zusätzlich“, sagt Stadtsprecherin Hanspach, die selbst im Dorf wohnt: „Wir sind inzwischen ein Ortsteil vom Ortsteil. Wer arbeitet, fährt morgens los und kommt abends heim. Das Land-Fest ist eine Chance, wieder enger zusammen zu rücken. Vielleicht kann jeder zur Historie seines Grundstücks forschen, dann wäre ein Spaziergang von Haus zu Haus möglich.“

Während bis dahin noch etwas Zeit bleibt, steht der feurige Winterplausch am Wurzener Wehr unmittelbar bevor. Das gesellige Beisammensein am Sonntag ist ganz bewusst Teil des Projekts „Meine Zukunft: Wurzener Land“. Denn man wolle sich nicht nur alles Gute zum neuen Jahr wünschen und gemeinsam manchen Vorsatz fassen, sondern auch darüber beraten, wie das Gelände am Muldewehr zum dauerhaften Treff werden könnte. Der Winterplausch solle die Sache anschieben helfen, sagt der Wurzener Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD): „Es reicht ja nicht, da drei Tische aufzustellen. Es braucht Freiwillige, die sich den Hut aufsetzen. Wir würden das natürlich begleiten.“

Man ist zwar Muldestadt, doch der Fluss scheint weit weg. Vogelschießen, so nannten die Wurzener ihr Volksfest auf der Schützenwiese. Einen Massenauflauf wie damals wird es an der Mulde wohl so schnell nicht wieder geben. Aber wer weiß, vielleicht ist der Winterplausch ein erster Schritt in diese Richtung. Dann hätte der Treff sein Ziel erreicht und sinnbildlich den Vogel abgeschossen.

Von Haig Latchinian

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