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Aus für Wurzener Jugendtreff: Protest vorm Stadtrat bleibt ohne Erfolg

Kulturhaus Schweizergarten Aus für Wurzener Jugendtreff: Protest vorm Stadtrat bleibt ohne Erfolg

Nach 18 Jahren, drei Monaten und 15 Tagen ist nun endgültig Schluss mit den Jugendtreff im Kulturhaus Schweizergarten. Zwar räumte der Stadtrat dem Trägerverein noch eine Gnadenfrist bis zum 31. März ein, doch an der bereits im Juni 2016 getroffenen Entscheidung ändert sich nichts.

Ab 31. März sind die Räume des Jugendtreffs im Kulturhaus Schweizergarten leer. Sie sollen übrigens wieder vermietet werden.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Das endgültige Aus ist besiegelt. Am 31. März werden nach 18 Jahren, drei Monaten und 15 Tagen die Türen des Jugendtreffs Schweizergarten geschlossen – für immer. Daran konnte selbst der letzte Protest von Jugendlichen vor der Stadtratssitzung am 8. Februar nichts ändern. Zwar bildeten die Zwölf- bis 15-Jährigen vorm Plenarsaal noch einmal ein mahnendes Spalier für die Kommunalpolitiker und überreichten jedem einen Handzettel. Die Hoffnung auf einen Erfolg ihrer Aktion war da aber bereits bei den meisten verflogen. Schließlich hatten die Mädchen und Jungen schon im Vorfeld für den Erhalt ihrer Einrichtung gekämpft – per Plakaten Ende Januar zum Kulturausschuss.

Wie berichtet, fällt der Jugendtreff des Vereins zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns den Sparplänen den Kommune zum Opfer. So beschlossen die Volksvertreter im Juni 2016 ein Haushaltskonsolidierungskonzept, wonach der Schweizergarten mit dem Kinder- und Jugendzentrum Wurzen (KiJuWu) in der Alten Nischwitzer Straße fusionieren soll. Allerdings rechneten sie dabei nicht mit den Bedenken der Betroffenen, die gar nicht zu ihrem ehemaligen und jetzigen KiJuWu-Leiter Thomas Graul wollen. Die Jugendlichen sammelten daraufhin 82 Unterschriften für den Erhalt ihres Treffs, außerdem kam der Trägerverein der Stadtverwaltung mit finanziellen Zugeständnissen entgegen. Doch die Bemühungen verpufften.

Daher nutzten die jungen Leute ein letztes Mal die aktuelle Ratstagung, um den Urteilsspruch zu verhindern. „Sie als Stadtrat haben bereits am 8. Juni 2016 beschlossen, die Förderung für unseren Jugendtreff Schweizergarten per 31. Dezember einzustellen. Wir Jugendlichen möchten aber gern unseren Jugendtreff als Begegnungsstätte behalten und hoffen auf Ihr Verständnis“, lautete der Appell auf den Flyern, mit denen jeder Volksvertreter an seinen Platz ging. Zugleich stellten die Protestler im Papier Fragen, die während der Sitzung ohne Antworten blieben. „Weshalb gab es bei der Entscheidung, welcher Jugendtreff erhalten werden soll, keine Ausschreibung? Weshalb blieb der bestehende Vertrag des Betreibers mit der Stadt Wurzen, der eine Laufzeit bis 31. Dezember 2023 garantiert, unberücksichtigt?“ Oder: „Weshalb wurden wir Jugendlichen mit unseren Belangen nicht in die Entscheidung einbezogen?“ und „Weshalb will die Stadt trotz Sparzwänge nun Fördermittel für einen zweiten Betreuer im KiJuWu bewilligen – wo liegt da die Logik?“

Eben um den zweiten Betreuer ging es in der Beschlussvorlage 14 b. Darin bat die Verwaltung um einen Vorgriff auf den Doppelhaushalt 2017/2018 in Höhe von 40 000 Euro als Kofinanzierung für den KiJuWu-Träger, der Kindervereinigung Leipzig – die Mehrheit der Räte votierte mit Ja bei vier Enthaltungen. Zugleich koppelte das Stadthaus mit dem Beschluss eine Gnadenfrist für den Jugendtreff Schweizergarten, der die Räume noch bis 31. März mietfrei nutzen darf.

„Wir gehen auf alle Fälle eher raus“, kündigte jetzt Eberhard Friedrich an, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns Wurzen mit Sitz in der Altstadt 5. Und zwar mit einer Abschiedsfeier am 2. März. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen, zumal er die Gemeinschaft, einst von seiner Frau Annelies Friedrich gegründet, in ihrer Existenz bedroht sieht. Gefährdet sei vor allem die Stelle von Mitarbeiterin Kerstin Meier, die seit fast 22 Jahren für den Verein arbeitet. Ob die Kinder- und Jugendlichen des Jugendtreffs allesamt zum KiJuWu wechseln, wie es die Stadt gern hätte, bezweifelt Friedrich. „Schlimmstenfalls stehen sie dann auf der Straße. Und das kann nun wahrlich nicht Jugendarbeit sein.“

Von Kai-Uwe Brandt

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