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„Aylas Odyssee“ beschreibt die Suche einer Frau, die auszog, ihr Glück zu finden

Lesung mit Helma Ritter in Wurzen „Aylas Odyssee“ beschreibt die Suche einer Frau, die auszog, ihr Glück zu finden

Helma Ritter war am Sonnabend im Kulturhaus Schweizergarten in Wurzen zu Gast. Sie las aus ihrem neuen Buch „Aylas Odyssee“ – eine Geschichte, in der es um die Suche nach dem Glück geht. Damit traf die bekannte Chefin der Tanzschule ganz offensichtlich den Nerv der Zuhörer.

Im Kulturhaus Schweizergarten war Autorin Helma Ritter mit ihrem neuen Buch zu Gast.

Quelle: Archiv

Wurzen. Das Kulturhaus Schweizergarten war am vergangenen Sonnabendabend gut besucht. Helma Ritter, die bekannte Chefin der Tanzschule, stellte ihr neues Buch vor. Nach kurzer Einführung rezitierten sie und ihr Sohn Sven Ritter abwechselnd Passagen aus „Aylas Odyssee“. Buchlesungen seien oft trockene Angelegenheiten, hatte der Junior launig vorausgeschickt und die Gäste an den Tischen mit Sekt, Saft und Selters erfrischt. Ein dröger Abend wäre es aber auch ohne diese Wohltat nicht geworden. Gut gelaunt und mit sichtlichem Vergnügen folgte das Auditorium den Impressionen, die die Lesenden ihnen aus Helma Ritters soeben im Engelsdorfer Verlag erschienenen Roman vermittelten.

Vor Jahresfrist hat der Autor dieser Zeilen ihren Erstling „Phil, der Viehdoktor“ unter der Überschrift „Von einem der auszog, sein Ich zu finden“ besprochen. Die Fabel ihres Folgewerks lässt sich am treffendsten mit ähnlicher Schlagzeile formulieren: „Von einer, die auszog, ihr Glück zu finden.“ Eine Seemannstochter sucht ruhelos, ja geradezu getrieben, ihre persönliche Erfüllung. Der Traum vom eigenen Haus, mit gut verdienendem Mann und lieben Kindern schwebt ihr als Glücksbringer vor. Ihn zu verwirklichen, wechselt sie in rascher Folge Männer, Lebensorte, sogar über Landesgrenzen. Helma Ritter erzählt die Episoden in ihrer bekannt lakonischen Sprache, doch bieten die einzelnen Geschichten, weil von Tragikomik bestimmt, genügend Spielraum für des Lesers eigene Fantasien. Ayla, die sich in ihrem ungestillten Lebenshunger auf sechs völlig unterschiedliche Partner einlässt, drei Kinder bekommt und, wenigstens zeitweise, auch bescheidene Eigenheime bewohnt, begreift ihre materiell bestimmte Jagd nach bürgerlichem Haben immer mehr als Irrweg auf der Suche nach ihrem eigenen Glück. Als sie nach Schweden geht, treibt sie schon die Sehnsucht nach selbstbestimmter Geborgenheit um, nach Anerkennung ihres Ichs und Seins und ihrer Lebensleistung in humanitärer Berufsausübung vor allem. Die Autorin beendet ihre Erzählung über Aylas Odyssee, für die es zum Teil reale Hintergründe gibt, mit einem raffiniertem Trick. Sie überlässt dem Leser die weitere Spurensuche: Erfüllen sich Aylas Träume vom glücklichen Leben ausgerechnet in nordischer Abgeschiedenheit?

Die Premierengäste, von der Fabel angetan, dankten den Vorlesern auf dem Podium mit warmem Applaus. Kleine Schlangen am Buchstand verrieten, dass sie das Gehörte schwarz auf weiß mitnehmen wollten. Zumal sie mit dem Lesestoff noch ein bildnerisches Kunstwerk quasi gratis nach Hause tragen konnten. Auf einer Staffelei neben dem Podest hatte Sven Ritter eines seiner spektakulärsten großformatigen Acrylbilder platziert. Und eben jenes vieldeutbare Motiv schmückt den broschierten Einband von „Aylas Odyssee“. So verwunderte es nicht, dass die Lesung mit herzhaften Gesprächen an der Staffelei und an den Tischen eine spontane Fortsetzung fand. Helma Ritters Trick schien gelungen: Ihre Gäste nahmen sich Aylas Schicksals an, wobei die Rolle der sechs Männer, die sie nicht glücklich machen konnten, den Gedankenaustausch dominierten. Nur langsam leerte sich der Saal. Immerhin nahm die treue Fangemeinde Helma Ritters Versprechen nach einem Dacapo mit. Die Autorin arbeitet bereits an einem neuen Buch.

Das Taschenbuch (Softcover) im Format 19 x 12 cm hat 171 Seiten. Es ist unter ISBN/EAN: 978-3-96008-415-0 im Engelsdorfer Verlag und im Buchhandel zum Preis von elf Euro erhältlich.

Von Wulf Skaun

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