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Wurzen Bauernhofbilder – neue Sonderschau im Hohburger Steinarbeiterhaus
Region Wurzen Bauernhofbilder – neue Sonderschau im Hohburger Steinarbeiterhaus
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09:58 26.02.2016
Zu treuen Händen: Arnd Kretzschmar (r.) übergibt sein Bauernhofbild an Museumsleiter Matthias Müller.   Quelle: Foto: Thomas Kube
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Lossatal/Hohburg

 Wenn Museumsleiter Matthias Müller am Wochenende zu Guasch, Aquarell und Ölmalerei einlädt, hat sich nicht etwa der Druckfehlerteufel eingeschlichen: „Es gibt keinen Gulasch! Guasch kommt von französisch Gouache und bezeichnet eine deckende Wasserfarbe.“

Und doch werden die Heimatfreunde mit der Zunge schnalzen. Ab Sonntag, 13 Uhr, zeigt das Steinarbeiterhaus Hohburg wahre Leckerbissen: 25 Haus- und Hofbilder aus der Zeit zwischen 1852 und 1930, gemalte Ansichten von Gasthöfen, Wohnhäusern und Scheunen. Vom Wurzener Land über Klinga und Trebsen bis Mutzschen ist das gesamte Muldental vertreten. Bis auf sechs Arbeiten aus dem Bestand des Steinarbeiterhauses sowie des Kreismuseums Grimma handelt es sich um Leihgaben aus Privatbesitz. Manfred Knochenmuß steuerte das Bild von 1930 bei, das Bäckerei und Wassermühle von Schloss Podelwitz zeigt. Arnd Kretzschmar aus Hohburg stellte den abgebildeten Dreiseithof Kummer (1868) zur Verfügung, Wolfgang Ritzschke den im Rahmen verewigten Bauernhof Keymer. „Die Arbeit von 1852 ist unser ältestes Bild“, sagt Müller, der als schmückendes Beiwerk extra eine Bauerntruhe aus dem selben Jahr auftrieb.

Von den Oldies unter den Bildern geht ein ganz besonderer Charme aus – weder Perspektiven noch Proportionen stimmen. „Die typisch sächsischen Dreiseithöfe wurden ,aufgeklappt’, damit der Betrachter noch mehr sehen konnte“, macht der 58-jährige Museumsleiter neugierig. Die etwas anderen Hofmaler, die von Dorf zu Dorf zogen, dokumentierten die Anwesen für etwas Geld oder Beköstigung. Im Gegenzug lieferten sie ihrem Auftraggeber mehr als nur das reine Abbild. Meist stehe das Scheunentor offen, um Geräte oder auch Drescher bei der Arbeit zu zeigen. „Während der Name des Künstlers zunächst unerwähnt blieb, wurde auf schwarzem Grund, in goldenen Lettern und farbigen Initialen der Hofbesitzer kundgetan“, weiß der Altenhainer Gerd Misselwitz, der die Ausstellung nach Kräften unterstützte: „Der Besitzer ließ Pferde, Zugochsen und Hoftechnik ganz bewusst zur Schau stellen.“ Kunsthistorikerin Ruth Gleisberg bezeichnet diese Hofporträts als „stilisierte Idealansichten, ungetrübt von Mängeln, Unruhe oder Konflikten“.

Sehenswert auch die etwas „jüngeren“ Aquarelle von Otto Streller aus Wurzen. Die fünf einfachen, jedoch nicht minder wertvollen Bilder aus dem Jahre 1913 wurden allesamt signiert – nur in einem Fall ist der Besitzer genannt. Es handelt sich um die detailverliebt wiedergegebene Schmiede von Paul Seidel in Watzschwitz. Das Werkstatttor steht offen, so dass der Meister an seinem Amboss zu erkennen ist. Neben den im Hof aufgereihten Sensen, Separator, Kartoffeldämpfer und Grubber ist auf dem Emailleschild zu lesen, dass sich im Haus die kleine Poststelle und der öffentliche Fernsprecher befinden. Sechs Isolatoren am Giebel deuten auf die neueste Errungenschaft hin – den elektrischen Strom. Apfelbaum und Haustiere runden die dörfliche Idylle ab. „Dass der Arbeitstag hart und entbehrungsreich war, muss man sich dazu denken“, stellt Museumsleiter Müller klar. Spätere Bauernhof-Malerei, von der er auch einige Beispiele zu bieten hat, sei ziemlich realistisch, mit stimmiger Perspektive, üppiger Vegetation, aber menschenleer.

Vielfach habe es an den Höfen bauliche Veränderungen gegeben, zum Teil seien Gebäude auch abgerissen worden: „Deshalb sind die Bilder von unschätzbarem Wert für Heimatgeschichte und Denkmalpflege“, schwärmt der Museumsleiter, der betont, dass hinter jedem Bild ein stolzer Bauer stand.

Von Haig Latchinian

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