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Wurzen Bauhaus-Villa: Stiftung kauft Haus Rabe in Zwenkau
Region Wurzen Bauhaus-Villa: Stiftung kauft Haus Rabe in Zwenkau
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21:08 31.08.2018
Das Haus Rabe in Zwenkau soll pünktlich zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Quelle: André Kempner
Landkreis Leipzig/Zwenkau

Der Landkreis bringt es auf viele berühmte Bauwerke. Doch von internationaler Bedeutung wie das Haus Rabe in Zwenkau sind nur wenige. Die Villa, 1930 im Bauhaus-Stil errichtet, gilt als herausragendes Beispiel der Klassischen Moderne. Mit Architekt Adolf Rading (1888-1957) und Maler Oskar Schlemmer (1888-1943) hinterließen hier zwei der bekanntesten Vertreter dieser Kunstepoche ihre Spuren.

In Fachkreisen ist das dreistöckige Gebäude längst ein Begriff, wird als Ikone der Moderne gefeiert. Architekten und Kulturwissenschaftler schnalzen mit der Zunge, sprechen von einem beispielhaften Zusammenspiel von architektonischer Innovation und Raumgestaltung.

Berühmter Architekt war seiner Zeit voraus

Schlicht, ohne Schnörkel – so präsentiert sich das Anwesen von der Straßenseite aus. Den Avantgardisten der 30er-Jahre ging es dabei nicht anders als heutigen Bauherren: Als 1928 erste Entwürfe die Runde machten, war die Nachbarschaft in heller Aufregung. Auch die Stadt hatte so ein Baugesuch wohl noch nie auf dem Tisch gehabt: Überlieferte Bauakten legen Zeugnis ab von Zweifeln, die sich in den Amtsstuben breit machten. So wurden die nicht ausreichende Dicke der Mauern oder der fehlende Zugang zum Hof bemängelt. Auch mit der vorgesehenen Konstruktionsweise, Materialien und generellem Erscheinungsbild taten sich die Entscheider schwer.

Innenausstattung von Oskar Schlemmer

In der Tat war Architekt Adolf Rading mit seinem revolutionären Entwurf der Zeit weit voraus. Sein Werk gilt heute als so einzigartig, dass es mittlerweile einen exponierten Platz innerhalb der deutschen Bauhaus-Stätten einnimmt. Für zusätzliches Renommee sorgt die Innenausstattung durch Oskar Schlemmer. Der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der legendären Hochschule, manche nennen ihnen einen Bauhaus-Star. Schlemmers wohl berühmtestes Bild -„Die Bauhaustreppe“ – hängt im New Yorker Museum of Modern Art. Der Gründer des MoMA hatte es 1933 bei einer Deutschland-Reise entdeckt. Damals war das Werk bereits im Depot verschwunden, weil Schlemmers Kunst angefeindet wurde. Heute wird sein Name in einem Atemzug mit Wassily Kandinsky oder Paul Klee genannt.

Zu einer Zeit, als anderswo bereits Wandgemälde von Schlemmer übermalt wurden und seine Werke dem Bildersturm der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, verewigte sich der Meister in Zwenkau.

Innenansicht vom Haus Rabe in Zwenkau. Quelle: André Kempner

Hier genossen Rading und Schlemmer jegliche Freiheiten. Der Zwenkauer Arzt Erich Rabe hatte die Gestaltung seines künftiges Wohnhauses vertrauensvoll in die Hände der Bauhaus-Experten gelegt. Eine Großzügigkeit, die die beiden zu nutzen wussten.

Hinzu kommt ein weiterer Glücksumstand: Die Nachfahren retteten die Villa unbeschadet über die DDR-Zeit hinweg. Die Tochter von Erich Rabe, Gabriele Schwarzer, praktizierte hier ebenfalls als Chirurgin und nutzte das Gebäude als Praxis und Wohnhaus. Die Patienten wurden quasi in einem lebendigen Museum verarztet.

Denkmalpfleger jubeln angesichts des weitgehend unveränderten Zustands und das fast vollständig erhaltenen Interieurs. So ziehen auch heute noch gestalterische Ideen und Farbkonzepte die Blicke auf sich. Ebenso wie eine Drahtfigur Oskar Schlemmers, die vor einer Wand regelrecht zu schweben scheint. Als Retter der Bauhaus-Perle gilt aber vor allem ein Kunstliebhaber aus Frankfurt, der später ins Spiel kam: Kunstmäzen Horst Schmitter. Dieser erwarb die Villa nach der Wende und ließ sie originalgetreu sanieren. Heute möchte sich der private Eigentümer gern von dem Kleinod trennen und es einer öffentlichen Nutzung zuführen.

Bund finanziert den Erwerb

Der Einzigartigkeit des Bauwerks trägt nun auch der Landkreis Rechnung. „Seit Jahren gibt es Gespräche, Haus Rabe für Besucher zu öffnen“, erklärt Landrat Henry Graichen (CDU). Der Bund, für den die herausragende Bedeutung des Anwesens ebenfalls unstrittig ist, werde für den Ankauf die nötigen Gelder bereitstellen. In Vorbereitung sei dafür die Gründung einer Stiftung, die das Wohnhaus von Weltrang der Öffentlichkeit zugänglich machen soll.

Der Zeitpunkt könnte besser nicht gewählt sein: Im kommenden Jahr feiert Sachsen 100 Jahre Bauhaus – Haus Rabe könnte dann Gäste aus ganz Europa anlocken.

Von Simone Prenzel

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