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Wurzen Baumstamm als Stammbaum: Naunhofer Original nähert sich den ersten Menschen
Region Wurzen Baumstamm als Stammbaum: Naunhofer Original nähert sich den ersten Menschen
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05:00 19.08.2017
Vom Menschenaffen Bimbo über die Neandertaler bis hin zu Meister Günther Schumann höchstpersönlich. Quelle: Haig Latchinian
Naunhof

Angefangen hatte alles mit einem Zeitungsartikel und der Überschrift: Warum sich Affen-Chef und Zoo-Direktor nicht mögen ... Es heißt, Orang-Utan-Boss Bimbo habe ein eher distanziertes Verhältnis zu Leipzigs Zoo-Chef Jörg Junhold. Der soll im Pongoland schon mit Bananen beworfen worden sein. Der ganz gewöhnliche Machtkampf der Alphatiere eben.

Es sind Meldungen wie diese, die den Naunhofer Holzbildhauer Günther Schumann (83) zu immer neuen Meisterwerken inspirieren. „Ursprünge“ heißt seine neueste Arbeit. Sie zeigt die Menschwerdung – vom Orang-Utan über den Neandertaler bis zum Affentheater von heute. Eine 50 Jahre alte Eiche aus dem Oberholz hat er dazu nach allen Regeln der Kunst bearbeitet. Und so wurde der Baumstamm zum Stammbaum. Eine Baumscheibe mit stilisierter Fischgräte als Zeiger gibt die U(h)r-Zeit an.

Bimbo, der Orang-Utan-Chef, stand dem Naunhofer gewissermaßen Modell. Die rot-braune Mähne, sein überlegener Blick, die Ruhe, die er ausstrahlt – der Boss hat es Schumann sichtlich angetan. Mit Schnitzeisen, scharfem Auge und ruhiger Hand erschuf der Bildhauer zudem ein Neandertaler-Pärchen – starke Augenwülste, fliehende Stirn, gedrungene Nase. Die Evolution komplett macht schließlich eine Person aus der Neuzeit, ein Herr mit wenig auf dem Kopf, dafür mit umso mehr darin. Der wache Blick, die umgehängte Brille, die Latzhose – es kann nur der Meister selbst sein. „Richtig, es ist das erste Mal, dass ich mich zeige.“ Er sehe sich nicht als Krönung der Schöpfungsgeschichte, betont der Naunhofer. Im Gegenteil: Der direkte Vergleich mit seinen Vorfahren zeigt, wie klein, fast beiläufig er sich darstellt.

Nach überstandenen zwei Schlaganfällen wollte ihn der Arzt vor Jahren zur Kur schicken. Doch das Naunhofer Original winkte nur ab: „Ich werde nie aufhören, in meine Werkstatt hoch zu krabbeln, Arbeit ist meine Kur.“ In seiner „Sperlingslust“ fühlt er sich zu Hause – er, der Ur-Naunhofer, der in der sogenannten Malzpiepe das Licht der Welt erblickte, der sich zunächst im Brunnenbau verdingte, später bei Sachsenpelz und im Reichsbahnausbesserungswerk, bevor er 1978 die Holzbildhauerwerkstatt seines einstigen Lehrmeisters Erich Hille übernahm.

Er hofft, noch lange zu leben, „um noch möglichst viel Blödsinn zu machen“. Wen und was hat der Tausendsassa nicht schon alles kreiert! Den ergrauten Martin Luther etwa, Naunhofer Klapsmühlen und Maria Kalaschnikowa – eine Engelin mit Flügeln zwar, aber auch mit Stahlhelm, Maschinengewehr und Patronengürtel. In Anlehnung an die oberägyptischen Tempelanlagen gestaltete er einen Obelisken, auf dem die politischen Parteien – verschiedenfarbig als Schnecken dargestellt – um die Gunst ihrer Wähler „schleimen“. Der Preis ist heiß: Ein Krautkopf auf der Spitze des Bauwerks.

Menschenaffen, so heißt es, zeigen sehr deutlich, wem ihre Sympathien gelten und wann sie schlechte Laune haben. Boss Bimbo und Jörg Junhold werden daher wohl keine tierisch guten Freunde mehr. Aber die Ehrlichkeit des Primaten lasse Zweifel aufkommen, ob wir Menschen, die wir zumeist hinterm Rücken des anderen lästerten, uns tatsächlich als höchstentwickeltes Wesen feiern dürfen: „Wer weiß, wohin die Reise geht“, fragt Günther Schumann. „Vielleicht entwickeln wir uns ja auch wieder zurück.“ Möglicherweise nicht das schlechteste. Dann würden wenigstens alle nur mit Bananen schießen und nicht mit Atomwaffen drohen. Schumann: „Wissen Sie eigentlich, wer das Pulver entdeckt hat? – Dr. Oetker.“

Von Haig Latchinian

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