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Bauunternehmen geht neue Wege: Baggerfahrer kommen jetzt auch aus Vietnam

Großzschepa Bauunternehmen geht neue Wege: Baggerfahrer kommen jetzt auch aus Vietnam

Ein Großzschepaer Bauunternehmen geht bei Nachwuchsgewinnung jetzt neue Wege, denn drei Azubis aus Fernost verstärken nun das Team. Bei der Firma Kafril haben die vietnamesischen Lehrlinge ihre Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter begonnen und würden gern für immer im Lossatal bleiben, arbeiten und leben.

Macht seine praktische Ausbildung in Großzschepa: Vietnamese Duc Viet Doan (28), Azubi im ersten Lehrjahr, arbeitet auf den Baustellen der Firma Kafril.
 

Quelle: Andreas Döring

Lossatal/Großzschepa.  Ob Ausbildungschef Hanno Dzienudda, Bauleiter Dirk Teichmann oder Polier Udo Herrmann – sie alle loben ihre vietnamesischen Schützlinge: „Sie sind einsatzfreudig, wissbegierig und zuverlässig.“

Die drei jungen Männer aus Fernost helfen derzeit eifrig auf den Baustellen der Firma Kafril aus Großzschepa bei Wurzen. Parallel besuchen sie in Leipzig die Berufsschule und das Überbetriebliche Ausbildungszentrum. Wenn alles klappt, sind sie bereits Mitte 2017 reguläre Tiefbaufacharbeiter und könnten sich anschließend noch zum Straßen- sowie Rohrleitungsbauer qualifizieren.

Fühlen sich wohl in Großzschepa

Fühlen sich wohl in Großzschepa: Tien Dat Nguyen (l.) und Dinh Tien Vu.

Quelle: Christian Fest

Für Tien Dat Nguyen (25), Dinh Tien Vu (26) und Duc Viet Doan (28), alle aus der Nähe von Hanoi, erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch: „Wir lieben Deutschland, das leckere Essen, die tollen Straßen, die höflichen Menschen. Wir würden gern für immer in Großzschepa bleiben, hier arbeiten und leben.“

Das hört Katrin Weist (37), Prokuristin der Unternehmensgruppe Kafril, sehr gern: „Der Fachkräftemangel, gerade auf dem flachen Land, zwingt uns dazu, motiviertes Personal auch von weiter her zu interessieren. Es ist hierzulande eben nicht mehr jeder bereit, bei Wind und Wetter unter freiem Himmel zu arbeiten, sich gegebenenfalls auch mal die Hände schmutzig zu machen – und das, obwohl wir in unseren Baumaschinen längst Klimaanlagen, Schnellwechselsysteme und GPS haben.“

Ausbildung als Riesenchance

Das Anwerben potenzieller ausländischer Arbeitnehmer lässt sich das Abbruch-, Erd- und Tiefbauunternehmen einiges kosten: Viel Geld investierte die Firma in die Umgestaltung eines leerstehenden Hauses in der Schlossstraße zum Lehrlings- und Ledigen-Wohnheim. Im Herzen von Großzschepa sind neben sieben Polen und zwei Ungarn nun auch die drei Vietnamesen zu Hause.

Das Berufsförderungswerk Bau Sachsen hatte ein entsprechendes Programm aufgelegt, intensive Kontakte zu ausgewählten Schulen in Vietnam aufgenommen und vor Ort geeignete Lehrlinge geworben. Das Unternehmen Kafril unterstützt das Projekt als eine Art Vorreiter in Sachsen. Für Dat, Tien und Viet eine Riesenchance. Sie wissen, dass Kafril als eine der besten Ausbildungsadressen gilt.

Im Frühjahr 1991 waren es Jens Karnahl, Karl-Heinz Fraatz und Klaus Ihle (deshalb Kafril), die auf einem Dreiseithof in Großzschepa mit dem Bau von Straßenbanketten begonnen hatten. Der Sitz des Unternehmens ist zwar immer noch auf dem selben Hof, doch die inzwischen 170 Beschäftigten arbeiten mittlerweile europaweit: Ob City-Tunnel Leipzig oder Magdeburger Knoten, von Lettland bis Rumänien – überall erinnern die gelb-schwarzen Bagger aus dem Muldental an emsige Bienen beim Honigsammeln. Keine Erweiterung von BMW oder Porsche in Leipzig, Mifa in Sangerhausen oder Südzucker in Zeitz ohne die Großzschepaer. Am 11. April beginnen sie mit dem Abriss des Opel-Werkes in Bochum. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum gibt es am 12. Juni sogar Baggerballett und Technikparade.

Nach der Arbeit wird Deutsch gebüffelt

Im praktischen Teil der Ausbildung und in Mathematik erreichen die vietnamesischen Lehrlinge durchweg Bestnoten, nur in der Wirtschafts- und Sozialkunde gebe es noch Luft nach oben: „Das liegt eindeutig an den Sprachbarrieren“, sagt Ausbildungsleiter Hanno Dzienudda. Kafril werde den drei Vietnamesen daher einen zusätzlichen Deutschkurs ermöglichen. Neben Abitur und Berufsausbildung können Dat, Tien und Viet bereits mit einem Deutsch-Zertifikat aufwarten: „Nach einjährigem Unterricht an einer Privatschule bestanden wir die Prüfung am Goethe-Institut in Hanoi.“

Nach Feierabend hören die Vietnamesen nicht nur Musik und sehen fern, sie büffeln auch Deutsch. Sobald es wärmer wird, wollen sie die Hohburger Berge erobern, schwimmen gehen oder Fußball spielen: „Was, ihr spielt Fußball“, hakt Prokuristin Weist ein, „da müssen wir euch doch im Verein anmelden“.

Von Haig Latchinian

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