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Bei drei Demos bleibt es in Wurzen ruhig

Bei drei Demos bleibt es in Wurzen ruhig


Wurzen. Auch in diesem Jahr erlebte die Stadt drei Demonstrationen und Kundgebungen rund um den Volkstrauertag.

. Am Sonnabend demonstrierten Rechte und Linke, am Sonntag zogen Wurzener durch die Stadt, die dem Aufruf eines Bürgerbündnisses gefolgt waren. Alle drei Veranstaltung blieben nach Angaben der Polizei frei von Zwischenfällen.

 

Die Befürchtungen waren groß gewesen. Zwar war es der Stadtverwaltung Wurzen mit dem Netzwerk für demokratische Kultur und anderen Initiatoren gelungen, einen Aufmarsch der Rechtsextremen am Volkstrauertag zu verhindern. Das gemeinsame Bündnis „Wurzener Bürger für Demokratie gegen Neonazismus" hatte dieses Mal schon frühzeitig eine eigene Demonstration angemeldet. Doch die braune Szene ließ nicht von ihrem Vorhaben ab, wie in den vergangenen Jahren eine Kundgebung in der Domstadt zu veranstalten. Dieses Mal fand sie nur bereits einen Tag vor dem Volkstrauertag statt.

 

Mit 200 Teilnehmern aus der Szene war im Vorfeld gerechnet worden. Zudem befürchteten die Sicherheitskräfte, dass auch gewaltbereite Anhänger von Lok Leipzig einen Abstecher nach Wurzen machen könnten. Schließlich spielte deren favorisierte Mannschaft am Samstagmittag in Grimma. Eine Gegendemonstration der linken Szenen am Bahnhof sorgte für weiteres Kopfzerbrechen bei der Polizei.

 

Drei Hundertschaften sicherten am Sonnabend deswegen bereits ab den Mittagsstunden die Innenstadt, eine von ihnen war extra aus dem nordrhein-westfälischen Wuppertal angefordert worden. Damit war die Polizei deutlich in der Überzahl. Die Gegendemonstration zog rund 40 bis 50 Teilnehmer an. Gegen 15.30 Uhr versammelten sich rund 60 bis 80 Rechtsextreme parallel auf dem Jacobsplatz. Der Landkreis hatte ihnen mehrere Auflagen für ihren Zug durch die Stadt hin zum Gefallenendenkmal gemacht: Alkohol war verboten, ebenso Schlachtrufe oder Gesänge. Nur zehn Fackeln und fünf Plakate gestattet. Ausschreitungen gab es in der Folge nicht.

 

Letzteres gilt auch für die Veranstaltung am Sonntag Nachmittag. Dem Bürgerbündnis war es nach Angaben von Polizei und Veranstaltern gelungen, rund 100 Wurzener zu mobilisieren. Auf dem Weg vom Jacobsplatz zum Alten Friedhof stoppte der Zug in der Jacobsgasse, wo an ehemalige jüdische Geschäftsleute in der Stadt erinnert wurde. Oberbürgermeister Jörg Röglin wies darauf hin, dass Wurzen auf der Liste der Städte, die an ihre ehemaligen jüdischen Einwohner erinnern, noch fehle.

Röglin zeigte sich zufrieden damit, dass man gemeinsam „recht viele Leute auf die Beine gebracht" habe. Er und der Landtagsabgeordnete Miro Jennerjahn sahen es als Erfolg des Bündnisses „Wurzener Bürger für Demokratie gegen Neonazismus" an, dass es gelungen sei „die Nazis am Volkstrauertag fernzuhalten" und dass die Beteiligung an deren Aufmarsch am Sonnabend viel geringer als im Vorjahr gewesen sei. Auf diesem Erfolg könne das Bürgerbündnis aufbauen, sagte Röglin und fügte an: „Wir müssen noch mehr Menschen mobilisieren."

Kai Kollenberg, André Neumann

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