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Bella Italia mia: Wurzner Maler Hund stellt aus

Bella Italia mia: Wurzner Maler Hund stellt aus

Seine Italien-Aquarelle überraschen mit der gleißenden Helle südlichen Lichtes. Dabei wurde Hans-Peter Hund vor Jahrzehnten mit dem schwermütigen Kolorit intimer Landschaften und Stillleben bekannt, die in sonorem Klang Akkorde der Vergänglichkeit anschlugen.

Zu seinem 75. Geburtstag offenbart sich der Wurzener in der Städtischen Galerie nun ab Sonntag mit 80 kostbaren Blättern, südlichen Reiseimpressionen aus zwei Jahrzehnten, wie sie nie in dieser Fülle gezeigt wurden.

Seit 1992 bereiste Hund die Appenin-Halbinsel von Norditalien bis Sizilien, konsequent und systematisch, zumeist in Frühsommer und Herbst. Die unfreiwillig späte Begegnung geriet für ihn dank jahrzehntelang geschulten Könnens zum Glücksfall. In Aquarellen von schwebender Leichtigkeit entfaltete sich sein gesamtes künstlerisches Potenzial. Lagunenlandschaften im Abendlicht, Durchblicke in malerische Gassen, das Hügelland der Toscana, eine sizilianische Marktszenerie, Sonnenglast über den Ausgrabungen von Pompeji inspirierten den Wurzener zu meisterhaften Schöpfungen. Das mediterrane Licht hellte seine Palette in höchstem Grade auf, verlieh ihr strahlende Farben.

Während andere schon vor Jahrzehnten zur künstlerischen Selbstverwirklichung nach Italien aufbrachen, stellte Hund seine Staffelei in den Muldenauen auf, fand seinen Süden in stillen Gartenwinkeln, an schattigen Hängen und am Dorfrand vor der Haustür. In der Konzentration auf unspektakuläre Motive profilierte er sich als Ausnahmekünstler. Doch gerade in Wurzen tat man sich schwer, die melancholischen Bilder mit dem Sozialistischen Realismus unter einen Hut zu bringen. Reisepläne scheiterten an staatlicher Willkür. Als Hund von einem Kulturfunktionär eher beiläufig hörte, dass er sich mit seiner unangepassten Haltung auch im Rentenalter keine Hoffnungen machen sollte, war das für ihn geradezu niederschmetternd. Wirbel verursachte 1984 seine unerwartete Rede bei einer Versammlung Leipziger Künstler - eine Generalabrechnung nach zehn Jahren als Bittsteller. Zum Schluss legte er seine D-Mark-Einnahmen aus Bilder-Verkäufen auf den Tisch: als Spende für die Kollegen, "die würdig sind zu reisen".

Erst in späteren Jahren konnte Hund in Palazzi, Kirchen und Museen den starken Eindruck italienischer Baukunst, der Malerei der ganz Großen auf sich wirken lassen. Einfache Unterkünfte, Brot und Käse vom Markt - nur mit spartanischem Lebensstil waren die monatelangen Studienaufenthalte in Italien möglich. Wenn er auf Reisen geht, bucht der Maler nur das Flugticket, kein Hotelzimmer, keine Pension. Er weiß inzwischen, wie er seinen Alltag bewältigen kann in einem Land, dessen Sprache er kaum spricht. Wegen seines vorgerückten Alters auf die Strapazen und Unwägbarkeiten des Reisens zu verzichten, kam für Hund nie in Frage. Dabei geriet er bei Temperaturen um 39 Grad Celsius, wenn die Wasserfarben bereits beim Anmischen trockneten, durchaus an körperliche Grenzen. Nahezu täglich war er mit Malutensilien, Sonnenschirm und Wasserflasche unterwegs, erfinderisch, für sein Motiv einen schattigen Standort zu entdecken. Um seinem Arbeitsstil gerecht zu werden, wählte der Wurzener ganz bewusst die Aquarelltechnik und Formate von der Größe einer Postkarte.

Hund ist Freilichtmaler. Mit der Ausschließlichkeit, in der er dieser Methode folgt, fast von einer anderen Welt. Nur im unmittelbaren Erleben der Natur vermochte er den Ätna im ständigen Wechsel des Lichteinfalls zu belauern, der Wärme einer Herbstlandschaft in Umbrien nachzuspüren oder die Atmosphäre der Altstadt von Irsina zu bannen.

Diese Intensität ging stets einher mit einem Schaffensprozess, der an körperlicher Substanz zehrte. Unter den Bedingungen eines beispiellosen gesellschaftlichen Umbruchs geriet Hund Mitte der 1990er-Jahre in eine psychische Krise, die ihn zwang, seine Arbeit für etwa drei Jahre einzustellen. Auch 2015 durchkreuzte ein gesundheitlicher Rückfall Reisevorhaben, die ihn nach Griechenland führen sollten.

Seit über 20 Jahren widmet sich Hans-Peter Hund ausschließlich der Malerei mit Wasserfarben. In dieser Zeit wurde er als Pleinairmaler zum Aquarellisten von europäischem Rang. Das zeigen die Kabinettstücke, die ab Sonntag in der Galerie am Markt zu sehen sind.

Italien - aus verspäteter Sicht, Hans-Peter Hund zum 75.Geburtstag, Ausstellung in der Städtischen Galerie Wurzen, Markt 1, Eröffnung: Sonntag, 27. September, 11.30 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.09.2015

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