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Wurzen Baurecht für Neualtenbach im Fokus
Region Wurzen Baurecht für Neualtenbach im Fokus
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13:26 03.12.2018
Bauen soll hier möglich werden: rechts und links der Straße „Am Badeteich" in Neualtenbach. Quelle: Google Maps
Bennewitz/Altenbach

Ein Bebauungsplan soll das Bauen „Am Badeteich“ in Neualtenbach regeln. Der Gemeinderat Bennewitz stimmte dem Entwurf in seiner jüngsten Sitzung einhellig zu, vom 10. Dezember bis 18. Januar wird das Dokument im Rathaus, Bahnhofstraße 24, öffentlich ausgelegt. Zufrieden ist Bürgermeister Bernd Laqua (parteilos) trotzdem nicht. „Ich bin verbittert“, bekannte er im Gemeinderat. Denn von seinem ursprünglichen Vorhaben hat er nach drei Jahren nur einen Teil erreicht – der B-Plan umfasst nur das Wohngebiet, das Wochenendgebiet hingegen nicht.

Bereits Ende 2015 hatte der Gemeinderat die Aufstellung eines B-Planes beschlossen. Anlass war eine Aufhebung des Baurechts in Sonderbau-, also auch Wochenendgebieten, durch das Oberverwaltungsgericht Bautzen. Laqua erklärt die Konsequenzen: „Wenn zum Beispiel die alte Holzwand eines Bungalows angefault ist, darf sie nur mit dem gleichen Material instandgesetzt werden, und nicht etwa aus Stein. Das heißt, im Moment sind Modernisierungen nicht möglich, erst recht kein Neubau.“

Siedlung wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren erbaut

Dass aber in naher Zukunft hier und dort Hand angelegt werden muss, ergibt sich allein schon aus dem Alter der Siedlung, die in den 1960er- und 1970er-Jahren entstand, als vor allem Leipziger das Erholungspotenzial der Gemeinde für sich entdeckten. Um Eigentümern einen Weg aus dem Dilemma zu ebnen, wollte die Verwaltung über Neualtenbach einen so genannten B-Plan in Tektur legen, also einen überarbeiteten Plan für ein bestehendes Gebiet, der auch Natur- und Umweltschutz beachtet.

Neualtenbach ist Bergbaugebiet, in unmittelbarer Nähe beginnen das FFH-Gebiet „Teich-und Waldgebiete um Machern und Brandis“ sowie das Vogelschutzgebiet „Laubwaldgebiete östlich Leipzig“. Eine teilweise Ausgliederung aus dem Landschaftsschutzgebiet Großsteinberg-Ammelshain soll beantragt werden.

Da in den letzten Jahren auch die Nachfrage nach Bauland in der Gemeinde boomt, bot es sich an, zugleich eine Basis für die Errichtung von Wohngebäuden zu schaffen, Baurecht gibt es in Neualtenbach aktuell nur entlang der Ortsdurchfahrt. Die Gemeinde verfügt nur noch über vereinzelte Bauplätze in den seit 1990 entstandenen größeren Wohngebieten. Auch in den Dörfern gibt es aufgrund der Nachverdichtung nur noch wenige offene Grundstücke. „Und ich möchte lieber bestehende Baugebiete stabilisieren, als auf der grünen Wiese zu bauen“, sagt der Bürgermeister.

Zahl der Interessenten schrumpft deutlich

Das Macherner Planungsbüro Hanke erhielt den Auftrag über eine frühzeitige Beteiligung der Bürger und Träger öffentlicher Belange, um die Möglichkeit der Beplanung der gesamten Fläche zu ermitteln und die Kosten abzuschätzen. „Aber die Interessen sind unterschiedlich“, musste Laqua zum Beispiel in einer Einwohnerversammlung feststellen, wo er über Chancen und Risiken informierte. „Vor allem Ältere fragten: Wozu brauche ich einen B-Plan?“

Das Ergebnis der Einwände der Grundstückseigentümer spiegelt der jetzige Planentwurf wider: „Von ursprünglich 27 Interessenten sind nur fünf übrig geblieben", zieht Laqua Bilanz. Das Planareal wurde um circa 60 Prozent auf 10500 Quadratmeter verkleinert, die Wochenendgebiete wurden herausgenommen. Bereits im Oktober hatte der Gemeinderat den geänderten Geltungsbereich abgenickt.

Fehlstart durch mangelndes Interesse

Als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet – so könnte man das Vorhaben, das Bauen in Neualtenbach zu ordnen, bildlich bilanzieren. Mangelndes Interesse der Grundstückseigentümer brachten es zum Straucheln.

Dabei liegen Vorteil, ja Notwendigkeit, hier wieder Baurecht zu schaffen, auf der Hand. Nicht nur, weil dadurch ein paar der in der Gemeinde langsam knapp werdenden Bauplätze entstehen. Sondern vor allem auch im Interesse der jetzigen Eigentümer. Denn denen bindet die Aufhebung des bisherigen Baurechts in dem Wochenendgebiet bei der kleinsten Modernisierung die Hände. Mehr noch. Die Bennewitzer Wochenendsiedlungen, auch die in Neualtenbach, entstanden in den 1960-/1970er-Jahren, das heißt, über kurz oder lang findet hier ein Generationenwechsel statt, ob nun innerhalb der Familie oder durch Verkauf des Grundstücks. In beiden Fällen ist das fehlende Baurecht kein gutes Argument gegenüber potenziellen Interessenten.

Und auch beim Blick übern Gartenzaun ist der Ausgang nach immerhin drei Jahren Diskussion kein guter. Denn der Bürgermeister will schließlich in alle acht Sondergebiete in der Gemeinde „Ordnung reinbringen“. Eine vorbildliche Lösung mit allen Beteiligten hätte als Blaupause dienen können.

Grundflächenanzahl sinkt

Dieser soll nun eine geordnete Entwicklung erfahren. Der B-Plan ermöglicht bis zu elf Wohngrundstücke. Da bereits Bausubstanz vorhanden ist, wird nur eine unwesentlich höhere Verdichtung stattfinden, prognostiziert Hanke. Um den Grüncharakter zu erhalten, wird außerdem die Grundflächenzahl von den in reinen Wohngebieten möglichen 0,4 auf 0,3 reduziert. Zudem sollen großzügige öffentliche Grünflächen angelegt werden. Da das nördliche Neualtenbach keine städtebauliche Wirkung nach außen besitzt, wird auf Vorgaben, wie zu Dachform, Firstrichtung oder Fassadengestaltung verzichtet, lediglich die Vollgeschosse auf eines begrenzt. Finanzieren werden den B-Plan die Eigentümer.

Trotz des Rückschlags will Laqua daran festhalten, in alle Sondergebiete sukzessive „Ordnung reinzubringen“. In der Gemeinde gibt es insgesamt acht – neben Neualtenbach in Deuben, Grubnitz, Nepperwitz, Schmölen, am Domholz, in Pausitz und Leulitz.

Von Ines Alekowa

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