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Bennewitz: Betreutes Wohnen im alten Gasthof

26 Wohnungen Bennewitz: Betreutes Wohnen im alten Gasthof

„Es wird Zeit, dass das was wird mit dem betreuten Wohnen“, sagte Heidemarie Wilfert. Die 74-Jährige hatte, wie weitere Bürger, im Bennewitzer Jugend- und Freizeittreff die erste Infoveranstaltung des DRK-Kreisverbandes Muldental zu den Plänen für den alten Gasthof verfolgt. Hier sollen 26 barrierefreie Ein- und Zweiraumwohnungen entstehen.

Die Bautafel am entkernten Vorderhaus des alten Gasthofes informiert über das Bauvorhaben und gibt einen Ausblick auf die künftige Gebäudeansicht.
 

Quelle: Ines Alekowa

Bennewitz.  „Es wird Zeit, dass das was wird mit dem betreuten Wohnen“, sagte Heidemarie Wilfert. Die 74-Jährige hatte, wie gut drei Dutzend weitere Bürger, im Bennewitzer Jugend- und Freizeittreff aufmerksam die erste Informationsveranstaltung des DRK-Kreisverbandes Muldental zu den Plänen für den alten Gasthof verfolgt. „Mein Lebenspartner und ich haben zwei Wohnungen, aber man wird ja älter, deshalb interessieren wir uns hier für eine Zweiraumwohnung“, erzählte sie. Aus Bennewitz, wo sie seit 1997 lebt, möchte sie nicht weg. „Mir gefällt es hier, es gibt alles im Ort.“

Bettina Belkner, Geschäftsführerin der DRK-Tochtergesellschaft Wohnen, Pflege und Service, stellte zunächst den Bauherren DRK und sein breites Betätigungsfeld, das sich vom Rettungsdienst bis zur Kita-Trägerschaft spannt, näher vor. „Nun errichten wir mit dem betreuten Wohnen etwas, das in Bennewitz seit Jahren nachgefragt wird“, sagte sie. Für das DRK übrigens kein Neuland. Die 36 Wohnungen in Wurzen sind vermietet, ab August soll es auch in Grimma ein Angebot geben.

Saal und Dach bleiben erhalten

Noch ist das Gebäude an der Leipziger Straße allerdings nicht mehr als ein Fragment. „Ich habe immer Herzklopfen, wenn ich vorbeifahre“, räumte Belkner ein. Doch schon Mitte nächsten Jahres sollen in die hier entstehenden 26 barrierefreien Ein- und Zweiraumwohnungen die ersten Mieter einziehen. Aber zuvor, erklärte der Wurzener Architekt Andreas Kewitz, sei die Entkernung des Objektes erforderlich gewesen. „Immerhin handelt es sich um einen ehemaligen Gasthof, der zudem fünf bis sechs Umbauten erfahren hat, kein Wohnhaus. So musste ein Großteil des Vorderhauses abgetragen werden, um statischen Belangen zu genügen.“ Am meisten Kopfzerbrechen, berichtete er, habe der Saal des über 100 Jahre alten Gasthofes bereitet. Anders als das x-mal umgebaute Vorderhaus mit kaum noch denkmalrelevanten Elementen, wird beim Saal noch der ursprüngliche Zustand vermutet. „Da er unter Denkmalschutz steht, dürfen wir nur begrenzt eingreifen und haben geschwitzt, ob wir das Bauvorhaben überhaupt umsetzen können.“ Der Kompromiss, „wahrscheinlich die fünfte Planfassung“, sieht die Erhaltung von Saal und Dach vor. Der 400 Quadratmeter große Saal wird gleichsam Hülle für sechs Wohnungen. In die Bühne werden Abstellräume eingebaut, die Säulen ins Raumkonzept integriert. Kurz über den Fenstern wird eine Zwischendecke eingezogen, so dass über dem Saal ein nicht begehbarer Luftraum entsteht. „Die Auflage war: Wir müssen reversibel bauen, sodass der Saal für vielleicht andere Nutzungsvorstellungen in 100 Jahren wieder auf den heutigen Stand zurückgeführt werden kann“, sagte der Planer. Auch von außen bleibt er als der historische Teil erkennbar – die Fassade wird vom Vorderhaus farblich abgesetzt.

Aufbau beginnt

In wenigen Tagen soll nun endlich mit dem Aufbau begonnen werden. Für die Veranstaltungsbesucher, viele ältere Leute, entwarf Kewitz schon mal die Zukunft, sprach von Bädern mit bodengleichen Duschen, rollstuhlbreiten Türen, Aufzug, zentraler Fußbodenheizung, Balkon für jede Wohnung, großzügigen Gauben im Dachgeschoss sowie Schallschutzfenstern und Grünstreifen zwischen Parkplatz und Gebäude, um Belästigungen zu reduzieren. Da das Projekt mit Fördermitteln umgesetzt werde, sei man zudem zu einer Reihe von Energiesparmaßnahmen gehalten, die sich auch in den Betriebskosten niederschlagen würden, sagte Kewitz. Die Fassade werde gedämmt, das Objekt erhalte ein eigenes kleines Blockheizkraftwerk, das neben Wärme auch Strom liefere, den man den Mietern zu einem günstigen Preis anbieten werde.

Natürlich gab es anschließend viele Fragen. Eigene Möbel können mitgebracht werden, bejahte Belkner, im Bad bestehe Platz für eine Waschmaschine, die Kaltmiete für die zwischen 48 und über 70 Quadratmeter großen Wohnungen betrage 7,50 Euro. Und ein Gemeinschaftsraum? Auf den habe man zugunsten zweier Wohnungen verzichtet, zumal es nur über die Straße das Jugendhaus gebe, wo ein Seniorentreff mit Freizeitangeboten eröffnet werden soll. „Das wird ein Hand-in-Hand werden. Die Gemeinschaft zu suchen, wenn man sie möchte, ist das Charmante am betreuten Wohnen“, meinte Belkner.

DRK-Info-Büro ab 4. Juli

Bis alles bis ins Detail ausgefeilt ist, werde es noch ein Weilchen dauern. Aber es bestehe schon die Möglichkeit, Beratungstermine über Mietverträge und den zugehörigen Betreuungsvertrag – Pflegeleistungen gehören nicht dazu – zu vereinbaren. Ab 4. Juli hat ein DRK-Info-Büro im Jugendhaus Dienstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. „Im Moment sind alle Wohnungen noch verfügbar“, sagte Belkner. – Das sollte eine Stunde später schon ganz anderes aussehen: Etwa ein Dutzend Leute nutzte die Chance, sich unverbindlich in eine Interessenbekundungsliste einzutragen.

Ebenfalls ab 4. Juli soll im Jugendhaus die neue Tagesbetreuung unter Leitung von Elke Schnirpel ihre Arbeit aufnehmen. Geplant sind vorerst Dienstag und Freitag. „Aber das Angebot ist bei Bedarf auf jeden Fall auf Montag bis Freitag erweiterbar“, sagte Schnirpel. Die Betreuung in zwei Räumen plus Küche und Sanitäreinrichtung bietet Platz für sechs Personen, angeboten werden Frühstück, Mittag und Vesper sowie Freizeitgestaltung wie Fernsehen, Gesellschaftsspiele, Liedersingen, Handarbeiten.

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Der alte Gasthof in Wurzen wird für betreutes Wohnen umgebaut und wurde dafür entkernt.

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Von Ines Alekowa

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