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Bennewitz: Dieter Leopold für weitere fünf Jahre zum Friedensrichter gewählt

Streitschlichter Bennewitz: Dieter Leopold für weitere fünf Jahre zum Friedensrichter gewählt

Sich einmischen, ist sein Ehrenamt. Der 58-jährige Dieter Leopold hat sich in der Gemeinde Bennewitz zum zweiten Mal als Friedensrichter beworben und wurde vom Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung einstimmig für weitere fünf Jahre gewählt. „Ich möchte etwas für die Gemeinde tun“, beschreibt Leopold seine Motivation. Sein Grundsatz: „Hilf und dir wird geholfen.“

In seinem Büro im Rathaus hat Friedensrichter Dieter Leopold einmal im Monat Sprechstunde.

Quelle: Foto: Thomas Kube

Bennewitz. „Ja, eigentlich müsste ich sie verbannen“, schmunzelt Dieter Leopold mit Blick auf die drei berühmten Affen in seinem Arbeitszimmer, die nichts sehen, hören und sagen. Denn wenn etwas nicht zu dem Altenbacher passt, dann das Symbol für mangelnde Zivilcourage. Sich einmischen, ist sein Ehrenamt. Der 58-Jährige hat sich in der Gemeinde Bennewitz zum zweiten Mal als Friedensrichter beworben und wurde vom Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung einstimmig für weitere fünf Jahre gewählt. (Ein zweiter Kandidat war zuvor von seinen Absichten zurückgetreten.)

„Ich möchte etwas für die Gemeinde tun“, beschreibt Leopold seine Motivation. Sein Grundsatz: „Hilf und dir wird geholfen.“ Der Diplom-Agraringenieur und -Bankbetriebswirt, der zu DDR-Zeiten eine Filiale der Bank für Landwirtschaft- und Nahrungsgüterwirtschaft leitete und nach der Wende in deren Vorstand gewählt wurde, ist in Rechtssachen nicht ganz unbeleckt. „Als Banker wird man auch im Zivilrecht ausgebildet“, erzählt Leopold, der jetzt als selbstständiger Handelsvertreter für Versicherungen und Finanzierungen arbeitet. „Und wenn man bei Konflikten im Arbeitsleben von Kollegen vertrauensvoll angesprochen wird, merkt man, dass man vielleicht das Geschick zum Mediator hat.“

Im Übrigen absolviere jeder neu ins Amt gekommene Friedensrichter einen Grundlehrgang, ergänzt durch jährliche Seminare zu aktuellen Rechtsfragen. Und beim Amtsgericht, das Friedensrichter auch überwacht – sie müssen Protokolle und Jahresberichte vorlegen –, könne man sich in verzwickten Angelegenheiten Rat holen.

Einmal im Monat bietet Leopold eine Sprechstunde im Rathaus an. Viel zu tun habe er zum Glück nicht, blickt er auf die vergangenen fünf Jahre zurück. „In der Gemeinde wohnen offenbar nicht viele Streithähne.“ Meist sind es Fälle, bei denen ein Hinweis zwischen Tür und Angel schon reicht, damit der Rat Suchende selbst auf seinen Gegner zugeht. „Oft wird nur zu wenig miteinander gesprochen“, besagen Leopolds Erfahrungen. Zu Vergleichsverfahren kommt es nur zwei- bis dreimal im Jahr. Dann allerdings geht es zu wie bei Gericht: Der Antragsteller gibt seinen Fall zu Protokoll, der Antragsgegner erhält eine Vorladung mit einer Kopie des Antrags, damit er sich vorbereiten kann, und dann sind meist mehrere Termine notwendig, um zu erreichen, dass sich die Parteien einigen. „Denn es gilt der Grundsatz: schlichten, nicht richten“, betont der Friedensrichter. Und das scheint ihm ganz gut zu gelingen. „Da ich von denen, mit denen ich zu tun hatte, noch freundlich gegrüßt werde, muss meine Vermittlung wohl erfolgreich gewesen sein.“

Manche Antragsteller muss Leopold jedoch auch abweisen. Denn entscheidend, ob er tätig werden darf, sei der Wohnsitz des Antraggegners. Dieser muss in der Gemeinde Bennewitz wohnen. Neben örtlichen sind dem Friedensrichter zudem sachliche Grenzen gesetzt. Nicht zuständig ist er unter anderem bei Familien- und Arbeitsrecht oder wenn notarielle Beglaubigungen erforderlich sind. „Wenn zum Beispiel ein Grenzstein eigenmächtig umgesetzt wurde, könnte man sicher eine Einigung erreichen, aber hier muss auch noch neu vermessen und das Ergebnis grundbuchrechtlich gesichert werden“, erklärt Leopold.

Am häufigsten hat er mit Nachbarschaftsstreitigkeiten zu tun. Da werde Lärm als störend empfunden, oder Bäume stehen zu nah an der Grundstücksgrenze, oder jemand fühlt sich beleidigt. Oder es gibt Streit zwischen Mieter und Vermieter oder Geschäftspartnern, zum Beispiel über Zahlungsansprüche, Schadenersatz oder Reparaturen. „Besonders bitter ist es“, auch das hat Leopold schon erlebt, „wenn die Streitenden aus einer Familie stammen.“ – „Die unterschiedlichen Ansichten, Missverständnisse, auch Böswilligkeiten mögen, mit Abstand betrachtet, Kleinigkeiten sein“, sagt der Friedensrichter, „aber die Betroffenen belastet es.“ Trotzdem falle es manchem nicht leicht, sich zu öffnen. „Aber das gibt sich, wenn man die Bereitschaft spüren lässt, zuzuhören“, so Leopold. Zudem führe ein Friedensrichter keine öffentlichen Verhandlungen durch und sei natürlich zu Verschwiegenheit verpflichtet.

„Ich ermutige jeden, bevor er eine Privatklage anstrengt, erst einmal das Hinzuziehen eines Friedensrichters zu prüfen“, sagt Leopold. Und zwar nicht nur, weil dieser um die Ecke wohnt, vielleicht ein paar Hintergründe kennt und sich so gut in ein Problem hineindenken kann. Im Vergleich zu einer Verhandlung vor Gericht, wo allein schon für Anwaltskosten schnell mehrere tausend Euro zu berappen sind, ist Leopolds Schiedsspruch zwischen 30 und 50 Euro zuzüglich entstandener Auslagen geradezu ein Schnäppchen. Und trotzdem nicht weniger wert, betont der Friedensrichter. „Denn das Ergebnis einer Streitschlichtung ist ein auf 30 Jahre vollstreckbarer Vergleich in einem Protokoll, das von beiden Parteien unterschrieben wird. Erfüllt eine Partei die vereinbarten Auflagen nicht, kann die andere eine gerichtliche Durchsetzung beantragen“, erklärt er. Und wenn keine Einigung zustande kommt? „Dann hat der Antragsteller immer noch die Möglichkeit, das Gericht anzurufen, büßt also durch den Schlichtungsversuch keine Rechte ein.“

Aber komme es zu einer Schlichtung, dann sei es „etwas Wunderbares, wenn sich hinterher beide die Hand geben und keiner sein Gesicht verloren hat. Das ist besser, als vor Gericht zu gewinnen – was nicht garantiert ist –, dafür aber hinterher die menschliche Beziehung zu den anderen Beteiligten für immer zerstört ist. Aber“, betont Leopold, „das setzt ein Mindestmaß an Willen und Offenheit der Parteien voraus.“

Sprechzeiten im Rathaus, Zimmer 319, jeden letzten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr, individuelle Einzeltermine unter Tel. 03425/89 32 36 oder (privat) 81 75 80, E-Mail: Leopold.Beratung@web.de

Von Ines Alekowa

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