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Bennewitz: Letzte Ruhe am Fuß eines Baumes

Bennewitz: Letzte Ruhe am Fuß eines Baumes

Anlauf nimmt die Gemeinde schon seit 2007. "Damals war die rechtliche Situation allerdings noch eine andere", blickt Bürgermeister Bernd Laqua (parteilos) zurück.

Das sächsische Bestattungsgesetz wurde erst 2009 geändert und ermöglicht seitdem naturnahe Formen der Bestattung. Als Helge Hedtke von der Friedwald GmbH und Ansprechpartner unter anderem für Sachsen jetzt erneut im Bennewitzer Rathaus anklopfte, fand er offene Türen. "Denn ich habe viele Anrufe von Bürgern erhalten, die sich für diese Form der offenen Bestattung interessieren", begründet Laqua. "Wer hier wohnt, möchte später auch hier seine letzte Ruhestätte finden. Für den, der diese aber in einem Friedwald sucht, war bisher Dessau der nächste Weg." Viele Ältere würden ihren Kindern und Enkeln zudem auf diese Weise die Grabpflege ersparen wollen, denn die übernimmt die Natur. Trotzdem gebe es mit einem Baum und Namenstafeln einen Ort des Gedenkens.

Vorgesehen ist ein 30 Hektar großes Areal westlich der Sechs-Wege-Kreuzung, das schrittweise erschlossen werden soll. Bei einem so großen Gelände sei eine ausreichende Menge an schönen Laubbäumen garantiert, die für 99 Jahre, also über vier Generationen, unter Schutz gestellt werden, erklärt der Bürgermeister. Bis zu zehn Urnen können am Fuß eines Baumes in die Erde gebracht werden, ein Baum könne aber auch für eine einzelne Person oder als Familiengrab erworben werden.

Betreut werden die Friedwaldstandorte von Förstern, die die Kunden bei Waldführungen, Baumauswahl und Beisetzungen begleiten. Der Wald werde nur gepflegt, aber nicht bewirtschaftet, erläutert Laqua weiter. "Er wird auch nicht bejagt, um ihn als Ruhestätte zu achten." Spaziergänger wie auch Pilzsucher seien hingegen nicht eingeschränkt, betont er.

Mit Waldbesitzer Jan Rauchhaupt und der Friedwald GmbH als Betreiber seien die Details bereits besprochen, informiert der Bürgermeister. Erforderlich seien jetzt geologische und hydrologische Gutachten, die beispielsweise sicherstellen, dass der Untergrund Grabungsarbeiten bis zur für ein Urnengrab vorgeschriebenen Tiefe zulässt und das Gelände nicht sumpfig ist. Nach der Genehmigung, die beim Landkreis beantragt werden muss, müssen Wege angelegt werden - "wobei das Wegenetz im Planitzwald bereits gut ausgebaut ist" -, außerdem sollen in der Nähe der Kreuzung von Neuweißenborner Weg und der so genannten A-Linie ein Versammlungsplatz mit Bänken und ein Parkplatz für etwa 30 Fahrzeuge entstehen. Gekennzeichnet wird das ausgewählte Waldgebiet mit Markierungspfählen entlang der Wege. Auf einer Informationstafel kann man sich über die Anlage informieren.

Im Rathaus sieht man der Umsetzung des Vorhabens optimistisch entgegen. "Ich weiß einen erfahrenen Partner an unserer Seite", sagt Bernd Laqua. Die Friedwald GmbH hat seit 2001, als bei Kassel der Reinhardwald eröffnet wurde, bereits 50 Standorte nach dem aus der Schweiz kommenden Konzept in Deutschland eingerichtet. Es sei "eine umweltgerechte Alternative zum Friedhof", zitiert die Firma den Bund für Naturschutz auf ihrer Internetseite. "Eine Zeitschiene für die Realisierung gibt es aber noch nicht", sagt Laqua. "Aber ich denke, wenn alles gut läuft, kann hier in einem Jahr die erste Bestattung stattfinden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2014
Ines Alekowa

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