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Wurzen Bennewitzer Kultkegler Udo Wagner feiert 80. Geburtstag
Region Wurzen Bennewitzer Kultkegler Udo Wagner feiert 80. Geburtstag
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08:15 06.10.2018
Der Bennewitzer Kultkegler Udo Wagner feiert seinen 80. Geburtstag. Quelle: Privat
Bennewitz

Es heißt, Kegeln sei eine der gefährlichsten Sportarten. Weil sie gern auch von ehrgeizigen älteren Semestern betrieben werde, erleide mancher auf der Bahn einen Herzinfarkt. Nicht so die Bennewitzer. Wenn die in die Vollen gehen, bringt sie nichts so schnell außer Atem. Genügend Puste beweisen sie selbst bei ihrem legendären Schlachtruf: „Ein dreifaches Heiafutschigaganilla, buibuiheia, buibuiheia, buibuiheia – Ruckizucki ratzibutz, biff baff buff – unwahrscheinlich.“ Udo Wagner, einer der Erfinder des Kegel-Chinesisch, verrät: „Ursprünglich hieß es noch Stichbumbullibockfortiolorium.“ Wie bitte? „Das bezog sich auf den etwas bitteren braunen Likör namens Stichbimbuli Bockforzelorum. Aber heutzutage kriegt das niemand mehr raus, nicht mal nach einem Schnäpschen.“

Große Party auf der Kegelbahn

Am Wochenende hat Wagner allen Grund anzustoßen. Der Bennewitzer Kultkegler feiert seinen 80. Geburtstag. Zum Festakt hat das Original all seine Freunde in die Kegelbahn geladen. Allein die Aufzählung der Titel – ein abendfüllendes Programm: Ob Bezirks-, DDR- oder zwölf (!) Mal Sachsenmeister, ob Bezirkspokal-, FDGB-Pokal- oder Ahlborn-Cupsieger, ob Goldene Ehrennadel des Deutschen Kegelverbandes und des DTSB oder Ehrenteller des DKV – Udo Wagner wäre ein Fall für Außenseiter, Spitzenreiter und die Frage: Wer hat die meisten Siege errungen? Je oller, desto doller: Selbst mit 80 ist noch lange nicht Schluss mit der Titeljagd.

Zwei Jahre nach dem Brand 1997 stand die neue Bahn

Der Bennewitzer Kultkegler Udo Wagner feiert seinen 80. Geburtstag. Zu den Gratulanten gehört auch Enkelin Jennifer. Quelle: Haig Latchinian

Zur Feier des Tages schwebt sogar Enkelin Jennifer ein. Die junge Frau arbeitet als Stewardess bei Eurowings, fliegt ausnahmslos Langstrecke: Dom Rep, Cancún, New York: „Von Großvater habe ich Ehrgeiz, Willensstärke und Disziplin geerbt. Ich kriege alles, was ich will!“ Ob sie Opa auch ins Flugzeug bekommt? Wird schwer. Denn der fährt lieber auf die Bahn ab, nicht die Deutsche Bahn, sondern die Kegelbahn. Mit Albrecht Liebers hatte er damals maßgeblich den Bau der alten Bahn am Schamottewerk voran getrieben. 1997 brannte die ab, zwei Jahre später weihte Bürgermeister Werner Moser die neue ein. Passend zu den neun Kegeln heißt sie Neun Eichen, die auch davor gepflanzt wurden.

Gut Holz – Udo Wagner hat Tischler gelernt

Gut Holz, das ist nicht nur der Gruß der Kegler. Holz ist das Leben des Jubilars. Der in Wurzen geborene und in Nischwitz aufgewachsene Udo Wagner hat Tischler gelernt. Erst arbeitete er in des Bruders Oschatzer Betrieb, der 1958 in der PGH aufging. 20 Jahre später wechselte er als Lagerist in die Wurzener BHG. Nach der Wende machte er sich mit einem kleinen, aber feinen Holzfachmarkt selbstständig. Noch immer hütet er beinahe täglich Opis etwas anderen Obi.

Wettkämpfe seit 1962

In der Nischwitzer Gaststätte „Heiterer Blick“ stellte er als 15-Jähriger die Kegel auf. Irgendwann probierte er es selbst und fand Freude daran. Am 15. Juli 1961 heiratete er seine Jutta, am 1. August 1961 stieg er bei Stahl Bennewitz ein, ein Jahr später bestritt er unter Sektionsleiter Harry Strick erste Wettkämpfe. Bis heute schiebt der langjährige Sportwart, Trainer und Mannschaftsleiter eine alles andere als ruhige Kugel. Ob bei Jugend, Frauen, Männern oder Senioren – überall hat er Spuren hinterlassen.

Kegeln ist eine Kunst

Sein Lieblingsspruch: „Kegeln ist eine Kunst. Wenn’s einfach sein soll, wär’s Fußball.“ Wegbegleiter Rolf Goldammer (83) klopft dreimal auf Holz: „Toi, toi, toi, die Gesundheit ist das Wichtigste.“ Udo tut viel dafür, fährt täglich Rad und schwitzt in der Sauna. Wie war das doch: Ältere Semester, Kegeln und Herzinfarkt? „Kegeln allein ist zu einseitig“, sagt der Mann, der es wissen muss. Er machte seinen Übungsleiterschein bei keinem geringeren als Karl-Heinz Schmidt, nacheinander Nationaltrainer der DDR, der BRD und Österreichs.

Von Haig Latchinian

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