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Wurzen Beucha: Fahrgäste bleiben auf der Strecke
Region Wurzen Beucha: Fahrgäste bleiben auf der Strecke
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14:51 19.05.2015
Umsteigen schwer gemacht: Nach den Plänen der DB dürfen Fahrgäste die Gleise künftig nicht mehr direkt überqueren, sondern müssen einen Umweg (rot markiert) über den Bahnübergang nehmen. Quelle: GoogleBarbara Kern

Die DB will hier unter anderem in den Bau eines neuen Außenbahnsteigs investieren und zwei Übergänge erneuern. "Dabei sind allerdings absolut kundenunfreundliche Lösungen vorgesehen", kritisiert Fachbereichsleiter Jürgen Otto.

Bei einem Blick in die Bahn-Pläne traute der Mitarbeiter der Brandiser Stadtverwaltung seinen Augen nicht. "Obwohl Beucha eine wichtige Schnittstelle im öffentlichen Personennahverkehr ist, interessiert das die DB überhaupt nicht." Gemeinsam mit dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) habe man in den vergangenen Jahren als Kommune alles unternommen, um ein bequemes Umsteigen zwischen Bus und Bahn zu ermöglichen. 380 000 Euro wurden in eine attraktive Park-and-Ride-Anlage gesteckt. Täglich 450 Pendler zählt der Beuchaer Bahnhof. Auch das neue Plus-Bus-Netz, das als Zubringer zum City-Tunnel fungiert, setzt auf Beucha als wichtiges Drehkreuz. Selbst beim Anlegen der Bushaltestellen bewiesen die Stadtväter vor sechs Jahren Weitsicht. Die Höhe wählten sie so, dass Bus und Zug parallel halten und die Fahrgäste ebenerdig ins nächste Transportmittel wechseln könnten. "Während wir als Stadt alles getan haben, um das Umsteigen auf den Zug attraktiver zu machen, tut die Bahn genau das Gegenteil", empört sich Otto.

In den jetzt bekannt gewordenen Umbauplänen für den Bahnhof spiele die P+R-Anlage überhaupt keine Rolle, kritisiert der Verantwortliche im Brandiser Rathaus. "Auf dem Papier existiert sie nicht einmal", ist der Amtsleiter entsetzt.

"Wir haben die im Freistaat vorgesehene Standardhöhe von 55 Zentimeter Bahnsteighöhe berücksichtigt, um zu gewährleisten, dass Bus und Bahn parallel am gleichen Bahnsteig Halt machen können. Jetzt stellt sich heraus, dass die Bahn an der Höhe ihres Bahnsteigs gar nichts ändern will", bemängelt Jürgen Otto.

"Damit vergibt die DB die Chance auf einen modernen und kundenfreundlichen Kombisteig", kritisiert auch Bernd Irrgang. Dem Mitarbeiter, der beim ZVNL für Projektmanagement und Infrastruktur zuständig ist, platzt beim Thema Beucha der Kragen. "Wir haben hier den Fall, dass die Bahn zwar viel Geld in die Hand nimmt, sich der Zustand für die Reisenden durch den Umbau aber massiv verschlechtert."

Was Irrgang besonders ärgerlich findet: "Die Bahn will für 300 000 Euro einen neuen Außenbahnsteig errichten. Doch schon jetzt ist klar, dass der nur wenige Mal im Jahr gebraucht wird." Andererseits sollen die derzeit noch vorhandenen schienengleichen Übergänge zurückgebaut werden. Die Bahn stelle sich allen Ernstes vor, dass die Leute beim Umsteigen bis vor zur Schranke in der Brandiser Straße tippeln und auf der anderen Seite der Gleise wieder zurück. Insbesondere für ältere Leute, Fahrgäste im Rollstuhl, andere Gehbehinderte, aber auch jene, die einen Kinderwagen oder schweres Gepäck mit sich führen, würde das eine erhebliche Erschwernis bedeuten.

"Zu bewältigen wäre locker ein Umweg von rund 300 Metern. So viel", rechnet Irrgang vor, "beträgt in Leipzig der Abstand zwischen zwei Straßenbahnhaltestellen." Der ZVNL kritisiert die Umbaupläne deshalb scharf: "Hier wird sehenden Auges eine Verschlechterung für die Kunden in Kauf gekommen."

Auch auf die Abstimmung mit den anderen Verkehrsmitteln hätte der Umweg gravierende Auswirkungen. "Wenn die Leute erst vor zur Schranke müssen und diese dann geschlossen ist, bringt das ein erhebliches Gefährdungspotenzial mit sich", macht der ZVNL-Vertreter deutlich. "Man kann dann sicher auch nicht verhindern, dass einige Unvernünftige den kurzen Weg über die Gleise wählen und sich, um ihren Anschluss zu schaffen, unnötig in Gefahr bringen." Dies alles könne verhindert werden, appelliert der ZVNL, wenn die Bahn ihre Pläne noch einmal überdenke. Der Verband kündigte an, in der Angelegenheit Druck zu machen und auch regionale Abgeordnete einzuschalten.

Auch die Stadt will verhindern, dass die Interessen der Fahrgäste unter die Räder kommen. "Wenn schon kein Überqueren der Gleise auf kurzem Weg mehr möglich sein soll, fordern wir auf jeden Fall eine Fußgängerbrücke wie in Naunhof oder Belgershain", unterstreicht der Brandiser Bürgermeister Arno Jesse (SPD). Dort habe die DB schließlich auch entsprechend kundenfreundliche Lösungen geschaffen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2014
Simone Prenzel

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