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Beucha feiert sich als Dorf der Steine

Beucha feiert sich als Dorf der Steine

Im Schatten der Jubiläen 200 Jahre Völkerschlacht und 100 Jahre Völkerschlachtdenkmal wird auch in Beucha groß gefeiert. "Schließlich ist der Monumentalbau, um den sich in diesen Tagen alles dreht, auch ein bisschen unser Denkmal", macht Brigitte Süptitz, Vorsitzende des Beuchaer Heimatvereins, deutlich.

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Hans Ross und Brigitte Süptitz werben für das Festwochenende.

Quelle: Klaus Peschel

Brandis/Beucha. Durch seine Beschaffenheit empfahl sich der Beuchaer Granitporphyr den Erbauern der Erinnerungsstätte. "Das Material ließ sich gut bearbeiten und eignete sich vor allem auch für filigrane Bildhauerei", berichtet Süptitz, warum die Schöpfer des Probstheidaer Kolosses auf das Beuchaer Gestein aufmerksam wurden. Es sei noch viel zu wenig bekannt, dass im Völkerschlachtdenkmal tonnenweise Beuchaer Gestein steckt, mussten die Organisatoren gerade im aktuellen Gedenkjahr feststellen. Auch bei der Sanierung des 91-Meter-Bauwerks sei Material aus dem Brandiser Ortsteil zum Einsatz gekommen.

Mit einem Festwochenende vom 13. bis 15. September möchte Beucha selbstbewusst an seine Tradition als Dorf der Steine erinnern. Da das Leipziger Denkmal nur schwer von den historischen Ereignissen zu trennen ist, widmet sich der Freitag ganz dem Thema Völkerschlacht. "In der Bergkirche wird es ein Theaterstück geben", berichtet Ortsvorsteher Hans Ross. "Ein einziges langes Donnergebrüll" heißt die szenische Darstellung, in der zwei Schauspieler in über 20 Rollen schlüpfen. "Es sind kleine, kurze Szenen, die anschaulich erzählen, wie das einfache Volk 1813 die Belagerung erlebt hat", berichtet die Chefin des Heimatvereins. Geschildert wird der Alltag in den Dörfern rund um Leipzig - die Not zwischen Kugelhagel, Plünderei und Zerstörung. Mitstreiter der AG Befreiungskriege schlagen ein historisches Biwak am Kirchberg auf.

Dass auch Beucha als Heerlager diente und von marodierenden Truppen heimgesucht wurde, gilt als verbürgt. Licht ins Dunkel bringen die Aufzeichnungen des Beuchaer Pfarrers und Magisters Eduard Stephani, die der Zweenfurther Eckhard Uhlig im Kirchenarchiv aufgestöbert hat. Hunderte Soldaten, so ist zu lesen, brachten sich am Morgen des 18. Oktober 1813 auf den umliegenden Feldern in Stellung. Die Franzosen attackierten von Borsdorf her. Der Pfarrer, der das Nötigste und seine Magd noch in Sicherheit brachte, schrieb nieder, dass rund um Beucha 16 000 Mann Infanterie und 8000 Kavalleristen stationiert waren. Als Gefechtsfeld möchte sich der Ort am Wochenende indes nicht inszenieren. "Wir wollen eher die ruhigeren Töne anschlagen", versichern die Organisatoren.

Der Samstag steht ganz unter dem Motto "100 Jahre Völkerschlachtdenkmal". Höhepunkt ist ein Open air-Konzert am Abend, das die Völkerschlacht in Noten bietet. Die Sächsische Bläserphilharmonie führt ab 19.45 Uhr ihr Festkonzert "1813" auf. Zu hören ist die Suite von Komponist Gerhard Baumann sowie weitere Märsche und Choräle. Zuvor singt ab 19 Uhr der Chor des Völkerschlachtdenkmals. Als Festwiese, berichtet Hans Ross, dient das freie Areal an der August-Bebel-Straße. Hier sollen Konzertbühne, Versorgungsstände und rund 900 Sitzgelegenheiten Platz finden. Unvergesslich klingt der Samstagabend aus. Feuerwerker Daniel Schlinker taucht den Beuchaer Kirchbruch in Flammen. Das Besondere: Die Fontänen werden vom Wasser aus gezündet. Tauchsportler Uwe Seidel aus Waldsteinberg hilft dem Pyrotechniker, die Ausstattung in Stellung zu bringen. "Das Spektakel kann von allen Seiten des Bruchs, aus dem die Steine für das Völkerschlachtdenkmal stammen, verfolgt werden", freut sich Brigitte Süptitz auf dieses einmalige Spektakel. Tagsüber können sich Besucher auf die Spur der Steine begeben. Akteure des Vereins "Völkerschlacht 1813" aus Liebertwolkwitz drehen auf dem Festgelände derweil die Uhren zurück: "Sie werden das Dorfleben darstellen, wie es sich zur Zeit der Völkerschlacht abgespielt hat - mit Bauchladen und Bücherkarren, auch ein Seiler tritt in Aktion." Der Heimatverein verkauft wieder den Völki-Keks. Das runde Mürbteiggebäck zeigt die Ansicht des berühmten Denkmals und versüßte bereits mehrere Feierlichkeiten. Der Beuchaer Bäckermeister Patrick Krah hatte die Idee für das süße Andenken. Ein weiteres Mitbringsel fördern Taucher zu Tage. "Von der Sohle des Kirchbruchs werden wir Steine abschlagen, die die Besucher mitnehmen können", kündigt Uwe Seidel an. Außerdem führt Steinmetzmeister Matthias Bohli wieder in einer historischen Metzenhütte alte Werkzeuge vor und zeigt, wie der Stein traditionell behauen wurde.

Ganz dem Heute ist der Sonntag gewidmet: Ab 10 Uhr stehen unter anderem ein ökumenischer Festgottesdienst, Auftritte der Brandiser Stadtmusikanten, der Band The Fowes und Memory FX auf dem Programm. Für Kinder wird allerlei geboten. Und vor allem sollte man sich die Auslosung der Tombola nicht entgehen lassen, bei der als Hauptpreis eine Ballonfahrt über Beucha winkt. Der Eintritt zu den Festivitäten ist frei. "Allerdings würden wir uns wünschen, dass viele unserer Festplaketten gekauft werden", betont der Ortsvorsteher. Für 2,50 Euro das Stück nimmt man automatisch an der Tombola teil.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.09.2013

Simone Prenzel

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