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Wurzen Beuchaer Wandbild restauriert
Region Wurzen Beuchaer Wandbild restauriert
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05:00 07.07.2011
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. Zahlreiche Spender machten die Wiederherstellung des Freskos erst möglich, das 2005 durch den Einbau von Brandschutzanlagen verschandelt worden war.

Badende Kinder, ein Junge, der an einem Globus dreht, Schüler beim Zoobesuch und der Erledigung der Hausaufgaben – an den Szenen, 1955 zur Einweihung der Schule entworfen, ging die Zeit nicht spurlos vorüber. „Das Kunstwerk", erinnerte Professor Rainer Behrends während einer Feierstunde am Dienstag, „gehörte so zum Interieur der Schule, dass man es gar nicht mehr richtig wahrnahm. Hände glitten an ihm entlang, Möbel hinterließen Kratzer." Generationen von Schülern bahnten sich in den Pausen ihren Weg vorbei an der Malerei. „Eine Schule", bemerkte Behrends richtigerweise, „ist nun mal keine Gemäldegalerie." Nichts gegen die Gebrauchsspuren, die sich über die Jahre einstellten, war der Eingriff, der dem Bild 2005 widerfuhr.

Um Brandschutzauflagen zu erfüllen, wurden Löcher in die Fläche gehackt, Kabelgräben gezogen, die Narben später halbherzig verspachtelt. Bei Kunstfreunden löste die Aktion einen Aufschrei aus. Kunstbanausen seien hier am Werk.

2008 kam endlich die Rettung des künstlerisch und geschichtlich bedeutsamen Zeitzeugnisses in Gang. Birgit Kolodzej erhielt den Auftrag, das Bild wieder in seinen Originalzustand zu versetzen. Die Arbeit der Restauratorin beschränkte sich nicht nur darauf, die dem Fresko beigebrachten Verletzungen zu heilen. Die gesamte Oberfläche wurde nachgeleimt. Dabei arbeitete die 48-Jährige mit hauchdünnem Japanpapier. „Es wird auf die Wand gehalten, dann Warmleim aufgetragen und so sickert die Masse in die Malerei ein." Fehlstellen wurden neu verputzt und mit behutsamen Pinselstrichen und viel Farbempfinden erneuert. Kratzer und andere ramponierte Abschnitte besserte Birgit Kolodzej ebenfalls aus. Das Rettungsweg-Piktogramm, das sich mitten ins Bild verirrt hatte, brachten Bauleute mittig über der Treppe an. Auch der Handlauf wurde wieder von der Wand abgerückt.

Rainer Behrends sagte, zeitweise sei sogar ein Überstreichen des Bildes oder ein Verkleiden in Erwägung gezogen worden. Auch von Plänen, eine Tür mitten in das Kunstwerk zu stemmen, war die Rede. „Um das zu verhindern, formierte sich eine Bürgerinitiative", erinnerte der Leipziger, der sich mit Leben und Werk von Günter Albert Schulz beschäftigt.

Ein Name, der bei den Dankesreden immer wieder genannt wurde, war der von Käte Löhr. „Durch ihr Engagement wurde eine Welle der Bereitschaft ausgelöst, für das Bild zu spenden", zollte am Dienstag auch die Witwe des Malers Martina Schulz der Ortschronistin ihre Anerkennung. Die Witwe zeigte sich bewegt, wie die künstlerische Arbeit ihres inzwischen verstorbenen Mannes durch die Beuchaer Bürgerschaft gewürdigt werde. „Ich danke allen, die von Anfang an an das Projekt geglaubt haben."

Käte Löhr, einst selbst Direktorin an der Schule, forschte unermüdlich, bis sie den Namen des in Vergessenheit geratenen Künstlers herausfand, nahm vor Schulz‘ Tod noch Kontakt mit ihm auf und setzte alle Hebel in Bewegung, um Spenden zu sammeln. Nur durch eine konzertierte Aktion von öffentlicher und privater Hand sei eine Rettung des Kunstwerkes schließlich möglich gewesen, hieß es am Dienstag übereinstimmend. Auch der Einsatz des Beuchaer Heimatvereins fand ausdrückliche Erwähnung.

„Die Landesdirektion", so berichtete der Brandiser Bürgermeister Andreas Dietze, „bewilligte 8000 Euro Zuschuss, rund 5000 Euro wurden an Spenden eingenommen. Selbst der Bürgerstiftung Leipzig, die sich sonst nur in der Messestadt engagiert, war das Werk eine Zuwendung wert. Die Stadt steuerte letztlich 5000 Euro bei." Die größte Einzelspende betrug 1500 Euro. Und sogar geschwommen wurde für die Kunst: Die Brandiser Karin Paulus und Hartmut Gerstmann stürzten sich 2008 im englischen Newcastle in die eisigen Fluten des Flusses Tyne. Auch der Erlös dieses kräftezehrenden Wellenritts floss ins Wandbild.

Simone Prenzel

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