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Bilder kommen zurück in die Schlossgalerie

Bilder kommen zurück in die Schlossgalerie


Falkenhain/Thammenhain. Wenn Rüdiger von Schönberg im Thammenhainer Schloss Gäste durch die Bildergalerie geleitet, beeindruckt er sie mit seiner profunden Kenntnis der berühmtesten Köpfe seiner Familie.

. In der sächsischen Geschichte haben sie in Bergbau, Klerus und Verwaltung deutliche Spuren hinterlassen. Das Herz geht ihm aber auch auf, wenn er Besucher im englischen Landschaftspark, den er schrittweise in den alten Zustand zurückversetzen will, auf seine Solitäre hinweist.

Bis weit in das Jahr 1990, so erinnert sich von Schönberg, dachte er – in München als Bundesrichter in guter Position – mit keiner Silbe daran, etwas von den sächsischen Besitztümern seiner Familie zurückzufordern. Nach dem 1. Juli jedoch, so blickt der fast 70-Jährige zurück, schien es plötzlich realistisch, dass die 1945 im Osten Deutschlands im Zuge der Bodenreform enteigneten Adligen Immobilien zurückbekommen. Die Geschichte seiner Vorfahren war für den Nachgeborenen immer an Bilder und Skulpturen wie den Heiligen Nikolaus gebunden, der in seinen Thammenhainer Kindertagen in der Halle stand. So recherchierte von Schönberg und erhielt vom Direktor der staatlichen Kunstsammlungen in Dresden bald die euphorische Nachricht: „Ihre Bilder sind da, in zwei Monaten haben Sie sie zurück." Das sollte sich als zu optimistisch erweisen, erst im späten Frühjahr 2005 hatten von Schönbergs ihre Porträts und Landschaften wieder. Sie hängen heute unter anderem in Thammenhain im Schloss an den Wänden oder sind im Schloss Nossen in der Dauerausstellung „Spurensuche in Sachsen" zu sehen.

Zweimal war die Sammlung in höchster Gefahr. In den Wirren der Nachkriegszeit rettet der Kunstwissenschaftler Fritz Löffler die Schätze in den Schlössern der Vertriebenen vor der Plünderung.Er barg sie und listete alles akribisch auf. Im Sommer 2002 standen von Schönbergs Gemälde in Dresden zur Übergabe bereit, als die Elbe in der Jahrhundertflut über die Ufer trat. Sechs Wochen lang war er fast krank vor Sorge, scheute sich aber, mit einer Nachfrage entgültig Klarheit zu schaffen. Wie durch ein Wunder erwiesen sich seine Befürchtungen als unbegründet. „Ich empfinde es als ein Geschenk, dass die Bilder gerettet wurden, dass sie wieder in ihrem Zuhause am alten Fleck angekommen sind", sagt der Freiherr heute dankbar.

Und auch das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass er sich im Sommer 2000 entschloss, der Kirche das Schloss abzukaufen. Park und Bauwerke waren von der Caritas, die hier ein Pflegeheim betrieb, gut gepflegt worden. „Sonst hätten wir den Mut für diesen Schritt nicht gehabt", sinniert von Schönberg. Bereut hat der Freiherr den Schlosskauf nie. Auch wenn er für erhebliche Investitionen in Elektrik, Heizung und Sanitäranlage Kredite aufnehmen musste. Bestätigung für diesen Entschluss ist ihm auch die öffentliche Wertschätzung der Familiengeschichte derer von Schönberg. Sie wird nicht nur im Museum Schloss Nossen gepflegt, sondern beispielsweise auch am

22. Oktober bei einem Kolloquium im Staatsarchiv in Leipzig.

Untermauert wird seine Entscheidung aber auch dadurch, dass er gemeinsam mit seinen Bruder seit 1994 in Thammenhain einen landwirtschaftlichen Betrieb betreibt. Nicht zuletzt spielt für ihn auch eine wichtige Rolle, dass er die Möglichkeit hatte, in zurückgekauften Forsten am Schildberg, im Mölbitzer Holz und in den Hohburger Bergen 300 000 Bäume zu pflanzen. Er mag dabei an seinen Vater gedacht haben: Karl Friedrich von Schönberg hätte es gern gesehen, wenn sein mittlerer Sohn, der im Saarland aufwuchs, wie die Urgroßväter Forstwirtschaft studiert hätte. „Wenn wir unsere Wälder selbst bewirtschaften können, kriegen wir sie vielleicht eher zurück", hatte er argumentiert. Die Hoffnung des alten Mannes, das Vertriebenenschicksal nicht tatenlos anzunehmen, hat der Sohn in Thammenhain eingelöst ...

 

Ingrid Leps

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