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Blitzer-Marathon: Polizei steht an Unfallschwerpunkten im Landkreis Leipzig

Verkehr Blitzer-Marathon: Polizei steht an Unfallschwerpunkten im Landkreis Leipzig

Mit wechselnden Kontrollstellen beteiligte sich die Polizeidirektion Leipzig am Mittwoch am europaweiten Blitzer-Marathon, unter anderem in Wurzen, Pegau und Groitzsch. Ziel sei es, Präsenz zu zeigen und an den gesunden Menschenverstand zu appellieren. Überhöhtes Tempo gilt neben Alkohol und Ablenkung am Steuer als häufigste Unfallursache.

An der Bundesstraße 2 in Pegau überwachte die Polizei mit einer Laserkamera den Verkehr.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Landkreis Leipzig. Rasen, Drängeln, Schnippeln und riskante Überholmanöver – auf deutschen Straßen geht es zuweilen zu wie beim Autoscooter. Jedoch mit ernsten Konsequenzen: Überhöhtes Tempo gilt neben Alkohol und Ablenkung am Steuer als häufigste Unfallursache, forderte allein im vergangenen Jahr 162 Tote in Sachsen. Auch im Flensburger Verkehrssünderregister ist zu schnelles Fahren die Ordnungswidrigkeit Nummer eins.

Mit dem deutschlandweiten Blitzer-Marathon – von Mittwoch, 6 Uhr, bis zum Donnerstag, 6 Uhr – will die Polizei eine Lanze für moderates Gasgeben brechen. Auch im Landkreis Leipzig nahmen die Geschwindigkeitswächter schnelle Auto-, Lkw- und Motorradfahrer ins Visier, fühlten ihnen mit Radar- und Laserkontrollen an wechselnden Kontrollpunkten auf den Zahn.

Los ging es Mittwochmorgen auf vielen Straßen im Landkreis. An der Bundesstraße 2 in Pegau hatten bis 10 Uhr die beiden Bürgerpolizisten Enrico Künzel und Torsten Reichert das Lasermessgerät gegenüber des Rewe-Marktes in Richtung Leipzig aufgestellt. „Die Strecke ist ein Unfallschwerpunkt“, erklärte Polizeihauptmeister Künzel, „allein schon wegen der Ein- und Ausfahrten in die Stadt, zur Tankstelle und zum Supermarkt. Hier sind in den letzten Monaten einige Unfälle passiert.“ Erlaubt sind auf der schnurgeraden Strecke 70 Kilometer pro Stunde. Die Mehrzahl hielt sich gestern auch daran, zuckelte brav mit Tempo 65 und zuweilen freundlich winkend an den Polizisten vorbei. Bis auf einen 50-jährigen Autofahrer, der 93 km/h auf dem Tacho hatte und dafür 30 Euro Bußgeld zahlen musste.

„Klar wird überall vor dem Blitzer gewarnt“, ist sich Enrico Künzel bewusst, „im Rundfunk, auf verschiedenen Apps, im Internet und natürlich geben sich die Autofahrer untereinander Lichthupe.“ Nach etwa zwei Stunden wäre die Kontrollstelle „verbrannt“, hätte sich der Blitzer auch unter den letzten Fahrern herumgesprochen. So zogen die Polizisten weiter, wie gestern an die B176 bei Groitzsch. „Uns geht es nicht darum, so viel wie möglich Schnellfahrer zu erwischen, sondern um Präsenz zu zeigen und die Autofahrer zu sensibilisieren.“

Im Muldental gab es die Schnellfahrer trotz Vorwarnung: Mit 66 Sachen statt Tempo 30 vor einer Kindereinrichtung und damit mehr als doppelt so schnell als erlaubt ertappte die Polizei einen Fahrer in Brandis. Auf der Torgauer Straße durch Wurzen lösten 72 Kilometer pro Stunde den Blitz aus – innerorts sind bekanntlich 50 Kilometer pro Stunde zulässig. Das Gros der Autofahrer aber habe sich regelkonform verhalten, konnte der Polizeibeamte Michael Schöbel an der Bundesstraße 107 bei Schmölen feststellen. Seine Kollegen bekamen Schützenhilfe vom Landkreis Leipzig. „Wir sind mit drei Messfahrzeugen und zehn Mitarbeitern an verschieden Standorten im Landkreis unterwegs“, bestätigte Behördensprecherin Brigitte Laux. Für die Kollegen sei das ein ganz normaler Einsatz. „Aber weil die meisten Autofahrer für diesen Blitz-Marathon sensibilisiert worden sind, haben wir erfahrungsgemäß an diesem Tag weniger Geschwindigkeitsüberschreitungen, was ja auch ein Erfolg ist“, fügte Laux an.

In der Lobby der Autofahrer sorgte der Blitzmarathon für geteiltes Echo. „Manchmal hat es den Eindruck, es geht nur um das Füllen klammer Kassen. Aber wenn vor Kitas und Schulen gestoppt wird, dann ist das okay“, sagte Beate Reinhardt in Wurzen. An diesen Standorten müssten die Ordnungshüter viel öfter Präsenz zeigen, so die Autofahrerin. Auch Alexander Barth, der mit einem sportlichen Mazda in Bennewitz unterwegs war, konnte der Aktion nicht viel abgewinnen. Oftmals habe er den Eindruck der Abzocke und verglich den Auftritt der Beamten mit Wegelagerei. „Mist, mich hat es in Leipzig auf dem Weg zur Arbeit erwischt – 63 statt 50“, gestand eine junge Golf-Fahrerin, die in Wurzen arbeitet und „zugegebenermaßen etwa spät dran war“, wie sie sagte. In Bennewitz erzählte Claudia Hecht auf dem Netto-Parkplatz, dass sie aus Grimma kommend in Schmölen der Gegenverkehr über den Messpunkt am Abzweig Zeititz gewarnt habe. „Das ist zwar nett gewesen, aber ich war im Limit.“

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) begrüßte den Blitzmarathon. Die europaweite Aktion soll an den gesunden Menschenverstand appellieren und zur Rücksichtnahme auffordern, sagte er.

Von Kathrin Haase und Frank Schmidt

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