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Bobbe: "Niemand hat Nepperwitz geopfert"

Bobbe: "Niemand hat Nepperwitz geopfert"

Zu Vorwürfen, der 120-Seelen-Ort Nepperwitz sei geopfert worden, um flussabwärts liegende Einrichtungen zu schützen, hat sich gestern Axel Bobbe, zuständiger Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV), geäußert.

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Der Moment, als sich die Mulde ihren Weg Richtung Nepperwitz bahnt - aufgenommen durch ein Fernglas.

Quelle: Privat

Bennewitz/Nepperwitz. Der Heimatverein "Wir für Nepperwitz" hatte den bösen Verdacht geäußert, der Bruch des Deiches bei Grubnitz sei billigend in Kauf genommen worden.

"Wer so etwas behauptet, verkennt die Tatsachen. Niemand hat Nepperwitz geopfert." Dass genau an der Bruchstelle Spundwände fehlen, sei dem Umstand geschuldet, dass der Deich hier einen günstigeren Verlauf bekommen und die 90-Grad-Kurve im Wall entschärft werden soll. "Deshalb haben wir bei der Notinstandsetzung vor einigen Jahren hier keine Spundwand gesetzt, da wir sie später wieder hätten ziehen müssen." Im Rahmen der Gefahrenabwehr habe der Altdeich zwischen Grubnitz und Groitzsch damals für sechs Millionen Euro Spundwände erhalten. "Ähnlich wie nördlich von Grubnitz haben wir ebenfalls den Bereich am Schusterbusch bei Püchau ausgespart, weil der behördliche Naturschutz hier die Schaffung von Überflutungsflächen favorisiert und das Planfeststellungsverfahren dazu noch läuft."

"Ob mit oder ohne Spundwand - beim jüngsten Hochwasser hätte der vorhandene Deich, egal wie er verstärkt gewesen wäre, vor der Mulde keinen Schutz geboten", stellt Bobbe fest. "Der Altdeich aus den 1930er Jahren hält nur ein 25-jährliches Hochwasser ab, wir hatten allerdings die Meldung, dass ein HQ 100 kommt und diese Prognose wurde sogar noch übertroffen. Da hilft auch das Stapeln von Sandsäcken relativ wenig."

Die Nepperwitzer beklagen, dass nicht einmal der Versuch unternommen wurde, die Wassermassen aufzuhalten und sich mit aller Kraft gegen eine erneute Überflutung ihrer Ortschaft aufzubäumen. Bobbe dazu: "Der Deich ist in voller Breite überspült worden, er war einfach nicht hoch genug. Das Wasser ist auch über vorhandene Spundwände marschiert."

Bobbe bestätigte erneut, dass erste Arbeiten für den seit Jahren geplanten neuen Deich in Kürze starten sollen. Die Zwölf-Millionen-Euro-Investition ist in zwei Abschnitte unterteilt: Der erste beginnt bei Grubnitz und führt bis zur Bennewitzer Gemarkungsgrenze. Der zweite reicht von Dögnitz bis Püchau.

Der neue Schutzwall soll rund fünf Kilometer lang werden und künftig die Bennewitzer Ortschaft Nepperwitz sowie die Macherner Ortsteile Dögnitz und Püchau vor einem Hochwasser schützen, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt. "Der Altdeich bleibt erhalten und gewährt wie bisher einen Schutz bis zu einem 25-jährlichen Hochwasser", erläutert Bobbe.

Für den ersten Bauabschnitt, so der LTV-Chef, gebe es an einigen Stellen nach heftigem Ringen mit den betroffenen Grundstückseigentümern und deren Anwalt aus München nun endlich Baurecht. "Der 24. Juni stand schon vor der Flut als vertraglich fixierter Baubeginn fest. Allerdings können wir nur einen Flickenteppich liefern. Bauen werden wir vorerst zwei Strecken, die jeweils 200 Meter lang sind und anderthalb Kilometer voreinander entfernt." Bobbe bedauert, nur Stückwerk abliefern zu können, erhofft sich davon aber auch ein Einsehen bei den letzten Deichverhinderern, auf die der öffentliche Druck erhöht werden soll. "Noch immer fehlen uns Unterschriften, obwohl der beteiligte Münchner Anwalt, der 80 Kläger vertritt, bereits vor mehren Wochen anderes signalisiert hat. Konkret geht es im ersten Bauabschnitt um reichlich zwei Kilometer, bei denen sich die Eigentümer noch immer querstellen und uns blockieren."

Landrat Gerhard Gey (CDU) bot sich gestern an, als Vermittler zu agieren. "Wir müssen die Eigentümer überzeugen, dass es zu dem neuen Deich entlang der Ortschaften keine Alternative gibt und sie sich jetzt nicht länger verweigern dürfen." Hohe Dämme direkt am Fluss, wie sie einige Betroffene fordern, seien seiner Ansicht nach keine Lösung. "Die Mulde muss zwischen Wurzen und Eilenburg aus ihrem Bett heraustreten können. Wir brauchen hier Überflutungsflächen." Nur so könne das Hochwasserschutzkonzept umgesetzt werden. Das Agieren des Anwalts, so Gerhard Gey, sei "unverantwortlich". Gemeinsam mit der Landestalsperrenverwaltung wolle man jetzt noch einmal auf die noch zögerlichen Eigentümer zugehen.

Der Landrat sagte gestern gegenüber dem Nepperwitzer Heimatverein zu, eine Bürgerfragestunde in der Region abzuhalten. "Das werden wir vorbereiten und dazu auch weitere Verantwortliche und Einwohner der Nachbargemeinden einladen", erklärte dessen Vorsitzender Knut Becker.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.06.2013

Simone Prenzel

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