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Böhlitz: CSU-Minister weiht erstes Multiples Haus in Sachsen ein

Gegen die Landflucht Böhlitz: CSU-Minister weiht erstes Multiples Haus in Sachsen ein

Im Beisein von CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt wird am Montag das erste Multiple Haus in Sachsen eingeweiht. In der Böhlitzer Ortsmitte sollen sich künftig mehrere Dienstleister, wie Arzt, Physiotherapeut oder Friseur, ein Gebäude teilen.

Im Eingangsbereich des Multiplen Hauses kann man auf einer Klönbank Platz nehmen.

Quelle: Simone Prenzel

Thallwitz/Böhlitz. Neue Rezepte gegen die Landflucht probiert die Gemeinde Thallwitz aus. Das Projekt eines Multifunktionshauses ist so spannend, dass es am Montag selbst CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in den äußersten Nordzipfel des Landkreises Leipzig verschlägt.

Der Grund ist schon jetzt als Farbtupfer in der Ortsmitte nicht zu übersehen. In dunklem Terracotta erstrahlt die alte Dorfschule in neuem Glanz. Als Multiples Haus erlebt sie am Montag eine Wiedergeburt. „Das Problem ist, viele Dienstleister kehren kleinen Orten den Rücken, Läden schließen, weite Wege zum nächsten Arzt oder Apotheker machen besonders unseren Senioren zu schaffen“, beschreibt der Thallwitzer Bürgermeister Thomas Pöge (parteilos) die Ausgangslage. Diesem Trend wollte die Kommune nicht länger tatenlos zusehen. Die Idee eines Multiplen Hauses – deutschlandweit bislang nur am Stettiner Haff umgesetzt - traf hier sofort auf offene Ohren.

Der Gedanke, der dahinter steht: Ein Haus soll verschiedene Funktionen erfüllen, um sterbende Dörfer wiederzubeleben und Abwanderung zu verhindern. „Am Montag kommt zum Beispiel der Arzt, am Dienstag berät ein Geldinstitut, am Mittwoch hilft der Physiotherapeut, am Donnerstag macht ein Friseur Station, am Freitag trifft sich die Skatrunde“, schildert Pöge einen möglichen Wochenablauf. Der Landkreis hat zur Erprobung dieses neuen Ansatzes ein Netzwerk Daseinsvorsorge aus der Taufe gehoben. Sachsenweit gilt der Landkreis als Modellregion, um Lebensqualität auch in kleinen Orten zu erhalten.

Die Idee der Multiplen Häuser brachte Jana-Reichenbach-Behnisch vom Ingenieurbüro rb Architekten aus Leipzig ein. Wichtig sei, so die Architektin, die Multiplen Häuser an zentraler Stelle zu installieren und möglichst in Objekten, mit denen sich die Einwohner identifizieren. Bestenfalls werde durch ein solches Vorhaben auch Bausubstanz vorm weiteren Verfall bewahrt.

„In Böhlitz hatten wir mit unserem ehemaligen Gemeindeamt genau so ein Objekt in der Dorfmitte stehen“, beschreibt Pöge die Situation in dem 725 Einwohner starken Thallwitzer Ortsteil. „Das Haus war in seiner Geschichte eigentlich schon alles - Jugendclub, Gemeindehaus, Domizil des Heimatvereins.“ Bei der Reaktivierung des Gebäudes knüpften die Akteure allerdings an die Ursprünge als alte Dorfschule an. „Mancher wird sich noch erinnern, dass er hier mal die Schulbank gedrückt hat“, meint Pöge.

Im Innern ist das Multiple Haus ein kleines Raumwunder. „Wir haben das Konzept für uns noch einmal angepasst, um das Optimum rauszuholen“, so der Ortschef. Im Foyer befindet sich eine Klönbank. Hier kann der neueste Dorfklatsch ausgetauscht werden. „Hellblau sind die Räume gestaltet, die über einen höheren hygienischen Standard verfügen und zum Beispiel von einem Arzt oder Masseur genutzt werden können“, erläutert Planer Hagen Weidemüller. Eine blaue Liege kommt je nach Bedarf zum Einsatz. Nach Gebrauch verschwindet sie wieder in einem speziell entwickelten Schranksystem.

Auf einer Wellenlänge liegt Thallwitz bei seiner Initiative mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. „Menschen in ländlichen Regionen dürfen nicht das Gefühl haben, abgehängt zu sein. Denn: Zur Lebensqualität auf dem Land gehören die medizinische Versorgung, Basis-Dienstleistungen wie Post und Banken sowie Einkaufsmöglichen“, erklärte Schmidt im Vorfeld seines Böhlitz-Besuches. Mehrfunktionshäuser würden genau diese Aufgabe gerade für nicht so mobile Menschen erfüllen. „Die Erfahrungen aus diesem innovativen Konzept werden wir nutzen, um in Sachsen und der ganzen Republik das Leben auf dem Land attraktiv zu halten.“ Schmidts Haus gab dafür 100 000 Euro Bundeszuschuss. Aus der Leader-Förderung flossen weitere 78 000 Euro.

Mit dem Röcknitzer Diplommediziner Gerhard Lau hat sich bereits ein Arzt gefunden, der das Multiple Haus nutzen wird. „Geplant ist, dass eine fahrende Krankenschwester das Puls- und Blutdruckmessen übernimmt“, so der Landarzt. Auch der Landkreis hat sich für eine Sprechstunde des Sozialamtes bereits einen Termin im Online-Kalender der „Alten Dorfschule m.H.“ gesichert.

 

Von Simone Prenzel

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