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Wurzen Borsdorf: Eltern gehen auf die Barrikaden
Region Wurzen Borsdorf: Eltern gehen auf die Barrikaden
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05:00 05.11.2010

. Und ihr Protest zeigte Wirkung.

Bürgermeister Ludwig Martin (CDU), der offenbar nicht mit einem derart heftigen Gegenwind gerechnet hatte, machte auf der jüngsten Gemeinderatssitzung einen Rückzieher. Während der ursprüngliche Beschlussantrag noch vorsah, die Trägerschaft für die beiden Panitzscher Einrichtungen öffentlich auszuschreiben, war davon plötzlich keine Rede mehr. Nunmehr sollen allgemein Einsparpotenziale beim Betrieb von Hort und Kita untersucht werden. Eltern und betroffene Erzieher, die den Rathaussaal füllten, quittierten die Entscheidung mit Applaus.

Die Rathausspitze musste sich zuvor schwere Vorwürfe anhören. „Warum muss als erstes bei den Kindern gespart werden", fragte eine aufgebrachte Mutter. Im Namen der Elternvertreter von Kindertagesstätte und Hort ergriff Matthias Fehr das Wort. Die durch eine Privatisierung erhofften Einsparungen seien völlig ungewiss, kritisierte der Panitzscher, die geplante öffentliche Ausschreibung ein „Schnellschuss". Gerade im sensiblen Bereich der Kinderbetreuung dürfe nicht derart kritiklos agiert werden. Die Kommune hätte die Eltern bei einer Entscheidung dieser Tragweite viel eher einbeziehen müssen, so Fehr. Die Betroffenen fürchten steigende Gebühren, vor allem bangen sie um die Qualität der Betreuung. Mögliche Wechsel der vertrauten Erzieher seien ebenso zu befürchten wie eine weitere Verschiebung des Bildungsmonopols zu Gunsten privater Träger. „Unseren kommunalen Einrichtungen droht der gute Rufe verloren zu gehen", appellierte Matthias Fehr an die Gemeinderäte, sich der Verantwortung für den Bildungsstandort Borsdorf zu stellen.

Harsche Kritik an den Sparplänen übte auch Gemeinderat Arne Rodloff (CDU): „Ich bin nicht bereit, die Kassenlage der Gemeinde auf dem Rücken der Mitarbeiter zu bereinigen." Angesichts ursprünglich ebenfalls geplanter Privatisierungen von Bauhof und Reinigungspool wandte sich Rodloff gegen Lohndumping. „Schandtaten auszulagern kann nicht der Weg sein." Ilko Martin (FWG 94 Borsdorf/Zweenfurth) hielt den Vergleich von öffentlichen und privaten Strukturen hingegen für angemessen. „Eine Entscheidung, ob wir privatisieren, wäre damit ja noch nicht gefallen."

Elternvertreter Matthias Fehr zeigte sich gestern jedenfalls erleichtert, dass die Unterschriftensammlung Erfolg hatte. „Die Kuh ist allerdings noch nicht vom Eis. Wir werden weiter aufmerksam verfolgen, wo die Gemeinde nun sparen will."

Wie vertrackt die Lage in Borsdorf ist, zeigt ein Umstand mehr als deutlich: Selbst die Aufgabe der kommunalen Eigenständigkeit scheint kein Tabuthema mehr. Rathauschef Martin ließ sich vom Gemeinderat zu Gesprächen mit den Nachbarkommunen Machern und Brandis ermächtigen. „Wir haben heute viele Beschlüsse gefasst, die nicht das erhoffte Einsparpotenzial bringen. Um so wichtiger ist es, die Frage einer Gemeindevereinigung zu diskutieren." Theoretisch denkbar sei sowohl ein Zusammengehen mit Machern bzw. Brandis sowie eine Fusion von Brandis, Borsdorf und Machern. Bisher fühle er sich nicht berechtigt, solche Art von Verhandlungen zu führen, erklärte der Rathauschef. Er wolle auch keine Richtung vorgeben. „Es geht ganz einfach darum, eine Datengrundlage zu schaffen, über die man reden kann." Arne Rodloff sträubte sich gegen die Vorstellung einer Vereinigung. „Nicht mit mir", so sein Kommentar. Weniger Berührungsängste hatte Andreas Mierisch (FWG 94) mit dem Thema: „Bald werden wir vielleicht nicht mehr gefragt, ob wir mit Brandis oder Machern wollen, dann wird über uns entschieden." Was keinesfalls passieren dürfe, so Mierisch, „dass der Moloch Leipzig uns plattmacht. Erfahrungen, wie sie die Hirschfelder und Althener machen, möchte ich uns gern ersparen." Gleichwohl wolle er nicht den Anschein erwecken, dass man einer Fusion entgegenfiebere. „Aber reden müssen wir über das Thema." Eine deutliche Mehrheit des Rates sah dies genauso.

 

Simone Prenzel

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