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Borsdorf: Stillstand am Gleis

Borsdorf: Stillstand am Gleis

Wie geht es weiter mit dem Borsdorfer Bahnhof? Eine Frage, die in der Gemeinde immer wieder gestellt wird.Seit Ende 2008 ist der repräsentative Klinkerbau Eigentum der Kommune.

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Repräsentativer Klinkerbau ohne Innenleben: Der Kommune fehlte bislang das Geld für die Innensanierung.

Quelle: Andreas Röse

Borsdorf. e. 100 000 Euro ließ man sich den Erwerb kosten. Borsdorf ist damit eine der wenigen Gemeinden in Sachsen, die Verantwortung für ihren Bahnhof übernommen haben. Doch außer einer Fassadensanierung und dem öffentlichkeitswirksamen Anbringen einer Uhr tat sich bisher nicht viel am Aushängeschild. Ein Konzept sah zunächst vor, das Gebäude öffentlich und privat zu nutzen. Die Rede war von der Eröffnung einer Gaststätte. Außerdem sollten das Standesamt sowie Räume für Bibliothek und Seniorentreff einziehen. Auch die Post zeigte zwischenzeitlich Interesse. Doch bis auf die anfänglichen Bautätigkeiten dümpelt das Gebäude nun vor sich hin. „Die Kommune hatte bislang kein Geld, die nötige Sanierung im Innern fortzusetzen", bekennt Bürgermeister Ludwig Martin (CDU). Eine Idee, die Karsten Fuhrig, Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins, ins Spiel brachte, ist die Sanierung über eine Genossenschaft. Als Beispiel führt der Panitzscher den Bürgerbahnhof Leutkirch im Allgäu an. „Dort setzen sich engagierte Einwohner und Unternehmer für den Erhalt ihres Bahnhofs ein. Ein ähnliches Modell könnte doch auch bei uns in Borsdorf funktionieren." Die Ausgangssituation ist jedenfalls vergleichbar: Auch in Leutkirch stand die lokale Öffentlichkeit vor dem Problem, ein historisch wertvolles und architektonisch interessantes Gebäude im Ort erhalten zu wollen, der Kommune fehlte aber das Geld. So wurde die Idee geboren, dass Bürger die Sanierung selbst in die Hand nehmen. Für jeweils tausend Euro ein Stück vom alten Bahnhof, so wurde für das Vorhaben geworben. Und bereits am Gründungstag der Genossenschaft zeigte sich, dass die 20 000-Einwohner-Stadt hinter ihrem Bahnhof steht. Allein an einem Abend wurden Anteile für 325 000 Euro gezeichnet. Und inzwischen ist das Ziel geschafft: Über eine Million Euro kam für die Sanierung zusammen. Für Interessenten werden sogar Wartelisten geführt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann lobte das Bürgerengagement in höchsten Tönen. Das einst marode Gebäude beherbergt heute Hausbrauerei, Gasthof und Gewerberäume. „Meine Idee wurde mal im Ausschuss diskutiert", berichtet Karsten Fuhrig. Bürgermeister Martin zeigt sich hingegen reserviert. Die Konzeption des Bürgerbahnhofs sei für seine Begriffe nicht so einfach zu übertragen. „Denn erstmal muss doch geklärt sein, was im Bahnhof entstehen soll." Ein Projektentwickler, der den Auftrag hatte, ein Konzept für das Haus am Gleis zu stricken, sei bislang allerdings auch nicht erfolgreich gewesen, musste Martin einräumen. Hoffnungen, steuerliche Aspekte des Denkmalschutz-Objektes könnten für Interessenten eine Rolle spielen, zerschlugen sich ebenfalls. „Der jetzige Zustand", bekennt der Ortschef, „tut uns auf jeden Fall weh. Wir können derzeit aber nicht mehr als hinschauen, reparieren, beleuchten." Und hoffen, dass die zentrale Lage den einen oder anderen Vandalen abhält. Für einen Fehler hält der Ortschef den Kauf des Bahnhofs durch die Kommune auf keinen Fall. „Wir haben ihn vor Heuschrecken bewahrt und äußerlich in Ordnung gebracht." Eine sinnvolle Nutzung zu finden, brauche eben Zeit. In Naunhof habe es zehn Jahre gedauert, den Bahnhof, in dem jetzt unter anderem der Kreissportbund sein Domizil hat, wieder mit Leben zu erfüllen. Aktuell sei man mit örtlichen Interessenten im Gespräch. Im Doppelhaushalt, der derzeit für die Jahre 2012/2013 erstellt wird, sollen 350 000 Euro für den Bahnhof drin sein, verrät Martin. „Wir müssen jetzt einfach ein Zeichen setzen", ist dem Ortschef nach vier Jahren Stillstand am Gleis klar.

Simone Prenzel

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