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Borsdorfer Bürgermeister will Bahnhof endlich anpacken

Interview Borsdorfer Bürgermeister will Bahnhof endlich anpacken

Über die wichtigsten Vorhaben im Jahr 2016 gibt der Borsdorfer Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) im LVZ-Interview Auskunft. Neben der Realisierung der neuen Zweifeldsporthalle an der Güterladestraße gilt der Sanierung des Bahnhofs das Hauptaugenmerk des Ortschefs.

Borsdorf. Opposition und Rathauschef haben sich im Vorjahr nicht immer mit Glacehandschuhen angefasst. Dennoch konnte einiges für die Kommune bewegt werden. Im LVZ-Interview zieht Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) Bilanz und gibt einen Ausblick.

Wie fällt Ihre Bilanz für 2015 aus? Welche wichtigen Dinge konnten umgesetzt werden?

Ich bin zufrieden mit der Bilanz des Jahres 2015. Ein besonderer Höhepunkt war die Übergabe des Förderbescheides über 1,5 Millionen Euro für die Errichtung der Zweifeldsporthalle durch den sächsischen Innenminister.

Mit der Erweiterung des Freien Gymnasiums wurde ebenfalls ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Welche weiteren Aufgaben stehen bei der Profilierung von Borsdorf als Bildungsstandort an?

Wir wollen die Vernetzung der Bildungsangebote von den Kindertagesstätten über die Grundschule zum Freien Gymnasium, aber auch den Oberschulen in den Nachbargemeinden weiterentwickeln. Inzwischen gibt es auch eine Stiftung, die Dr. Hübner-Stiftung, welche die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern möchte. Die Stiftung erweitert damit die Angebote des Bildungs-Atlasses im Gemeindegebiet.

Mit dem Bau der neuen Mehrzweckhalle rückt auch der Umbau der jetzigen Schulturnhalle zur Bibliothek in den Fokus. Gibt es weiterhin die Absicht, hier eine gemeinsame Gemeinde- und Schulbibliothek zu eröffnen?

Selbstverständlich halten die Gemeinde und die Volkssolidarität als Träger des Gymnasiums an dieser Idee fest. Inhaltliche Abstimmungen für den Ausbau sind in diesem Jahr geplant. Von der Realisierung ist aber erst 2017 auszugehen.

Welche Investitionen kann sich Borsdorf neben der neuen Sportstätte in diesem Jahr noch leisten?

Wir werden versuchen, notwendige Straßenbaumaßnahmen vorzubereiten. Ich denke hier beispielhaft an die Tauchaer und die Grimmaer Straße.

Seit Jahren versprochen wird eine Belebung des Bahnhofs. Warum konnte das Vorhaben bisher nicht umgesetzt werden?

In diesem Jahr wird die Sanierung begonnen und auch der erste Mieter einziehen. Vorgesehen sind die Erschließungsarbeiten für Wasser, Abwasser, Elektro und Gas, die Mauerwerkstrockenlegung, der Einbau der Heizzentrale und der innere Ausbau für den ersten Mietbereich. 500 000 Euro wird die Gemeinde dafür investieren. Dabei handelt es sich um Eigenmittel, aber auch Zuschüsse aus der Ortskernsanierung. Eine frühere Realisierung scheiterte unter anderem am fehlenden Geld für die aufwendige Sanierung des Empfangsgebäudes.

Mit der Eröffnung der Mehrzweckhalle wird die Güterladestraße als Zufahrt an Bedeutung gewinnen. Können die Borsdorfer hoffen, dass die Huckelpiste eines Tages verschwindet? Und wie realistisch ist das Vorhaben, entlang der Ladestraße eine Park-and-Ride-Anlage zu schaffen?

Der spätere Ausbau des Ladestraße ist vorgesehen. Einen Termin dafür kann ich derzeit nicht benennen. In diesem Zusammenhang wird auch der Bau von Park-and-Ride-Plätzen erfolgen.

Neben der Verbesserung im Kita- und Krippenbereich ist auch Wohnen im Alter eine Aufgabe, der sich Borsdorf stellen will. Zuletzt hatten Sie darüber informiert, dass es für die Bahnhofstraße 8 die Anfrage eines Projektträgers zum Bau eines Altenpflegeheimes gibt. Hat sich daraus etwas entwickelt?

Es gibt nach wie vor Interesse von mehreren Projektentwicklern für das Grundstück. Ein Interessent hat auch schon Kontakt zur Diakonie aufgenommen. Aber etwas Konkretes gibt es nicht zu vermelden. Wir würden als Kommune aber keinem Projektträger Steine in den Weg legen.

Widersprüchliche Meldungen gab es zuletzt zur B 87n. Während mancher mit der Einstellung des Raumordnungsverfahrens das Thema voreilig als erledigt betrachtete, wies der Regionale Planungsverband Westsachsen erst dieser Tage auf Handlungsbedarf hin, was die Anbindung der Region Torgau betrifft. Kann sich Borsdorf bei dem Thema schon zurücklehnen?

Natürlich können wir uns nicht zurücklehnen. Wir werden wachsam bleiben müssen, dass nicht wieder Planungen dieses Baues durch die Parthenaue ins Auge gefasst werden.

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Zweckverband Parthenaue vorm OVG Bautzen einen wichtigen Sieg errungen. Demnach können Kosten für den Unterhalt von Gewässern zweiter Ordnung nunmehr im Verbandsgebiet auf Nutzer und Anlieger umgelegt werden. Was bedeutet die Entscheidung für Borsdorf?

In Borsdorf werden dadurch zur Pflege der Gewässer zweiter Ordnung mehr Mittel zur Verfügung stehen. Dies wird sowohl den Gewässeranliegern als auch dem Hochwasserschutz zu Gute kommen.

Meinungsverschiedenheiten gab es zuletzt verstärkt im Gemeinderat. Für Borsdorfer Verhältnisse ging es ungewohnt ruppig zu. Worin sehen Sie dafür die Ursachen?

Es gibt offensichtlich zu verschiedenen Themen unterschiedliche Rechtsauffassungen. Einige Gemeinderäte meinten, dies auch durch Einschaltung der Rechtsaufsichtsbehörde klären lassen zu müssen.

Noch eine abschließende Frage zu Ihrer persönlichen Zukunft: Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass Sie sich eine vorzeitige Beendigung Ihrer Amtszeit durchaus vorstellen können. Hand aufs Herz, werden wir Sie 2020 - dann würde Ihre dritte Legislatur regulär enden - noch auf dem Chefsessel im Borsdorfer Rathaus sehen?

Meine Amtszeit endet im Jahr 2020. Ich beteilige mich nicht am Konzert der Spatzen.

Von Simone Prenzel

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