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Borsdorfer Kirche: Vom Tanzsaal zur Kapelle

50. Jubiläum Borsdorfer Kirche: Vom Tanzsaal zur Kapelle

Einen mühsamen Weg hat die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde in Borsdorf bis zu ihrem eigenen Gotteshaus nehmen müssen. Am kommenden Sonntag jährt sich die Kirchenweihe zum 50. Mal. Pfarrer Thomas Enge erzählt wie es überhaupt zum eher ungewöhnlichen Kirchenneubau kam.

Dichtes Gedränge vor dem neuen Borsdorfer Gotteshaus zur Einweihungsfeier am 26. Februar 1967.

Quelle: Archiv/Pfarramt

Borsdorf. Das Gotteshaus an der Schulstraße hat eine eher ungewöhnliche Entstehungsgeschichte genommen: Während im Sozialismus überall in der Deutschen Demokratischen Republik Kirchen gesprengt worden seien, habe man in Borsdorf neu gebaut. „Und das, was man in der DDR hatte, war Beton“, erklärt Pfarrer Thomas Enge die recht schlichte Bauweise der Borsdorfer Kirche. „Da stellte man sich die Frage, was kann man damit auch künstlerisch machen?“ Doch bevor es dazu kam und die Kirche vor 50 Jahren durch Landesbischof Gottfried Noth eingeweiht werden konnte, musste der frühere Tanzsaal erst einmal zum heutigen Kirchenhaus umgebaut werden. Die Feierlichkeiten zu diesem außergewöhnlichen Ereignis finden am kommenden Sonntag statt, dann jährt sich die Kirchenweihe zum 50. Mal. Schon 1967 fand der Festgottesdienst an einem Sonntag um 10 Uhr statt.

Der heutige Pfarrer Thomas Enge stammt aus Bad Düben, verließ den Kurort 1979, war, nach seinem Studium an der kirchlichen Hochschule in Naumburg, Pfarrer nahe Kamenz in der Lausitz und kam vor einem Jahr nach Borsdorf. „Ich bin im Grunde Neuborsdorfer“, sagt der 56-jährige dreifache Familienvater, „aber ich habe in der kurzen Zeit schon sehr viel über den Ort und die Kirche erfahren.“

Die Entwicklung Borsdorfs hänge eng mit der Industrialisierung und der Eisenbahn zusammen – so auch die Kirche. „Alles begann mit einem Friedhof“, beginnt Pfarrer Enge die ungewöhnliche Kirchengeschichte. Vor der Reformation habe die Gemeinde kirchlich noch zu Panitzsch gehört und alle Borsdorfer seien auf dem Zweenfurther Friedhof begraben worden. Als Borsdorf im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Region wuchs und in Zweenfurth allmählich der Platz ausging, schufen sich die Borsdorfer ihren eigenen Friedhof an der Leipziger Straße.

Erst 1906 sei Borsdorf eine selbstständige Kirchgemeinde und ab 1907 eine selbstständige Pfarrei geworden. Zu dieser Zeit habe man den Saal in der Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Schule gemietet, erklärt der Geistliche. „Das ging bis 1942. Dann wollten die Nationalsozialisten keinen anderen Einfluss mehr in der Schule als ihren eigenen.“ Nach 1945 habe die Kirche dann noch eine Zeit lang Räume im Schulgebäude genutzt, dieses 1952 dann aber endgültig verlassen. Bereits 1925 kaufte die Kirchgemeinde ein altes Gasthaus an der Schulstraße 17, berichtet Enge. Dort habe seither der Pfarrer mit seiner Familie gelebt. „Zu dem in Konkurs gegangenen Gasthaus gehörte auch ein ehemaliger Tanzsaal, der dann für die Gottesdienste genutzt wurde.“ Daher gebe es in Borsdorf auch den Begriff „Betsaal“, weiß Enge.

Als 1961 Professor Gottfried Schille, der gleichzeitig Dozent an der kirchlichen Hochschule in Leipzig war, das Pfarramt in Borsdorf annahm, habe er angefangen den Saal für kirchliche Zwecke umzubauen. „Es muss auch wirklich Umbau heißen“, macht Pfarrer Enge aufmerksam, „weil ein Kirchenneubau unter der sozialistischen Regierung schlicht nicht möglich war.“ Letztlich blieb aber kein Stein auf dem anderen. „Lediglich die Maße der Grundmauern stimmen. Es durfte auch auf keinen Fall Kirchturm heißen, sondern musste Glockenträger genannt werden“, ergänzt der Pfarrer schmunzelnd. „Soweit wir wissen, ist im Raum der DDR keine andere Kirche gebaut worden. Es sind eher Gebäude gesprengt worden. Die Paulinerkirche in Leipzig ist da wohl das bekannteste Beispiel. So gesehen ist der Bau der Borsdorfer Kirche ein Phänomen.“ Dank der Unterstützung des Aufbaulagers der Goßner Mission mit Jugendlichen Helfern aus Ungarn, Deutschland, dem heutigen Tschechien und Polen sowie des Gustav-Adolf-Werkes sei innerhalb kürzester Zeit aus dem für die gottesdienstlichen Zwecke unpraktischen Tanzsaal eine kleine Kirche geworden. „Sie atmet den Charme der 60er-Jahre“, sagt Enge. Die charakteristischen Farbfenster aus Buntglas habe der DDR-Künstler Werner Juza entworfen. Dessen bekanntestes Werk wohl das große Wandbild im Festsaal der Dresdner Dreikönigskirche sei.

Da sich die Kircheneinweihung am 26. Februar auf den Tag genau zum 50. Mal jährt, „ist es sinnvoll mit einem Festgottesdienst daran zu gedenken“, kündigt Enge an. „Der Superintendent Matthias Weismann des Leipziger Landes und der Bornaer Kantor Wolfgang Roemer werden die Predigt halten. Danach laden wir zum Kirchenkaffee und gemeinschaftlichem Zusammensein ein.“

Am 1. Juli soll es noch einmal eine größere Feier geben. Dann jährt sich die Einrichtung der Borsdorfer Pfarrstelle zum 110. Mal.

Von Mathias Schönknecht

Borsdorf, Schulstraße 17 51.3434698 12.5402639
Borsdorf, Schulstraße 17
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