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Borsdorfer Wohnungen vor erneutem Verkauf

Borsdorfer Wohnungen vor erneutem Verkauf

Borsdorf. Vorgänge im fernen München werden auch für Mieter in Borsdorf möglicherweise Konsequenzen haben. Zeitungsberichten zufolge muss die bayerische Landesbank auf Druck der EU-Kommission in Brüssel ihre Immobilientochter DKB Immobilien AG verkaufen.

. Auch die DKB Wohnungsgesellschaft Sachsen, die vor drei Jahren den kommunalen Wohnungsbestand der Gemeinde Borsdorf erwarb, gehört zu dieser Aktiengesellschaft.

Dass die Bayern LB ihre Immobilientochter abstößt, hängt laut Finanzexperten mit Forderungen der EU zusammen. Brüssel verlange ein Gesundschrumpfen der angeschlagenen Landesbank und die Konzentration aufs Kerngeschäft. Die DKB Immobilien AG bewirtschaftet eigenen Angaben zufolge in Ostdeutschland rund 25 000 Wohnungen. In Sachsen ist die DKB in 16 Kommunen mit rund 4100 Wohnungen vertreten. In Borsdorf gehören nach dem vor drei Jahren erfolgten Verkauf 280 Wohnungen zum DKB-Portfolio. Einen größeren kommunalen Bestand erwarb das Immobilienunternehmen vor wenigen Jahren auch in Döbeln.

Als der Verkauf des Immobilienpakets der Borsdorfer Wohnungsgesellschaft (BWG) im Jahr 2008 eingefädelt wurde, knüpfte die Gemeinde daran große Hoffnungen. Die DKB galt als Glücksgriff, da es sich nach Einschätzung der Gemeindeväter nicht um eine so genannte Heuschrecke handelte, die nur mit den Wohnungen spekulieren wolle. Mit Krediten und Altschulden belastet, hing das Wohnungsunternehmen der Kommune in der Vergangenheit wie ein Mühlstein am Hals. Wichtigstes Ziel der Gemeinde war es deshalb, die bestehenden Verbindlichkeiten der BWG sowie Gesellschafterdarlehen durch den Verkaufspreis abzulösen. Zum 1. Januar 2009 wechselte schließlich der komplette Immobilienbestand der BWG den Besitzer. Der Kaufpreis betrug 8,5 Millionen Euro. Der Gemeinderat votierte im September 2008 einstimmig für den Verkauf an die DKB Sachsen. Um die Interessen der Mieter zu schützen, wurde eine Sozialcharta verabschiedet. Diese sah unter anderem eine Absage an Luxussanierungen und ein lebenslanges Wohnrecht für Mieter über 65 vor. Um unternehmerische Handlungsspielräume des neuen Besitzers nicht einzuschränken, wurde allerdings auf ein Veräußerungsverbot verzichtet.

Kurz nach dem Eigentümerwechsel hatte DKB-Sachsen-Geschäftsführer Christian Rokosch im LVZ-Interview erklärt, man sei von Turbulenzen der Finanzkrise nicht unmittelbar betroffen. Der Schwerpunkt der DKB liege auf einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Wohnungsbestandes, so Rokosch damals.

Für LVZ-Nachfragen zum aktuellen Sachstand und der Perspektive für die Borsdorfer Mieter war die Geschäftsführung der DKB Sachsen nicht zu sprechen. Frauke Plaß, Sprecherin der DKB Bank in Berlin, konnte ebenfalls nicht viel Licht ins Dunkel bringen: „Derzeit laufen Bemühungen, die DKB Immobilien AG zu verkaufen", bestätigte die Sprecherin. Es gehe darum, die gesamte Aktiengesellschaft zu veräußern, nicht einzelne Wohnungsbestände, so Plaß gegenüber LVZ. Die Entscheidung werde im Rahmen eines Bieterverfahrens herbeigeführt, das bereits seit November vorigen Jahres laufe. Laut DKB Bank werde es noch mindestens drei Wochen dauern, bis der neue Käufer gefunden ist. Während der Deutsche Mieterbund im Zusammenhang mit dem Verkauf der DKB Immobilien AG bereits vor steigenden Mieten und dem Verlust bezahlbaren Wohnraums warnt, sieht die Sprecherin der DKB Bank noch keinen Grund zur Besorgnis: „Kauf bricht nicht Miete", so Frauke Plaß. Zu weiteren Details, etwa der sozialen Absicherung für die Mieter, könne sie derzeit keine Aussagen treffen. Der Deutsche Mieterbund rät derweil, die Wohnungen nicht an renditeorientierte Investoren zu verscherbeln, sondern in öffentliche Hände zu geben.

Simone Prenzel

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