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Borsdorferin gehört zu den "Eisenbahnern mit Herz"

Borsdorferin gehört zu den "Eisenbahnern mit Herz"

Zu den hundert Mitarbeitern, die beim Wettbewerb der Allianz pro Schiene unter dem Motto "Eisenbahner mit Herz" nominiert sind, gehört in diesem Jahr auch eine Borsdorferin: Meike Heinrich.

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Sie ist für viele noch immer die gute Seele vom Borsdorfer Bahnhof: Meike Heinrich. Die 57-Jährige hofft, bald wieder in der einstigen Fahrkartenausgabe Kunden zu bedienen.

Quelle: Andreas Röse

Borsdorf. Die 57-Jährige betreibt den Fahrkartenverkauf am Borsdorfer Bahnhof. "Es freut mich sehr, dass meine Arbeit auf diese Weise gewürdigt wird", erzählt die ehemalige Mitarbeiterin der Deutschen Bahn, die geschäftlich längst auf eigenen Füßen steht.

Unpünktliche Züge, verpasste Anschlüsse, schlechter Service - oft sind es Negativschlagzeilen, die die Bahn begleiten. Dass viele engagierte Leute zu kurz kommen, die sich täglich um ein reibungsloses Fortkommen der Fahrgäste bemühen, wurmte den Branchenverband schon lange. Vor zwei Jahren rief die Allianz pro Schiene deshalb den Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" ins Leben.

Ein solcher ist nach Meinung der Jury auch Meike Heinrich. Seit der Borsdorfer Bahnhof seine Pforten schloss, verkauft die gebürtige Beuchaerin Tickets in einem kleinen Flachbau nur einen Steinwurf vom Bahnsteig entfernt. "Das Wohl der Kunden ist mir wichtig", erzählt sie. Das sieht offenbar auch Petra Lau so. "Ich schätze die Beratung von Meike Heinrich sehr", lobt die Vielfahrerin aus Borsdorf das Engagement der Frau hinterm Tresen und hat sie deshalb auch für die Eisenbahner-Ehrung vorgeschlagen. Wenn die Kommune den Bahnhof wiederbelebt, hofft Petra Lau, dass Meike Heinrich weiter hinterm Schalter sitzt. "Leute wie sie leisten eine stille, unschätzbar wertvolle Arbeit für das Image der Bahn", so die Borsdorfer Gemeinderätin

Meike Heinrich hat ihren Job von der Pike auf gelernt. Von 1972 bis 1974 absolvierte sie eine Lehre als Betriebs- und Verkehrseisenbahner. Mit 19 fing sie auf dem Borsdorfer Bahnhof an. "Meine Noten waren so gut, dass mein Chef meinte, ich könne auch gleich als Aufsichtspersonal arbeiten." Jahrzehntelang kannten sie die Borsdorfer vor allem in dieser Funktion - als Rotmütze. Sie hob tausendfach die Kelle, gab Zügen freie Fahrt, sorgte für Ordnung an der Bahnsteigkante. "Wir waren damals Allrounder, haben alles gemacht und wussten, wovon wir reden." So schob die Borsdorferin nicht nur den Aufsichtsjob am Gleis, sondern saß auch in der Fahrkartenausgabe oder half, wenn es klemmte, in der Güterabfertigung aus. Auch ihren Mann lernte Meike Heinrich bei der Bahn kennen. "Unser ganzes Familienleben hat sich auf dem Bahnhof abgespielt. Sohn und Tochter sind hier großgeworden."

1995 trennten sich die Wege des Verkehrsriesen und seiner Mitarbeiterin. "Es lief einiges nicht nach meinen Vorstellungen." Kurzerhand zog Heinrich die Konsequenzen und ist seitdem ihr eigener Chef. "Am 6. November 1995", erinnert sich die umtriebige Verkäuferin noch genau, "habe ich meine Quelle-Agentur unmittelbar am Gleis eröffnet."

Heinrichs Ausstieg überstand der Borsdorfer Bahnhof nur noch wenige Monate. Im Februar 1996 machte die Fahrkartenausgabe endgültig dicht und auch in der beliebten Bahnhofskneipe ging irgendwann das Licht aus. Für Meike Heinrich lag es auf der Hand, sich den Ticketverkauf wieder an Land zu ziehen, sie wurde Vertriebspartner der Bahn. So können die Borsdorfer bei ihr auch weiterhin Fahrkarten lösen für Ziele in nah und fern. "Inzwischen bin ich auch Postagentur, seitdem rentiert sich der Laden einigermaßen." Nur die wenigsten wissen, was Meike Heinrich für ihre Kunden auf sich nimmt. Sie geht auch sonntags in den Laden, wenn Tickets dann günstiger zu buchen sind. Und auch ausgefallene Wünsche schrecken die Fahrplan-Kennerin nicht. "Kürzlich stand eine Japanerin im Geschäft, sie wollte einen Tag später mit zwölf Leuten mit dem Nachtzug nach Paris und im Schlafwagen zurück." Selbst solche Gleis-Abenteuer macht die Borsdorferin möglich.

Die größte Herausforderung aber liegt noch vor ihr. Meike Heinrich fiebert dem Tag entgegen, an dem sie endlich wieder in ihren geliebten Bahnhof ziehen kann. Und wie es aussieht, ist das nicht mehr lange hin. Mit der Gemeinde, die den Klinkerbau kaufte, sei alles schon geklärt. Heinrichs Agentur wird zu den gewerblichen Mietern gehören, die das historische Empfangsgebäude bald wieder mit Leben erfüllen. "Mein Domizil im Erdgeschoss - die frühere Fahrkartenausgabe - habe ich in Gedanken schon eingerichtet", verrät sie. Ein kleines Guckfenster wie früher wird es allerdings nicht mehr geben. "Das ist zu unpersönlich", legt die Geschäftsfrau Wert auf den direkten Kundenkontakt.

Noch immer wurmt es sie übrigens, wenn Menschen schlecht über die Bahn reden. "Es stört mich, wenn die Leute schimpfen." Bei Zugausfällen oder mies gelaunten Kunden leide sie immer noch mit. Ihre Erklärung: "Einmal Eisenbahner, immer Eisenbahner." Simone Prenzel

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2013

Simone Prenzel

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