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Wurzen Brandis 2030: Stadt stößt Leitbild-Diskussion an
Region Wurzen Brandis 2030: Stadt stößt Leitbild-Diskussion an
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00:18 05.02.2016
Familienfreundlichkeit ist ein Vorzug, mit dem Brandis schon jetzt punkten kann. Quelle: Roger Dietze (Archiv)
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Brandis

Brandis steht eine ehrliche Inventur ins Haus: Wo liegen unsere Stärken und Schwächen, welche strategischen Ziele sind uns wichtig? Fragen, denen sich die Kommune im Rahmen einer Leitbild-Diskussion stellen möchte. „Um allen Herausforderungen zu begegnen, müssen langfristige und strategische Ziele stärker in den Mittelpunkt der Kommunalpolitik rücken“, erklärt Bürgermeister Arno Jesse (SPD). Dazu sei ein Leitbild erforderlich, eine Vision: „Wie soll Brandis 2030 aussehen?“

Investitions- oder Standortentscheidungen sollen in Zukunft keine Zufallstreffer mehr sein. „Bei knapper werdenden Mitteln wird es um so wichtiger, eine Richtschnur zu haben, anhand derer wir die Notwendigkeit von Vorhaben abschätzen können“, macht Jesse deutlich. Die Früherkennung von Entwicklungspotenzialen werde damit zu einem wichtigen Erfolgsfaktor für die 10 000-Einwohner-Stadt.

Mit Hardo Kendschek, Fachmann für Stadtentwicklung, hat sich die Verwaltung einen externen Experten für die Debatte ins Boot geholt. „Brandis hat im Windschatten von Leipzig gewaltige Chancen“, führte Kendschek vor Brandiser Stadträten aus. Über hundert Städte hat der Chef der Komet-Empirica GmbH aus Leipzig inzwischen beraten. Innenstädte aus ihrer Lethargie zu reißen, neue Ansätze zu probieren, Trends zu folgen hat mit dem Berater nicht erst einmal geklappt.

Für Brandis sei die Nähe zur Schwarmstadt Leipzig eine große Chance, ist Kendschek überzeugt. Dabei müsse sich die Kommune aber auch klar werden: Was kennzeichnet die Stadt? Womit können wir besonders punkten? Gibt es eine einheitliche Leitidee, um Brandis für Bürger, Investoren, Touristen oder Rückkehrer interessant zu machen?

Auf diese und weitere Zukunftsfragen soll eine neue Leitidee Antwort geben. Dabei müsse auf Herausforderungen wie den demografischen Wandel, den Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung, aber auch die Digitalisierung und sich veränderte Wertvorstellungen und Lebensstile reagiert werden, so der Stadtentwickler. Das Leitbild „Brandis 2030“ soll sich dabei auf vorhandene regionale und kommunale Konzepte stützen, bestenfalls auf ihnen aufbauen.

Der Weg dahin soll ein möglichst kommunikativer werden. „Wie holen wird die Menschen von der Couch und von der Straße wieder dorthin, wo es ums Gestalten geht“, hatte Jesse bereits zum Neujahrsempfang als Credo ausgegeben. Die Leitbild-Diskussion sei nicht nur Sache von Verwaltung und Politik, betonen die Akteure. „Es geht darum, alle wichtigen Interessen- und Bürgergruppen der Stadt zu beteiligen, damit sie sich mit der zukünftigen Ausrichtung der Stadt aktiv auseinandersetzen und letztlich auch identifizieren können.“

Für die Innenstädte, so Kendschek, sei es entscheidend, ob es gelingt, den Bedürfnissen der unterschiedlichen Generationen gerecht zu werden. Und diese seien sehr differenziert. Kendschek hat zum Beispiel „die gehetzte Generation der jungen Familien“ identifiziert, die Kinderbetreuung und Job unter einen Hut bringen müssen, aber auch die Oma 2.0, die mit Smartphone einkaufen geht. Überhaupt das Einkaufen: „Städte müssen weiblich sein“, so Kendscheks Motto. Brandis habe da wie die meisten Kommunen noch viel Luft nach oben: „Frauen gehen in die Stadt, um sich zu treffen, zu quatschen, auch mal einen Sekt zu trinken. Und sie brauchen einen Ort, um ihren Mann abzugeben“, hatte Kendschek die Lacher auf seiner Seite. Auch die Einkaufskultur sei eine Frage, die ganz unverkrampft zu besprechen sein werde. Letztlich dürfe das Einkaufserlebnis nicht darin bestehen, spitzte der Experte bewusst zu, „dass eine wildgewordene Politesse Jagd macht auf den letzten verbliebenen Innenstadt-Besucher.“

Konzepte müssten sein, räumt auch Stadtrat Uwe Engel (Linkspartei) ein. „Allerdings dürfen wir nicht verpassen, den Schalter umzulegen und vom Konzept zur Umsetzung zu kommen.“ Jesse gibt ihm recht: „Es geht nicht darum, noch mal 60 Blatt Papier für die Schublade zu beschreiben. Das Leitbild soll ein hohes Maß an Verbindlichkeit entfalten und uns als Richtschnur gute Dienste leisten.“

Von Simone Prenzel

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