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Brandis: Die beste Medizin gegen Demenz

Brandis: Die beste Medizin gegen Demenz

Im Altenpflegeheim heißt es Warten auf Ministerin Christine Clauß (CDU), die an diesem Tag auf "Sommerreise" im Landkreis ist. Die Lachsschnittchen und Petit Fours lässt sie links liegen, als sie den Vortragssaal betritt.

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Futter für den Weg: Bevor Sozialministerin Christine Clauß wieder in die Limousine steigt, wird Hans-Werner Bärsch (r.) sein Anliegen los.

Quelle: Lisa Berins

Brandis. Mit etwas Verspätung geht die Veranstaltung los: Zum zehnjährigen Bestehen der Brandiser Selbsthilfegruppe für Angehörige Demenz- und Alzheimer-Erkrankter hat der Förderverein Altershilfe Muldental zu einer kleinen Feier eingeladen. Hans-Werner Bärsch, Initiator und zugleich Gründer des Altenpflegeheims, begrüßt die etwa 20 Anwesenden, darunter die örtliche und regionale Politprominenz.

"Die Pfleger der Erkrankten sind meist überfordert", eröffnet Bärsch. Sie litten unter Angst, Schlaflosigkeit und Schuldgefühlen aufgrund ihrer Hilflosigkeit. Deshalb das Anliegen der Selbsthilfegruppe: "Wir wollen für eine Entlastung der Seele sorgen."

Am 22. Juli 2003 gründete sich die Brandiser Gruppe. Schnell wuchs sie an: Die Nachfrage nach Unterstützung und Austausch der Betroffenen war groß. Allein in Brandis leben laut einer Studie des Landratsamtes 213 Demenz-Erkrankte. "Tendenz steigend", sagt Kreissozialamtsleiterin Karina Keßler. Die Zahlen für den gesamten Landkreis werden erst im Oktober veröffentlicht. Sicher ist aber: Das Problem betrifft nicht nur Brandis. Und so hat der Förderverein ein Netzwerk von Selbsthilfegruppen aufgebaut: Sechs von mittlerweile elf bestehenden Gruppen im Landkreis gehen auf Initiative des Fördervereins Altershilfe Muldental zurück. Gruppenleiter und -teilnehmer danken Vereinsvorsitzendem Bärsch mit Blumensträußen und kleinen Aufmerksamkeiten.

"Ich hätte ohne die Hilfe nicht weiter gewusst", sagt Maritta Voigt. Sie ist Mitglied der Brandiser Gruppe. Vor zwei Jahren wurde bei ihrem Mann Demenz festgestellt. Die Krankheit entwickelt sich rasend schnell; heute sitzt er apathisch wirkend im Rollstuhl.

"Gegen Demenz gibt es noch kein wirksames Medikament", erklärt Bärsch. Die Erkrankten leiden an einem Verlust der intellektuellen Fähigkeiten, es fällt ihnen schwer, Erfahrungen aufzunehmen, Erinnerungen abzurufen, sich zeitlich und räumlich einzuordnen. "Die beste Medizin", sagt Bärsch, "ist die Zuwendung." Doch die verlangt den Pflegenden einiges an Kraft ab. Die Beantragung von Hilfsmitteln und die Anerkennung der Pflegestufe zum Beispiel. Zudem der emotionale und zeitliche Aufwand für die Pflege. "Mit unseren Selbsthilfegruppen im Landkreis möchten wir ein Vorbild sein", sagt Bärsch in Richtung Ministerin Clauß. "Familien sind die größten Pflegeeinheiten in Deutschland", erwidert diese anerkennend und fordert ein stärkeres Engagement vonseiten der Gemeinden. Auch Bärsch wurde seine Kritik los: Die bürokratischen Hürden seien zu hoch. Eineinhalb Jahre hätten die ehrenamtlichen Gruppenleiter auf ihre kleine Aufwandsentschädigung gewartet. Das aber diskutierte der Vereinsvorsitzende lieber auf dem Rückweg zur Minister-Limousine, in der Hoffnung, dass Clauß davon mehr mitnimmt als von den Schnittchen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2013

Lisa Berins

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