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Brandis: Neue Super-Kita am Bahnhof ist Kritikern eine Nummer zu groß

Diskussion im Stadtrat Brandis: Neue Super-Kita am Bahnhof ist Kritikern eine Nummer zu groß

Vor einer Entscheidung über den Bau einer neuen Kita hat Altbürgermeister Frank Mieszkalski (SPD) noch einmal auf die finanziellen Risiken hingewiesen, die das ehrgeizige Vorhaben sowohl für die Stadtkasse als auch die kommunale Beuchaer Bau- und Wohnungsgesellschaft (BBW) mit sich bringt.

In Brandis mangelt es an Kita-Plätzen. Der Kommune schwebt ein Neubau am Brandiser Bahnhof vor
 

Quelle: dpa

Brandis.  Pläne für eine Kita mit 180 Kindern wurden am Dienstagabend erstmals in Brandis vorgestellt. „Die Stadt hat akuten Bedarf an Betreuungsplätzen“, begründete Stadtchef Arno Jesse (SPD). „Wir sind vom Jugendamt aufgefordert, auf diesen Fehlbedarf zu reagieren.“ Der Stadtrat hatte im April den Grundatzbeschluss gefasst, den Neubau einer Einrichtung anzugehen. Dafür sollen die bestehenden Objekte Kita Regenbogen in der Pappelallee und die Krippe auf der Jahnhöhe aufgegeben werden. So ist die Beschlusslage.

Im Auftrag der Beuchaer Bau- und Wohnungsgesellschaft (BBW), die das Vorhaben angehen soll, legten Architekten jetzt einen ersten Entwurf vor. Die Leipziger Hauke Herberg und Kim Wortelkamp vom Büro Quartier Vier verwiesen auf ein Vorzeigeprojekt in Leipzig-Schönau, das für Brandis übernommen werden soll. „Geplant ist eine eingeschossige Bauweise“, erläuterte Hauke Herberg. Im Zentrum des Neubaus befinde sich ein zentrales Forum, von dem alle Gruppenräume abgehen. Der Planer sprach von Kinderappartements, bei denen sich jeweils zwei Gruppen eine Garderobe und ein Bad teilen, bei den Krippenkindern auch noch einen Schlafraum. Als Standort schwebt der Verwaltung ein Gelände am Brandiser Bahnhof vor. Dieses wurde von der stadteigenen BBW vor wenigen Wochen gekauft.

Heftiger Schlagabtausch im Rat

Obwohl am Dienstag kein Beschluss zur neuen Kita auf der Agenda stand, kam es zum heftigen Schlagabtausch. Massive Zweifel an der Durchführbarkeit des „Mammut-Baus“ hegte Stadtrat Frank Mieszkalski (SPD). Im April hatte er aus Loyalitätsgründen noch den Sitzungssaal verlassen, um seine Bedenken nicht öffentlich zur Sprache zu bringen. Am Dienstagabend fielen die Worte des Alt-Bürgermeistes dafür um so deutlicher aus. „Derzeit sind zu viele Fragen offen. Ich schlage deshalb vor, das Projekt noch einmal auf Null zu setzen.“ Die Kita sei in seinen Augen überdimensioniert und für Brandis in der Form nicht zu schultern. Ganz abgesehen davon, ob es wirtschaftlich zu verantworten sei, eine erst vor 15 Jahren neu gebaute Kindereinrichtung in der Pappelallee aufzugeben und daraus mit der von Jesse favorisierten Umnutzung „die teuerste Bibliothek Sachsens“ zu machen. Mieszkalski sorgt sich auch um die Kasse der BBW. „Da die Gesellschaft keine Rücklagen hat, muss sie einen Kredit aufnehmen, für den dann wiederum die Stadt den Kopf hinhält.“ Würde die Kita angemietet, habe man es zudem mit einem kreditähnlichen Rechtsgeschäft zu tun, das durch die Landesdirektion zu genehmigen sei. „Erst vor wenigen Tagen hat der sächsische Rechnungshof-Präsident Karl-Heinz Binus in der LVZ vor solchen Modellen gewarnt“, gab Mieszkalski zu bedenken.

Amtsleiter verteidigt eingeschlagenen Kurs

Während er von weiteren Fraktionsmitgliedern unterstützt wurde, hagelte es aus den Reihen des Bürgervereins und von der Linkspartei heftige Kritik. „Die Argumente grenzen fast an eine Verhinderung des Vorhabens“, wunderte sich Ulrich Gäbel (Linkspartei). Antje Busch-Sandmann bedauerte, dass die öffentliche Plan-Vorstellung von derartigen Zweifeln überlagert wurde. Stadtchef Arno Jesse vermied es, auf die vorgebrachten Bedenken direkt zu reagieren. Dafür verteidigte Hauptamtsleiter Robert Kröber den eingeschlagenen Weg. Er räumte allerdings auch ein, dass die Finanzierung noch geklärt werden müsse. Mieszkalski geht davon aus, dass die Kita bei geschätzten 3,6 Millionen Baukosten über die gesamte Kreditlaufzeit unterm Strich über sechs Millionen Euro kosten könnte. „Deshalb“, so sein dringender Appell, „sollte man noch einmal über Alternativen nachdenken.“ Die Kita könne durchaus eine Nummer kleiner ausfallen oder in mehreren Bauabschnitten realisiert werden. Außerdem müssten nicht zwei bestehende Häuser sofort vom Netz gehen.

Jesse hatte zu Beginn erklärt, dass es an diesem Abend lediglich um die Vorstellung der Entwurfsplanung gehe. „Über Wirtschaftlichkeit, Betreibermodell und Trägerschaft hat der Stadtrat erst noch zu entscheiden.“

Von Simone Prenzel

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