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Brandis: Ostbruch strotzt vor alter Munition

Brandis: Ostbruch strotzt vor alter Munition

Brandis. Als kreuzgefährlich entpuppt sich der Brandiser Ostbruch. In dem beliebten Klettergebiet am Rande des Kohlenbergs suchen Experten der Kampfmittelbeseitigung nach altem Kriegsgerät.

. „Und wir haben hier mit Sicherheit noch bis Sommer zu tun", erzählt Olaf Thiebaut, zuständiger Räumstellenleiter der Firma Schollenberger.

Seit Monaten ist das beliebte Ausflugsgebiet weiträumig abgesperrt. „Unsere Firma ist mit fünf Leuten vor Ort, um das gesamte Gelände nach Munitionsresten aus dem zweiten Weltkrieg zu durchforsten", so der Sprengstofffachmann. Dass der Ostbruch als explosives Terrain gilt, ist in Brandis kein wirkliches Geheimnis: „Viele wissen, dass nach dem Krieg massenweise Munition vom Flugplatz hergekarrt und gesprengt worden ist", berichtet Anwohner Hartmut Gerstmann. „Zu DDR-Zeiten kam der ABV, klemmte sich ein Fundstück unter den Gepäckträger und radelte davon. Dann hörte man nie wieder was", erinnert er sich.

Was seit Jahrzehnten in dem Waldstück vor sich hin dämmert, überraschte aber selbst die Experten. Erschreckend, was bisher schon ans Tageslicht befördert wurde: 2820 Stück Handwaffenmunition, 5700 Granaten, 234 Zünder und sage und schreibe 13 Bomben zählt Thiebaut auf. „Hinzu kommen noch 2,7 Tonnen Splitter, Hülsen und Kartuschen, die wir bislang aufgestöbert haben." Unterhalb der steil aufragenden Kesselwand stießen die Sprengstoffsucher auf mehrere Verbrennungsnester. „In die Löcher wurden Waffen verkippt, Dachpappe drauf, und in der Hoffnung, dass das Feuer die Geschosse entzündet, das ganze angebrannt." Oftmals reichte die Temperatur aber nicht aus, die Sachen in die Luft zu jagen.

Was war das bisher brisanteste Fundstück? „Brisant ist eigentlich alles", meint der Chef der Räumstelle. „Man darf nicht vergessen, die Sachen sind alle gesprengt worden. Man weiß also gar nicht, was einen erwartet. Außerdem liegt das Zeug schon 60 Jahre im Gelände, ist teilweise korridiert: Da muss man jedes Stück mit Vorsicht genießen." Es sei zudem ein absoluter Trugschluss, dass altes Kriegsgerät nicht mehr gefährlich ist. „Pulver, das sich in einem Treibsatz befindet, ist noch intakt. Auch bei Panzerabwehrhandwaffen liegen die Gefechtsköpfe frei. Die Komponenten sind nicht mehr kalkulierbar." Regelmäßig werden die Teile abtransportiert und in Zeithain unschädlich gemacht.

Bisher halte sich der Munitionstourismus glücklicherweise in Grenzen. „Bislang ist es erst einmal vorgekommen, dass wir von der Mittagspause kamen und zwei Kletterer in der Wand hingen", berichtet der Truppführer. Er habe inzwischen Kontakt mit dem Leipziger Alpenverein aufgenommen, der wohl noch längere Zeit auf sein angestammtes Trainingsareal verzichten muss. „Noch bis zum Sommer", schätzt Thiebaut, „werden wir hier zu tun haben." Derzeit wird die obere Kante des Bruchs abgesucht. „Selbst hier finden wir bis zu fünf Kilo schwere Munitionsteile, die es aus dem Kessel rausgeschleudert hat." Und auch im Untergrund vermuten die Experten noch gefährliche Hinterlassenschaften. In einigen Wochen sollen Taucher zum Einsatz kommen: Sie werden sich das Wasserloch vornehmen, das von dem einstigen Stadtbad noch übrig ist.

Simone Prenzel

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