Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Brandis: Umbettungs-Pläne für russische Kriegsgefangene sind vom Tisch

Brandis: Umbettungs-Pläne für russische Kriegsgefangene sind vom Tisch

Viele Jahre waren sie in Vergessenheit geraten - die Kriegsgräber auf dem Alten Friedhof in Brandis. In jüngster Vergangenheit verfolgte die Stadt den Gedanken, das Areal umzugestalten.

Voriger Artikel
Wurzen im Glück
Nächster Artikel
Sächsische Spenden-Bürokratie fordert in Machern ihr erstes Opfer

Stiefmütterlich wurde der Brandiser Ehrenhain zuletzt behandelt. Seitdem die Umbettung vom Tisch ist, kümmert sich die Stadt wieder mehr um die Kriegsgräber.

Quelle: Archiv

Brandis. Die sterblichen Überreste sollten umgebettet, die Fläche städtebaulich neu geordnet werden. Hintergrund waren Absichten des Discounters Lidl, der die Mathildenstraße für eine Ansiedlung im Blick hatte.

"Diese Pläne sind jetzt vom Tisch", berichtet der Brandiser Michael Riedling. Der 35-Jährige hatte 2008 die Initiative ergriffen und den Friedhof mit Arbeitseinsätzen wieder ins öffentliche Bewusstsein geholt. "Ich fand es nicht mehr vertretbar, wie mit den Gräbern umgegangen wurde."

Umgestürzte Grabsteine, eine marode Mauer und Efeu, der alles überwucherte - das sei nicht länger zu tolerieren gewesen. "Wenn man weiß, wie in anderen Ländern Kriegsgräber gepflegt werden, blutete einem das Herz", so der Brandiser. Er habe ähnliche Erinnerungsstätten in der Ukraine besucht. "Alles ist dort in einem sehr guten Zustand." Anders in Brandis. Durch die jahrelange Hängepartie, ob die Gräber nun umgebettet werden oder nicht, hatte die Stadt zuletzt nicht sonderlich viel Fürsorge für die Grabstätten übrig. Erst jetzt sei eine erfreuliche Kehrtwende festzustellen. Er stehe regelmäßig mit Bürgermeister Arno Jesse (SPD) in Kontakt, berichtete Riedling gestern. Laut Jesse entsprangen die Diskussionen über die Errichtung eines Shoppingscenters damals ohnehin "mehr fragwürdigem Wunschdenken denn realen Grundlagen".

Der Bauhof entfernte erst kürzlich die rot-weißen Absperrbänder, die nach dem Abriss der alten Friedhofsmauer seit einer gefühlten Ewigkeit im Wind flatterten und eine Art Dauerbaustelle suggerierten. "Die Stadt hat kürzlich einen Drahtzaun gesetzt. Und auch unseren Arbeitseinsatz am kommenden Samstag wird die Kommune logistisch unterstützen", freut sich Riedling über die neue Aufgeschlossenheit im Rathaus.

Der heute 35-Jährige spielte als Kind auf dem Polenzer Flugplatz. "Wir waren Paten für eine russische Offiziersfamilie." Noch heute unterhält er Kontakt zu dem einstmals in Polenz stationierten Offizier und dessen Angehörigen, die nahe Moskau wohnen. Auch aus diesem Grund sei es ihm nicht gleichgültig, wie mit dem Andenken der Kriegsgefangenen in Brandis umgegangen wird. Wie viele von ihnen auf dem Friedhof liegen, ist nicht bekannt. Die Angaben über Anzahl und Nationalität der Bestatteten differieren. Berichten zufolge soll es sich überwiegend um russische Opfer handeln, die als Kriegsgefangene auf dem Flugplatz Polenz oder im Kriegsgefangenenlazarett Parkschlösschen umkamen. 1946 wurden ihre sterblichen Überreste an den Rand des Alten Friedhofs umgebettet. 1947 entstand ein weiteres Gemeinschaftsgrab für Zwangsarbeiter aus Wurzen und Zschadraß.

Auch auf der Homepage der Stiftung Sächsische Gedenkstätten wird der Ehrenhain erwähnt. Dort heißt es, die Zahl der Toten würde zwischen 241 und 302 schwanken. Ihrer zu gedenken ist Michael Riedling und seinen Mitstreitern ein Anliegen. Zum Arbeitseinsatz am 28. März hoffen sie dabei auf viele Helfer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2015
Simone Prenzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wurzen
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

23.09.2017 - 15:12 Uhr

Mit einem 4:4-Unentschieden muss sich die U19 am Ende in einem spektakulären Spiel gegen den Niendorfer TSV zufrieden geben. Die Klauß-Elf drehte einen 0:3-Rückstand, kassierte aber in der Schlussphase den bitteren Ausgleich.

mehr