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Wurzen Brandis: Umbettungs-Pläne für russische Kriegsgefangene sind vom Tisch
Region Wurzen Brandis: Umbettungs-Pläne für russische Kriegsgefangene sind vom Tisch
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13:52 19.05.2015
Stiefmütterlich wurde der Brandiser Ehrenhain zuletzt behandelt. Seitdem die Umbettung vom Tisch ist, kümmert sich die Stadt wieder mehr um die Kriegsgräber. Quelle: Archiv

Die sterblichen Überreste sollten umgebettet, die Fläche städtebaulich neu geordnet werden. Hintergrund waren Absichten des Discounters Lidl, der die Mathildenstraße für eine Ansiedlung im Blick hatte.

"Diese Pläne sind jetzt vom Tisch", berichtet der Brandiser Michael Riedling. Der 35-Jährige hatte 2008 die Initiative ergriffen und den Friedhof mit Arbeitseinsätzen wieder ins öffentliche Bewusstsein geholt. "Ich fand es nicht mehr vertretbar, wie mit den Gräbern umgegangen wurde."

Umgestürzte Grabsteine, eine marode Mauer und Efeu, der alles überwucherte - das sei nicht länger zu tolerieren gewesen. "Wenn man weiß, wie in anderen Ländern Kriegsgräber gepflegt werden, blutete einem das Herz", so der Brandiser. Er habe ähnliche Erinnerungsstätten in der Ukraine besucht. "Alles ist dort in einem sehr guten Zustand." Anders in Brandis. Durch die jahrelange Hängepartie, ob die Gräber nun umgebettet werden oder nicht, hatte die Stadt zuletzt nicht sonderlich viel Fürsorge für die Grabstätten übrig. Erst jetzt sei eine erfreuliche Kehrtwende festzustellen. Er stehe regelmäßig mit Bürgermeister Arno Jesse (SPD) in Kontakt, berichtete Riedling gestern. Laut Jesse entsprangen die Diskussionen über die Errichtung eines Shoppingscenters damals ohnehin "mehr fragwürdigem Wunschdenken denn realen Grundlagen".

Der Bauhof entfernte erst kürzlich die rot-weißen Absperrbänder, die nach dem Abriss der alten Friedhofsmauer seit einer gefühlten Ewigkeit im Wind flatterten und eine Art Dauerbaustelle suggerierten. "Die Stadt hat kürzlich einen Drahtzaun gesetzt. Und auch unseren Arbeitseinsatz am kommenden Samstag wird die Kommune logistisch unterstützen", freut sich Riedling über die neue Aufgeschlossenheit im Rathaus.

Der heute 35-Jährige spielte als Kind auf dem Polenzer Flugplatz. "Wir waren Paten für eine russische Offiziersfamilie." Noch heute unterhält er Kontakt zu dem einstmals in Polenz stationierten Offizier und dessen Angehörigen, die nahe Moskau wohnen. Auch aus diesem Grund sei es ihm nicht gleichgültig, wie mit dem Andenken der Kriegsgefangenen in Brandis umgegangen wird. Wie viele von ihnen auf dem Friedhof liegen, ist nicht bekannt. Die Angaben über Anzahl und Nationalität der Bestatteten differieren. Berichten zufolge soll es sich überwiegend um russische Opfer handeln, die als Kriegsgefangene auf dem Flugplatz Polenz oder im Kriegsgefangenenlazarett Parkschlösschen umkamen. 1946 wurden ihre sterblichen Überreste an den Rand des Alten Friedhofs umgebettet. 1947 entstand ein weiteres Gemeinschaftsgrab für Zwangsarbeiter aus Wurzen und Zschadraß.

Auch auf der Homepage der Stiftung Sächsische Gedenkstätten wird der Ehrenhain erwähnt. Dort heißt es, die Zahl der Toten würde zwischen 241 und 302 schwanken. Ihrer zu gedenken ist Michael Riedling und seinen Mitstreitern ein Anliegen. Zum Arbeitseinsatz am 28. März hoffen sie dabei auf viele Helfer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2015
Simone Prenzel

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