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Wurzen Brandis ehrt engagierte Bürger beim Neujahrsempfang
Region Wurzen Brandis ehrt engagierte Bürger beim Neujahrsempfang
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14:26 22.01.2016
Stadtchef Arno Jesse verlieh die Brandiser Ehrennadel an Ulrich Seidel, Frank Mittag,Christiane Meier und Tobias Schmidt (v.r.n.l.).  Quelle: Thomas Kube
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Brandis

 Öffentliche Wertschätzung für die zahlreichen Ehrenamtlichen, ohne die es in der Kommune nicht geht, stand im Mittelpunkt des Brandiser Neujahrsempfangs am Donnerstagabend in der Oberschule. Bürgermeister Arno Jesse (SPD) ging in seiner Rede aber auch auf die „nervöse Grundstimmung“ ein, die er vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsdebatte verspüre. „Welches Land wollen wir sein?“- diese Frage stelle sich aus seiner Sicht mehr denn je.

Beim Neujahrsempfang der Stadt Brandis wurde in vier Kategorien die Brandiser Ehrennadel für besonderes Engagement verliehen.

„Auch in Brandis leben inzwischen über 170 geflüchtete Menschen. Die Tatsache, dass das Miteinander bisher sehr gut klappt, kann uns mit einigem Stolz erfüllen.“ Die positive Entwicklung habe man den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken, die für eine gelingende Integration wirken. Jesse erfüllt es mit Zuversicht, wie in der Kommune mit überwiegender Mehrheit konstruktiv mit den eigenen Ängsten umgegangen werde, „dass eher das Gespräch gesucht als geschimpft wird, dass viele Menschen den Mut haben, über ihren Schatten zu springen, dass aus Sorge teilweise Hilfe geworden ist“. Ähnlich verstörende Prozesse hätten die Menschen vor 25 Jahren zur Zeit der Wende erlebt. „Wieder sieht man eine Entwicklung auf sich zukommen, die tief verunsichert.“

Doch heute reagieren die Menschen seiner Einschätzung nach viel kritischer auf die Angebote der etablierten Parteien. Gerade die Kommunalpolitik könne aber Angebote machen, dass sich Bürger wieder einbringen, sich nicht gänzlich von der Politik entfremden.

Jesse sprach sich dafür aus, die Chance der Veränderung auch in Brandis zu nutzen. Als Beispiel dafür, wie befruchtend Verschiedenheit sein kann, nannte er die Japanerin Mariko Mitsuyu und den Engländer Adam Jones, die in Polenz einen maroden Dreiseithof saniert und zu einer Stätte für Konzerte und Begegnungen gemacht haben. „Wie reich ist dieser Ort durch Veränderung von außen, durch dieses internationale und multikulturelle Paar geworden?“

Angesichts der aktuellen Herausforderungen würden standardisierte Antworten nicht mehr genügen, erklärte Jesse vor den rund 140 geladenen Gästen. Ganz ausdrücklich bezog er das auch auf die kommunale Ebene. „Welche Stadt wollen wir sein? Antwort darauf soll in diesem Jahr eine Leitbild-Diskussion geben, zu der ich alle Brandiser schon jetzt herzlich einlade.“ Als sächsische Innovationskommune binde man die Bürger bereits auf vielfältige Weise ein.

Keine Geringere als Gesche Joost, im Bundestagswahlkampf 2013 Mitglied in Steinbrücks SPD-Schattenkabinett, wird Brandis dabei assistieren. Die Designprofessorin, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2014 zur Digitalen Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland berufen wurde, wird in Brandis das Projekt „Mit-Mach-Stadt: Bürgerbeteiligung von Übermorgen“ anstoßen. Gemeinsam mit der Universität der Künste Berlin werde man im Rahmen eines Forschungsprojektes neue Formate der Bürgerbeteiligung erproben, kündigte Jesse an. Ein Hauch große Politik dürfte durch die 10.000-Einwohner-Stadt wehen, wenn am 8. Februar der Startschuss fällt.

Vier Brandiser, die sich bereits auf vielfältige Weise einbringen, wurden mit der Brandiser Ehrennadel ausgezeichnet. Tobias Schmidt leitet in Polenz den Frauen- und den Männerchor. „Obwohl er als Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes Leipzig einen Fulltime-Job hat, probt er zweimal die Woche mit den Polenzer Sängern. „Selbst ein eingegipster Arm ist für den 37-jährigen kein Grund, die Proben ausfallen zu lassen“, lobte Laudatorin Gerlinde Lipfert. Als Fußballer mit Herz, der sich unermüdlich für die Nachwuchskicker engagiert, zollte Nico Hebold seinem Trainerkollegen Frank Mittag Respekt: „Würden alle Stunden, die er ehrenamtlich auf Achse ist, bezahlt, wäre Frank Millionär.“ Der 49-Jährige trainiert die C-Jugend des FSV Brandis und organisiert maßgeblich die Hallencup-Serie.

Für ihr soziales Engagement würdigte Annette Erbrich die Waldsteinbergerin Christiane Meier: „Seit 1989 koordiniert sie in Brandis Sammlungen für die Hilfsorganisation Adra und baute auch das Spendenlager in der Töpfergasse auf.“ Ein alter Bekannter wurde schließlich mit Pfarrer i.R. Ulrich Seidel nach vorn gebeten. „Durch Ihre ansteckende Fröhlichkeit, Ihre offene und mitreißende Art haben Sie die Herzen der Brandiser im Sturm erobert“, dankte Andreas Bunk dem ehemaligen Stadtpfarrer, der sich aufrichtig über das Wiedersehen und die Brandiser Ehrennadel freute.

Von Simone Prenzel

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