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Brandis im Jahr 2030 – „Mitmachen erwünscht“

Integriertes Stadtentwicklungskonzept Brandis im Jahr 2030 – „Mitmachen erwünscht“

„Mitmachen erwünscht“ – so hatte die Stadtverwaltung Brandis zur Teilnahme an der dritten Einwohnerversammlung seit 2014 geworben. Ging es in den ersten beiden um Verkehrskonzept und Flüchtlinge, so stand diesmal aus aktuellem Anlass die Stadtentwicklung im Mittelpunkt. Die Stadt arbeitet momentan an einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030 (INSEK).

Der Schriftzug über der Tür des Parkschlösschens in der Bahnhofstraße erinnert noch an das kleine Café, das noch im vergangenen Jahr mit Kuchen und Eis lockte, bei schönem Wetter auch mit einem Freisitz. Zu wenige Gäste nahmen jedoch das Angebot an, und so ist es jetzt geschlossen.

Quelle: Thomas Kube

Brandis. „Mitmachen erwünscht“ – so hatte die Stadtverwaltung Brandis zur Teilnahme an der dritten Einwohnerversammlung seit 2014 geworben. Ging es in den ersten beiden um Verkehrskonzept und Flüchtlinge, so stand diesmal aus aktuellem Anlass die Stadtentwicklung im Mittelpunkt. Denn Brandis arbeitet momentan an einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030 (INSEK). Die Brandiser gaben den Planern dafür viele Hinweise mit auf den Weg. Rot für Risiken und grün für Chancen – am Ende war das Verhältnis der beschrifteten Karten an der Tafel fast ausgewogen. Das Dutzend Bürger – deutlich weniger als bei den anderen beiden Einwohnerversammlungen – hatte nicht nur Einiges an der bisherigen Stadtentwicklung zu kritisieren, sondern auch viel zu loben.

Hinter der Arbeit am INSEK steht die Notwendigkeit, Planungsprozesse ganzheitlich zu gestalten, also Siedlungsstruktur, Verkehr, Umwelt und soziale Belange im Zusammenhang zu betrachten. Ziel ist, bei immer schnellerer Veränderung von Rahmenbedingungen und Anforderungen an eine Stadt, eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Förderprogramme werden deshalb in der Regel an die Bedingung geknüpft, dass integrierte Konzepte vorliegen. Erst Anfang März hatte sich die Stadt mit dem Städtebaulichen Entwicklungskonzept (SEKO) „Brandiser Mitte“ um Fördermittel aus dem Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ beworben, ein Bescheid wird bis September erwartet. Da das INSEK hierfür sozusagen der Fördertopföffner sein könnte, wurde es schon mal als vorläufiges Konzept eingereicht, erklärte Katrin Mörer von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft, die zusammen mit Florian Finkenstein von der Seecon Ingenieure GmbH am INSEK arbeitet.

In seine Konkretisierung bis Ende 2017 wollten die Planer nun auch die Bürger einbeziehen. „Es geht im INSEK darum, zu sagen, wo wofür Bedarf besteht, und zwar in allen Ortsteilen. Daraus werden später konkrete Maßnahmen abgeleitet“, erklärte Mörer, die den sperrigen Titel lieber durch „Neue Strategien für Brandis“ ersetzte. In einer Reihe von Fachkonzepten werden diese Handlungsfelder analysiert. Da geht es im Fachkonzept „Städtebau“ um Flächen, Bauen, Wohnen, Denkmalpflege und Brachen, im Konzept „Wirtschaft“ um Gewerbe, Industrie, Nahversorgung, Land- und Forstwirtschaft. „Hier wird zum Beispiel geschaut, was für Gewerbe vorhanden ist, welche Sortimente fehlen“, erklärte Mörer. Das Konzept „Netze“ untersucht Verkehr, Mobilität, technische Infrastruktur, Breitband, das Konzept „Klima“ Energie, Natur, Landschaft und Umwelt. Beim Stichwort „Freizeit“ stehen Kultur, Sport, Tourismus und Naherholung im Fokus – „zum Beispiel kann sich Brandis mit Autobahnsee und Reitwegen profilieren“ –, bei der „Daseinsvorsorge“ sind es Bildung, Kinder, Senioren, Medizin und Sicherheit. Und schließlich wird geschaut, welche „Finanzen“, also Steuern und Förderprogramme, genutzt werden.

Mörer hatte zuvor neben dem Regionalplan und anderen in Brandis schon vorhandenen Planungen wie Innovationskommune, Leitbild, Konzepte für Verkehr, Jugend und Einzelhandel auch die Bevölkerungsentwicklung als wichtigen Ausgangspunkt für das INSEK genannt. „Es gibt einen großen Zuzug der 30-40-Jährigen, also in der Familiengründungsphase, die im Speckgürtel von Leipzig wohnen wollen.“ Um 2025 müsse aber, durch den Geburtenknick Anfang der 1990er, mit einem Rückgang der Geburtenzahlen gerechnet werden. „Brandis könnte 2036 bei 11 000 Einwohnern landen, jetzt sind es 9650“, prognostizierte sie. Und: „Wir brauchen diese Prognose, sonst hinken wir bei der Infrastruktur immer hinterher.“ So liege der Bedarf an Kita-Plätzen schon jetzt über der Kapazität, auch die der Oberschule könnte durch den überörtlichen Einzugsbereich ein Problem werden, während es am Gymnasium „völlig unkritisch“ aussehe. Die Planer empfahlen nicht nur in diesem Bereich eine kleinteilige Beobachtung. „Denn das Ganze ist eher ein Prozess“, erklärte Finkenstein. „Natürlich ist es wichtig, zwischendurch zu schauen, ob der Plan noch dem Leben entspricht und sich die Stadt so entwickelt wie gewünscht.“

Risiken

fehlender Lärmaktionsplan

Defizite beim Breitbandausbau

fehlende Angebote für betreutes Wohnen

fehlende Gaststättenangebote

zu wenig Fachärzte

Lücken im Einzelhandel

zu wenig Hierbleibechancen für Schulabgänger

fehlende Baugebiete: „Eine gezielte Stadtentwicklung mit Augenmaß ist für alle das Beste“, meinte eine Frau. Das bisher nicht überall Augenmaß herrschte, verdeutlichte eine Waldsteinbergerin. „Vor 17 Jahren noch sollten Grundstücke keinesfalls geteilt werden, aber in den letzten Jahren wurden allein im Rotkehlchenweg sieben Häuser gebaut, dafür Bäume gefällt, Flächen versiegelt. Aus Waldsteinberg wird bald Steinberg“, fürchtete sie. Stadtrat Ulrich Gäbel (Linke) sprach sich sogar für einen Baustopp aus, um zuerst zu klären, was aus dem Ortsteil werden soll. „Ich bin für Wachstum, aber für ein gesundes“, sagte er. „Wir müssen so wachsen, dass sich die Stadt noch selbst finanzieren kann“, ergänzte Stadtrat Frank Mieszkalski (SPD). „Mit jedem Zuzug entstehen Folgekosten, allein ein Kita-Platz kostet 20 000 Euro.“ Bürgermeister Arno Jesse (SPD) setzt eher auf Verdichten, so entstehe in der Mitte und in der Viehweide von Beucha etwas. „Ich bin für Wachstum, weil es der Stadt nicht gut täte, wenn keine jungen Familien mehr kämen. Zur Zeit sind knapp 30 Prozent der Einwohner unter 27 Jahren. Und sofern beeinflussbar, würde ich diesen Wert gern halten.“

Chancen

Kita- und Schulstandort als Angelpunkt für die Zukunft: Es gibt Überlegungen für einen Erweiterungsbau für die Oberschule und zur Sanierung der Grundschule. „Aber im Moment haben wir nicht die Finanzen, das zu stemmen“, sagte der Bürgermeister.

musikalische Angebote und musikalische Bildungsangebote

Sportangebote

Ernennung zur Innovationskommune fördert die Anziehungskraft von Brandis

Förderung der Vereinsarbeit

Naturschutz in Planung einbeziehen

Änderungen beim Klima mit steigenden Temperaturen erfordert mehr Grün in der Stadt

Verbesserungen beim Öffentlichen Personennahverkehr durch den seit Ende vergangenen Jahres fahrenden kleinen Stadtbus: Die zweite Stufe folgt mit der Fahrplanumstellung ab 7. August, informierte Bürgermeister Arno Jesse, dann gibt es auch für den Ortsteil Polenz eine deutliche Verbesserung, wenn der Regionalbus den Ort im Stundentakt anfährt. Der im Halbstundentakt vom Rehaklinikum bis zum S-Bahn-Haltepunkt in Gerichshain pendelnden Kleinbus, der quer durch die Stadt fährt und etwa aller 300 Meter hält, hat aber noch andere positive Effekte. Er mindere den Individualverkehr und damit auch ein bisschen den Lärm, meinte Stadtrat Ulrich Gäbel (Linke). Bürgermeister Arno Jesse (SPD) hofft, dass die Fahrgäste, die beispielsweise am Markt zusteigen, die Wartezeit mit einem kleinen Bummel verkürzen, was den Einzelhändlern mehr Publikum brächte.

Von Ines Alekowa

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