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Brandiser Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen

Festveranstaltung Brandiser Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen

Die Brandiser Feuerwehr hat mit einer Festveranstaltung ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Kein Wort fiel dabei wohl so oft wie Kameradschaft. „Was ist eine Feuerwehr? Ein Gerätehaus, ein rotes Auto?“, fragte Stadtwehrleiter Ralph Kösters. „Nein. Was die Wehr über so lange Zeit geprägt hat, ist Kameradschaft.“ Neun Feuerwehrleute wurden geehrt.

Geehrte, Ausgezeichnete und Festredner kamen nach dem offiziellen Teil zu einem Gruppenfoto zusammen: (v.l.) Bernd Merbitz, Armin Blech, André Koch, Falk Lehmann, Werner Schöllig, Thomas Eckert, Bernd Lienert, Heiko Bernert, Daniel Angeli, Karl-Heinz Remler, Thomas Angeli, (sitzend:) Arno Jesse und David Zühlke.

Quelle: Ines Alekowa

Brandis. Kein Wort fiel zur Festveranstaltung der Brandiser Feuerwehr anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens wohl so oft wie Kameradschaft. „Was ist eine Feuerwehr? Ein Gerätehaus, ein rotes Auto?“, fragte Stadtwehrleiter Ralph Kösters. „Nein. Was die Wehr über so lange Zeit geprägt hat, ist Kameradschaft.“ Das bedeute unter anderem, 100 Prozent in Einsatz und Ausbildung zu geben, einander zu vertrauen, seine Meinung zu sagen. „Wenn es gelingt, das zu pflegen, hat die Wehr weiter Bestand.“

„Die Sorge und Hilfe für andere Menschen ist das wertvollste Kapitel im Haushalt der Menschheit“, zitierte Bürgermeister Arno Jesse (SPD), der den Abend in der Mehrzweckhalle mit 200 geladenen Gästen moderierte, Altbundespräsident Theodor Heuss. Es brauche Menschen, die helfen statt wegschauen, die gestalten statt zerstören – so wie leider die, die eine der Strohpuppen-Wegweiser zum Festwochenende 16.-18. Juni zerflederten. Das Jubiläum sei deshalb für die Stadt von besonderer Bedeutung. Es zeige, was möglich ist, „wenn Leute eine Mission und Ideen haben“. Die Wehr sei auch in unruhigen Zeiten ein verlässlicher Anker, lobte Jesse. „Und das ist nicht selbstverständlich, wenn man sich die Brüche in den Lebenslinien anschaut.“ Auch das gesellschaftliche Leben wäre ohne Feuerwehr sehr viel ärmer, erinnerte er an Martinsumzug oder Maibaumsetzen. Für ihre Aufgaben sei die Wehr „hervorragend ausgestattet“. „Dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen, tragen alle Verantwortung in Politik und Verwaltung“, sagte er und konstatierte: „Es gibt noch Verbesserungspotenzial.“ Aber auch die Bürger trügen Verantwortung für eine sicheres Leben in der Stadt.

Es waren Mitglieder des Brandiser Gewerbevereins, die, motiviert durch den 3. Deutschen Feuerwehrtag in Leipzig, 1867 eine Lösch- und Rettungskompanie gründeten, griff Wehrleiter Thomas Eckert den Faden auf und unternahm einen Exkurs in die Geschichte. Die Feuerwehr unter Kommandant Gustav Korb bestand damals aus 24 Mitgliedern, einer vierrädrigen Spritze sowie einer einholmigen Steigleiter. „150 Jahre im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Ereignisse brachten viele Höhen und Tiefen“, so Eckert: 1878 die erste neu angeschaffte Spritze, 1902 erstmalig Bildung einer Pflichtfeuerwehr, um die Löcher in den Reihen zu stopfen, im II. Weltkrieg Löschhilfe in Leipzig nach Bombenangriffen, 1988 in der Wurzener Keksfabrik der größte Nachkriegseinsatz. „In den letzten 25 Jahren verlief die Entwicklung rasant“, berichtete Eckert: Fahrzeugbestand verdoppelt, Fläche des Gerätehauses – vor zehn Jahren nach harten Jahren im Übergangsquartier eingeweiht – vervierfacht, Aufwand zum Betreiben ins Unermessliche gestiegen.

„Aber das wichtigste Gut sind nicht Fahrzeuge und Material, sondern die Menschen, die über 150 Jahre selbstlos die Aufgabe der Feuerwehr wahrgenommen haben“, betonte er. „Ehrenamt und Kameradschaft, einer für alle und alle für einen – das ist das, was uns stolz macht.“ Heute rücken die Brandiser als Schwerpunktwehr im nördlichen Landkreis zu circa 100 Einsätzen im Jahr aus, wobei sich die Aufgaben gewandelt haben. „Vor allem an die technische Hilfeleistung haben unsere Gründungsväter sehr wahrscheinlich noch nicht gedacht“, meinte Eckert. Er erinnerte an eine Massenkarambolage auf der verschneiten A 14, an den Bahnunfall in Lauterbach... Trotzdem ringe der Feuerwehrmann um Anerkennung und Verständnis in der Gesellschaft. „In der DDR wurde über Freistellungen zum Feuerwehrdienst nicht einmal diskutiert. Heute werben wir um finanzielle Mittel und kämpfen um Freistellungen, damit wir Lehrgänge und Einsätze absolvieren können.“

„Wer sich so einsetzt, hat auch eine Ehrung verdient“, sagte Jesse. Das Ehrenzeichen des Deutschen Feuerwehrverbandes in Bronze erhielt der stellvertretende Stadtwehrleiter André Koch, das Steckkreuz des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) Brandmeister Daniel Angeli, die Verdienstmedaille des KFV Heiko Bernert und Falk Lehmann. „150 Jahre klingt viel“, hatte Stadtwehrleiter Kösters gesagt, „aber zählt man die Erfahrungsjahre in diesem Saal zusammen, ist das verdammt wenig.“ Allein Armin Blech und Karl-Heinz Remler bringen es auf 130 Jahre, sie wurden für 65 Jahre Mitgliedschaft in der FFw geehrt. Außerdem wurden drei Ehrenmitglieder ernannt.

Oberbrandmeister Werner Schöllig, seit 1954 in der Wehr, ist die Gründung der ersten Frauengruppe 1968 zu verdanken, und er engagierte sich für den Bau des dringend benötigten Schulungsraums 1967. Der Name Thomas Angeli ist untrennbar mit dem Feuerwehrsport verbunden. Seit 30 Jahren in der Wehr, baute er die Anlage auf der Jahnhöhe mit auf, war Wettkämpfer, Mannschaftsleiter und Trainer bei nationalen und internationalen Wettkämpfen und organisierte den 1. Sachsenpokal 1990. Auch Bernd Lienert hat den Feuerwehrsport aktiv mitgestaltet, fungiert jetzt als Vize-Kreisbrandmeister.

Natürlich gab es auch viele Grußworte, so von Polizeipräsident Bernd Merbitz, vom stellvertretenden Kreisbrandmeister Bernd Lienert im Namen von Landrat Henry Graichen, vom Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes David Zühlke. Glückwünsche kamen selbstverständlich auch von den Ortswehren Beucha und Polenz, aber auch von Wurzen, Machern, Naunhof, Borsdorf und Bennewitz. Der Brandiser Ortsvorsteher Ullrich Gäbel beschloss die Runde der Gratulanten: „Die Brandiser Bürger sind dankbar für eure Einsatzbereitschaft und wünschen euch Gesundheit und immer ein gutes Nachhausekommen.“

Grußworte

„Ihre Arbeit kann man gar nicht hoch genug schätzen“, erinnerte Polizeipräsident Bernd Merbitz insbesondere an die Hochwassereinsätze 2002 und 2013. „Umso bedauerlicher finde ich, dass ich hier heute vergeblich einen Vertreter des Innenministeriums suche. In jeder Situation kann man sich auf Sie verlassen. Ich glaube, die Politik muss sich in Zukunft überlegen, wie sie mit dem Ehrenamt umgeht.“ Das Ehrenamt zu betonen, setze voraus, „dass man dafür Bedingungen schafft“.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister Bernd Lienert überbrachte die Grußworte von Landrat Henry Graichen und verwies darauf, „dass mit Fördermitteln und der daraus resultierenden technischen Ausstattung eine schlagkräftige Wehr im westlichen Muldental etabliert werden konnte“.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes David Zühlke wertete die 150 Jahre „als Beweis, dass es damals wie heute in der Stadt einen ausgeprägten Gemeinsinn gibt“. Er unterstrich bei der Gelegenheit die Bedeutung der Ortsfeuerwehren als „wichtige Ergänzung der Schwerpunktwehren, denn deren Ortskenntnis optimiert die Einsätze“.

Von Ines Alekowa

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