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Wurzen Brandiser Friedhof: Bürgerverein ruft zum Arbeitseinsatz auf
Region Wurzen Brandiser Friedhof: Bürgerverein ruft zum Arbeitseinsatz auf
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14:46 08.04.2018
In der Mitte des Alten Friedhofs: die Grabanlage der ehemaligen Schlossbesitzer von Pentz. Quelle: Ines Alekowa
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Brandis

Über die Wiesen verstreut liegen noch einzelne Gräber, einer Hand voll von ihnen sieht man noch eine liebevoll pflegende Hand an. Manche Steine sind umgekippt, Moos hat die Wege überwachsen. Jetzt will der rund 30 Mitglieder zählende Bürgerverein Brandis (BVB) das Gelände optisch aufwerten und so für Spaziergänger, zum Beispiel Patienten der Rehaklinik, attraktiver gestalten. Im Moment nutzen es die Brandiser meist nur als Abkürzung zwischen Leipziger Straße und Rathausgasse.

Inspiriert von einer Friedhofsführung im vergangenen Jahr mit dem damaligen Ortschronisten Frank Schimpke hatte Vereinsvorsitzender Jens Müller auf einer Vereinssitzung den Vorschlag unterbreitet, dazu mehrere Arbeitseinsätze zu starten. Ein erster - allerdings mit mäßiger Beteiligung - fand im Frühjahr statt. Am Sonnabend soll ein weiterer folgen, ein dritter und vierter im Frühjahr und Herbst 2016. "Hier besteht die Möglichkeit, einmal Bürgerinitiative zu zeigen, anstatt immer nur zu fordern, die Stadt solle etwas machen", sagt Müller und schaut bei der Gelegenheit auch gleich noch über die Friedhofsmauer hinweg: "Es ist überhaupt schade, dass es in Brandis, im Gegensatz zu anderen Orten, seit vielen Jahren keinen Subotnik mehr gibt." Bei dem 9.30 Uhr beginnenden Arbeitseinsatz, zu dem also Helfer mit Harke, Schippe und Gartenschere gern gesehen sind, und auch der Bauhof, wie Müller lobt, wieder einen Hänger für Grünschnitt zur Verfügung stellt, soll nun auch auf dem zweiten Viertel "Geschichte behutsam freigeschnitten werden", so Müller. Denn das vielleicht drei Hektar große Gelände kann einiges erzählen.

1704, damals noch außerhalb der Stadt, wurde der Friedhof angelegt. 1738 wurde er mit einer Mauer und einem Tor versehen und durch Hinzunahme des Pfarrgartens erstmals vergrößert, 1872 durch Einbeziehung des Kantorgartens ein zweites Mal, hat Frank Schimpke recherchiert. "Über 250 Jahre fanden auf dem Friedhof die Verstorbenen von Brandis und dem Dorf Cämmerei ihre letzte Ruhestätte. Jenseits des von prächtigen alten Linden gesäumten Weges befinden sich an den Außenmauern die Grabmale der alten Brandiser Familien, deren Angehörige im Leben der Stadt einst eine bedeutende Rolle spielten." Besonders hervor hebt Schimpke die von einem eisernen Zaun umgebene Begräbnisstätte der Familie von Pentz in der Mitte des Friedhofes. 1849 bis 1934 gehörten dieser Schloss und Rittergut Brandis. "Eine Grabtafel ist dem wegen Beteiligung am Umsturzversuch gegen Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichteten General Carl-Heinrich von Stülpnagel gewidmet. Er hatte 1916 Helene, Freiin von Pentz, geheiratet." Das einzige erhaltene Grabmal eines Brandiser Bürgermeisters findet man in einer Ecke südlich des Einganges. "Arthur Bock (1899 - 1946) war zum Ende des 2. Weltkrieges am 20. April 1945 von den Amerikanern bestimmt worden, das Bürgermeisteramt zu übernehmen. Er hat nach Kräften die damals schwierigen Zeiten voller Konflikte und Probleme zu meistern gesucht", sagt der ehemalige Ortschronist. "Jedoch war ihm nur eine kurze Amtszeit beschieden, denn mit dem Einzug der Roten Armee in Brandis erfolgte am 13. Juli 1945 seine Absetzung." Außerdem gibt es einen kleinen Ehrenhain für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

"Man kann aber vom Alten Friedhof nicht nur ein gutes Stück Brandiser Geschichte mitnehmen. Das dichte Gebüsch wird von Grasmücken geliebt, man kann Buchfinken, Kleiber und Specht beobachten", wirbt Hobbyornithologe Müller für einen Besuch im Friedhofspark.

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